Donnerstag, 23.11.2017
StartseiteStreitkulturIst die gedruckte Zeitung noch zu retten?20.05.2017

Kilz gegen GutjahrIst die gedruckte Zeitung noch zu retten?

Totgesagte leben länger. Wenn das stimmt, dann braucht man sich um die Zeitung keine Sorgen zu machen. Denn seit Jahren ist von ihrem Untergang die Rede. Tatsächlich sind die Auflagenzahlen dramatisch gesunken. Statt gedruckt werden Nachrichten digital konsumiert. Das Netz scheint Print den Rang abzulaufen. Oder wird die Zeitung als journalistisches Qualitätsprodukt doch überleben?

Moderation: Bettina Schmieding

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Hans Werner Kilz vs. Richard Gutjahr (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow / Fredrik von Erichsen)
Hans Werner Kilz vs. Richard Gutjahr (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow / Fredrik von Erichsen)

Es streiten: Hans Werner Kilz, ehemaliger Chefredakteur des "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung", und Richard Gutjahr, (Netz-)Journalist und Blogger.

Die Positionen

Pro

Hans Werner Kilz: Ich bin nicht weltfremd und weiß auch, dass das Geschäftsmodell Tageszeitung sehr zur Disposition steht, dass die Abos schwinden und die Umsätze mit den Anzeigen enorm zurückgegangen sind und die jungen Leute sich nur noch heute mit ihrem I-Phone oder mit ihrem Laptop bewegen. Aber wenn Sie jetzt mal schauen, wie es in Amerika aussieht gerade bei Trump: Von wem kommen eigentlich die Informationen? Wer recherchiert, wer hält uns auf dem Laufenden? Es sind Washington Post und New York Times. Sie haben sogar Auflagenzuwächse – und nicht nur digital. Die Zeitungen müssen sicher sich also neue Geschäftsmodelle einfallen lassen. Aber ich bin mehr denn je überzeugt, dass wir auch, wenn man heute mal rechnet, vielleicht  in zehn Jahren noch Zeitungen haben werden und auch noch ausliefern. Sicher mit weniger Auflage, aber es bleibt das Informationsmedium einer gesellschaftlichen Elite.

Contra

Richard Gutjahr:  Da würde ich gerne mal entgegenhalten: Machen Sie doch alle mal den Test. Gehen Sie morgen einfach mal einen Tag mit offenen Augen durch die Straßen, schauen Sie, was an der Bushaltestelle so rumsteht, schauen Sie, wie die Leute am Bahnsteig stehen, schauen Sie, wie die Leute am Flughafen auf das Boarding warten, und zählen Sie. Zählen Sie einfach mal die Bildschirme, zählen Sie die gedruckten Publikationen, die die Menschen in Händen halten, und ich denke, dann ist diese Frage tatsächlich beantwortet  -  und zwar ein für alle mal: Die Bildschirme haben gewonnen.

 

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