Dienstag, 23.01.2018
StartseiteKommentare und Themen der WocheErschreckend souverän02.01.2018

Kim Jong Uns NeujahrsanspracheErschreckend souverän

Bei seiner Neujahrsansprache wirkte Kim Jong-un ungewöhnlich gelassen und geradezu staatsmännisch, kommentiert Jürgen Hanefeld. Während er die USA wissen ließ, sie würden nie in der Lage sein, Nordkorea anzugreifen, weil es sich mit Atomwaffen wehren könne, machte Kim Südkorea ein überraschendes Angebot.

Von Jürgen Hanefeld

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Kim Jong-un winkt während einer militärparade zu Ehren des 105. Geburtstages von Kim Il-Sung in Pyongyang von einem Terasse.  (dpa / Sputnik / Iliya Pitalev)
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un (dpa / Sputnik / Iliya Pitalev)
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Normalerweise hält die Welt den Atem an, wenn Kim Jong Un erscheint. Geht es um Wasserstoffbomben, will er die USA vernichten oder nur Trump beschimpfen, fragt man sich alljährlich vor seiner Neujahrsrede. Aber dieses Mal war alles anders. Der Potentat wirkte ungewöhnlich gelassen, geradezu staatsmännisch. Sein heller Anzug suggerierte Leichtigkeit, selbst bei diesem Brocken. Und sein Gesichtsausdruck verriet: Ich bin angekommen. Natürlich ist das nur eine Pose, aber sie deckt sich mit dem Inhalt seiner Ansprache.

Wie bereits vor vier Jahren angekündigt, erklärte er das Atomprogramm seines Landes für abgeschlossen. Nun gelte es, die Waffen in Serie zu produzieren.

Ein Bluff? - Das sollte man besser nicht austesten

Das alles wirkte erschreckend souverän. Sanktionen hin oder her, der jüngste Diktator der Welt sitzt fest im Sattel. Der zentrale Satz seiner Rede, dass die USA nie in der Lage sein würden, sein Land anzugreifen, weil es sich mit Atomwaffen wehren könne, dieser Satz hallt nach. Ob es ein Bluff ist, sollte man besser nicht austesten.

Zur Selbstgewissheit, die Kim zur Schau trug, gehört auch das überraschende Angebot an Südkorea. Er sei bereit, seine Sportler an den olympischen Winterspielen in Pyeongchang teilnehmen zu lassen.

Wie gelingt es ihm eigentlich, so gönnerhaft zu wirken, wo er doch in Wahrheit den Rest der Welt erpresst? In Seoul ist man schon eifrig dabei, den roten Teppich für die nordkoreanischen Athleten auszurollen, als müsse man dankbar dafür sein, dass die in großer Mehrheit nicht einmal qualifizierten Sportler antreten.

Es geht nicht um Sport, es geht um politische Interessen

Wenn es noch eines letzten Beweises bedurfte, dass Olympia alles anderes ist als unpolitisch, dann wurde er hier erbracht. Es geht nicht um Sport, es geht um politische Interessen. Kim will versöhnlich wirken, und sein südkoreanischer Gegenspieler Moon Jae-in ist sofort darauf eingegangen. Er hatte keine Wahl, als den Olivenzweig zu ergreifen, schließlich hatte er selbst die Einladung ausgesprochen.

Während seine Mitarbeiter nun alles tun, um die Teilnahme der nordkoreanischen Athleten zu organisieren, blieb ihm nur noch der Hinweis auf seinen Wunsch, dass dies der Anfang einer neuen Beziehung sein möge und nicht ein Strohfeuer. Der Appell an den Norden, es dürfe nicht nur um Sport gehen, sondern auch um die Atompolitik, klang geradezu verzweifelt. Denn dass sich Kim sein mühsam und teuer erarbeitetes Nuklearprogramm so einfach wegverhandeln lässt, ist kaum zu erwarten.

Aber vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Vielleicht ist Kim Jong Un irgendwann zu Konzessionen bereit, sei es bei Familienzusammenführungen oder der Wiedereröffnung von Sonderwirtschaftszonen. Keine Seite darf schließlich ihr Gesicht verlieren.

Das sollte auch Donald Trump begreifen. Wenn Moon Jae-in die alljährlichen Kriegsmanöver mit den USA bis nach Olympia verschieben will, um des lieben Friedens willen, dann sollte Trump das nicht verhindern.

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