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StartseiteVerbrauchertippViermal "mangelhaft" für Fahrradsitze05.03.2018

Kinder als Mitfahrer auf dem RadViermal "mangelhaft" für Fahrradsitze

Wer schon immer gern mit dem Fahrrad unterwegs war, wird wohl auch bei Nachwuchs nicht darauf verzichten wollen. Und bis zum siebten Lebensjahr dürfen Kinder in speziellen Fahrradsitzen mitfahren. Die Stiftung Warentest hat Fahrradsitze für Kinder untersucht - doch nur jeder zweite erhielt eine gute Benotung.

Von Dieter Nürnberger

Eine Mutter fährt mit dem Rad, ihr neun Monate altes Kind sitzt auf dem Fahrradsitz. (dpa/Michael Reichel)
Kindersitze für Fahrräder gehören für viele Eltern zur Grundausstattung (dpa/Michael Reichel)
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Sitz oder Anhänger Mit Kindern auf dem Fahrrad unterwegs

Sobald Kinder selbstständig sitzen können, dürfen sie auf dem Fahrrad mitfahren. Erfahrungsgemäß gilt dies so ungefähr ab dem neunten Monat. Und natürlich ist es sinnvoll, die Kleinsten auch mit einem Fahrradhelm auszustatten, auch wenn dies explizit nicht vorgeschrieben ist. Wichtig ist zudem das zulässige Gesamtgewicht des Rades: Es sollte durch die Mitnahme eines Kindes nicht überschritten werden. Auch für die Platzierung des Fahrradkindersitzes gibt es Vorschriften - die viel diskutierte Frage, ob der Sitz besser vorne oder hinten angebracht werden sollte, ist geregelt, sagt Warentester Nico Langenbeck:       

"Die Sitze, die vorne angebracht werden, haben den Vorteil, dass ich das Kind jederzeit im Blick habe. Ich sehe, wenn es sich bewegt, wenn es den Eltern etwas sagen möchte. Bei den Sitzen, die hinten angebracht sind, habe ich das Kind entsprechend nicht im Blick. Oft ist auch der Rucksack, den manche Eltern auf dem Rücken haben, noch im Weg. Das Kind sitzt relativ eingeengt hinter dem Fahrer. Ab einem Gewicht von 15 Kilogramm habe ich aber als Eltern gar keine andere Wahl - da muss das Kind hinter dem Fahrer sitzen."

Bei vielen Modellen können Kinder den Gurt selber öffnen

Untersucht wurden 17 Kindersitze fürs Fahrrad. Die Modelle für hinten eigenen sich für Kinder bis 22 Kilo Körpergewicht. Die Sicherheit der Kleinsten war neben der Fahrstabilität und dem Komfort des Sitzes das wichtigste Kriterium. Erstmals wurde auch untersucht, ob Kinder den vorgeschriebenen Gurt des Sitzes selbst öffnen können. Und das ging bei einigen Modellen leider kinderleicht - in der Praxis ein klares Sicherheitsrisiko:

"Die beiden Sitze von "Britax Römer" wurden mit "mangelhaft" bewertet, weil hier der Gurtverschluss zu leicht zu öffnen ist. Die benötigte Kraft lag hier bei ungefähr der Hälfte, der in der Norm verlangten 40 Newton. Wenn das Rad umfällt oder wenn ich einen Unfall habe, können die Kinder dann unter Umständen herausfallen. Sie sind nicht entsprechend angegurtet."  

Krebserregende Stoffe im Kindersitz

Insgesamt wurde viermal die Note "mangelhaft" vergeben. So brach beim Modell "Bobike Exclusive Mini" während des Dauertests die Fußstütze. Auch ein anderer Fahrradkindersitz, der "Bellelli Tiger Relax", hatte ein Sicherheitsproblem - allerdings anders als gedacht.    

"Wir haben hier PAK, sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, in der Sitzeschale und im Sitzpolster gefunden. Und diese Schadstoffe stehen teilweise im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Und somit wurde dementsprechend mit "mangelhaft" bewertet."

Fahrrad und Kindersitz müssen zusammenpassen

Mehr als die Hälfte der Testmodelle erhielt eine gute Bewertung. Sie sind sicher und  robust. Fahrradkindersitze, die hinter dem Fahrenden montiert werden, sind in der Regel etwas teurer. Die Untersuchung zeigt auch: Qualität hat hier ihren Preis: Kein Fahrradsitz für unter 60 Euro bekam eine gute Bewertung. Warentester Nico Langenbeck.

"Bei den Kinderfahrradsitzen, die hinter dem Fahrer angebracht und montiert werden, gibt es folgende Testsieger: einmal der "Hamax Caress C" und der "Thule Yepp maxi Seatpost". Beide mit einer Note von 2,2 - in der Preisklasse zwischen 120 und 150 Euro. Bei den Sitzen, die vor dem Fahrer montiert werden - die für Kinder bis 15 Kilogramm zugelassen sind - heißt der Testsieger "Thule Yepp Nexxt Mini". Zu einem Preis von ca. 99 Euro und der Gesamtnote 2,1 - also "gut".

Da sich Kindersitze zwar auf den meisten, aber längst nicht auf  jedem Erwachsenenrad montieren lassen, sollte beim Kauf das Gefährt mitgenommen werden, empfehlen die Experten der Stiftung Warentest, Fachhändler können dann jeweils passende Sitze empfehlen und auch die - nicht immer kinderleichte - Montage fachgerecht durchführen.

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