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StartseiteSprechstundeBunte Verpackungen für ungesunde Nahrung25.08.2015

KinderfoodBunte Verpackungen für ungesunde Nahrung

Gesunde Ernährung von Kindesbeinen an ist wichtig. Doch überall wecken bunte Packungen im Supermarkt gerade bei Kindern Essgelüste. Der ernährungsbewußte Erwachsene ahnt aber: je bunter verpackt, desto ungesünder der Inhalt. Damit liegt er gar nicht so falsch, wie jetzt eine Studie des Verbrauchervereins Foodwatch zeigt.

Von Christina Sartori

Ansicht auf Süßigkeiten (deutschlandradio.de / Daniela Kurz)
Süßigkeiten: Oftmals werden sie gerade für Kinder beworben - die WHO empfiehlt das nicht. (deutschlandradio.de / Daniela Kurz)
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Kinderernährung ist kein Kinderkram. Denn was man als Kind isst, das mag man oft auch noch später, sagt Dr. Stefanie Gerlach, Mitglied sowohl der Deutschen Adipositas Gesellschaft als auch der Deutschen Diabetes Hilfe:

"Wir sind immer auf der Suche nach dem Geschmack unserer Kindheit. Und was wir einmal als Kind gemocht haben, das mögen wir häufig auch noch als Erwachsene. Und deswegen ist diese Phase so gefährlich."

Nicht nur unser Geschmack wird in der Kindheit geprägt. Auch die überflüssigen Pfunde der Kindheit bleiben oft ein Leben lang, sagt Gerlach:

"Dicke Kinder werden häufig dicke, übergewichtige Jugendliche und dicke Jugendliche werden leider zu 85 Prozent auch dicke Erwachsene. Die Therapie ist sehr schwierig."

Gesunde Ernährung schon in Kinderjahren ist wichtig

Umso wichtiger ist also eine gesunde Ernährung von Kindesbeinen an. Doch gerade Lebensmittel, deren Verpackung so gestaltet ist, dass sie Kinder anspricht, sind in der Regel ungesund. Das stellte Foodwatch fest, ein Verein, der sich für besseres Essen einsetzt. Bei 281 Lebensmitteln, deren Werbung speziell auf Kinder zielt, las man das Kleingedruckte: Wie viel Zucker, wie viel Fett, wie viel Salz und Kalorien enthält das Produkt. Oliver Hunzinga von Foodwatch fasst das Ergebnis zusammen:

"90 Prozent der Produkte in unserem Test sind zu fettig, zu salzig, zu zuckrig oder enthalten zu viele Kalorien pro Portion. Das heißt 90 Prozent der Produkte erfüllen nicht die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für ausgewogene Kinderlebensmittel."

Der Experte für Kindermarketing nennt auch gleich ein Beispiel:

"Es werden zahlreiche Frühstücksflocken ganz gezielt mit Comicfiguren und Spielen an Kinder vermarktet, obwohl nur ein einziges Produkt im Test die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation einhält und alle anderen nicht."

WHO kategorisiert Lebensmittel

Bewertet wurden die getesteten Produkte anhand eines Nährstoffprofils, dass die Weltgesundheitsorganisation Europa entwickelt hat. Dort werden nach wissenschaftlichen Methoden alle Lebensmittel in drei Gruppen eingeteilt: Je nachdem, in welche Gruppe ein Lebensmittel gehört, sollte es für Kinder beworben werden oder nicht, erklärt Dr. Stefanie Gerlach:

"Ein Produkt, was immer beworben werden darf, ist zum Beispiel frisches Obst und frisches Gemüse, frisches Fleisch, Eier, das sind so die Lebensmittel die zu einer gesunden Ernährung gehören. Was nie beworben werden sollte, das sind Schokolade, Kekse, Speiseeis, so etwas wie Kartoffelchips, süße Getränke. Und dann gibt es Lebensmittel, da kommt es darauf an, wie viel Fett, wie viel Zucker drin ist, ob sie beworben werden oder nicht."

So gilt Milch zum Beispiel als gesundes Lebensmittel, doch eine Schokomilch, die zu viel Zucker enthält, sollte trotzdem nicht beworben werden, empfiehlt das Modell der Weltgesundheitsorganisation Europa. Das gilt auch für Produkte, bei denen ein Teil des Zuckers durch kalorienfreie Süßstoffe ersetzt wird. Huizinga:

"Die Weltgesundheitsorganisation sagt "Süßgewöhnung gerade bei Getränken sollte nicht im frühen Alter stattfinden." Das heißt, auch Süßstoff, gesüßte Getränke sollten nicht mit Kinderwerbung vermarktet werden."

Gesetzliche Regelung in weiter Ferne

Durch die klare Bewertung von Lebensmitteln durch die Weltgesundheitsorganisation haben die Lebensmittelhersteller nun kein Argument mehr, warum sie ihre Werbung für Schokoflocken und Chips auf Kinder ausrichten:

"Das größte Argument, was die Lebensmittelindustrie immer vorgehalten hat: Man kann nicht unterscheiden, es gibt keine gesunden und ungesunden Lebensmittel. Das ist Quatsch! Natürlich gibt es das. Man kann das definieren. Man kann sagen: Ja, das ist ein Lebensmittel, das gehört zu einer eher gesunden Ernährung, das ist ein Lebensmittel, das wird verhindern, dass Du Dich gesund ernährst, wenn du viel davon isst. Das kann man definieren, das hat die Weltgesundheitsorganisation jetzt getan und nun hat die Lebensmittelindustrie keinen Grund mehr, zu sagen: Wir können das nicht umsetzen."

Am besten wäre ein entsprechendes Gesetz, das Kinderwerbung für ungesunde Lebensmittel verbietet. Das fordern Foodwatch, die Deutsche Adipositas Gesellschaft und die Deutsche Diabetes Hilfe. Doch das liegt – wenn überhaupt – in weiter Ferne.

 

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