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StartseiteForschung aktuellKiffen mit Spätfolgen30.07.2007

Kiffen mit Spätfolgen

Cannabis erhöht das Risiko für Psychosen

<strong>Medizin. -Laut Untersuchungen haben etwa 30 Prozent aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen einmal Cannabis konsumiert. Davon rauchen etwa bis zu fünf Prozent regelmäßig einen Joint. Vor allem diese Gruppe geht dabei ein enormes Risiko für psychische Erkrankungen ein, wie eine aktuelle Studie eindeutig belegt.</strong>

Von Kristin Raabe

Zu viele Joints in jungen Jahren erhöhen das Risiko für psychische Schäden erheblich. (AP)
Zu viele Joints in jungen Jahren erhöhen das Risiko für psychische Schäden erheblich. (AP)

"Da war ich 14 Jahre alt. Das war damals in der Realschule und ich bin halt durch einen Mitschüler daran gekommen. Es war immer ein großes Treffen, da war bei dem einen Mitschüler fast täglich die Bude voll und alle haben immer geraucht."

Andreas ist in der Nähe der niederländischen Grenze aufgewachsen. Haschisch ist dort in den 90er Jahren billig zu bekommen. Zehn Mark kostet ein Gramm. Selbst Schüler können sich den Konsum leisten. Und so treffen sich Andreas und seine Freunde regelmäßig bei einem Mitschüler und rauchen täglich. Damals ahnt keiner der Jugendlichen, dass ihr Cannabiskonsum Psychosen hervorrufen kann.

"Besonders relevant ist das wahrscheinlich, wenn jemand recht früh beginnt, Cannabis zu rauchen. Das zeigen sehr viele Studien, dass gerade diese jungen Leute, die vor dem 15. Lebensjahr begonnen haben, regelmäßig zu konsumieren, dass die ein hohes Risiko haben, später eine Psychose zu entwickeln."

Euphrosyne Gouzoulis leitet an der Universität Köln ein Forschungsprojekt zu Cannabis-induzierten Psychosen. Sie weiß, wie empfindlich das Gehirn eines Heranwachsenden auf Cannabis reagiert. Denn das Gehirn verfügt über eigene Cannabis-ähnliche Botenstoffe. Und die sind dafür verantwortlich, dass sich Hirnzellen während der Entwicklung richtig verschalten. Wenn von außen Cannabis hinzukommt, wird dieser empfindliche Prozess gestört. Das kann dann bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung zu einer Psychose mit den dafür typischen Wahnvorstellungen führen.

"Ich habe viele Sachen auf mich bezogen. Ich habe gedacht, man will mir was, man greift mich an, wo man nur kann. Egal wo, ob in der Schule zuhause oder im Elternhaus."

Erst als Andreas eine Psychose bekam, begann er zu realisieren, wie schädlich Cannabiskonsum sein kann. Fünf Jahre lang hatte er täglich bis zu einem Gramm Haschisch konsumiert. Euphrosyne Gouzoulis:

"Alle Untersuchungen zeigen, dass der Effekt dosisabhängig ist und mit der Dauer und Häufigkeit des Konsums zunimmt und altersabhängig ist. Aber einen genauen Cut-off anzugeben, also bis zu diesem Punkt ist es nicht problematisch und ab da ist es problematisch, das ist nicht möglich."

Eine aktuelle in der Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlichte Analyse mehrerer Studien geht davon aus, dass bis zu 14 Prozent aller Psychosen in Großbritannien auf den Konsum von Cannabis zurückzuführen sind. In Deutschland sind die Zahlen sicherlich ähnlich. Ein hohes Risiko, eine Psychose zu entwickeln, haben dabei vor allem die Jugendlichen, die über eine genetische Veranlagung zu so einer Erkrankung verfügen. Ohne den Cannabiskonsum würden viele trotz ihrer Veranlagung nicht erkranken. Andreas fragt sich heute oft, was aus seinem Leben geworden wäre, wenn er nicht so viel Haschisch geraucht hätte.

"Bis zu meiner ersten psychotischen Episode war mir das eigentlich total unklar. Erst nachdem ich erkrankt bin, ist mir eigentlich klar geworden, wie schädlich Cannbis für mich ist. Ich konnte mich da nie mit meinen Freunden vergleichen. Ich habe immer gefühlt, dass ich da ein bisschen anders ticke."

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