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StartseiteVerbrauchertippVorsicht vor Schadstoffen23.05.2018

KinderhochstühleVorsicht vor Schadstoffen

Ein Kinderhochstuhl muss kindgerecht konstruiert sein - bei einem neuen Test fielen einige Stühle schon bei diesem Kriterium negativ auf. Vor allem wurde allerdings die Schafstoffbelastung bemängelt - schließlich würden Kinder gerne mal am Polster lutschen oder ihr Essen von Stuhltisch verzehren.

Von Dieter Nürnberger

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Kind sitzt in einem Kinderhochstuhl und isst Essen (imago / Mint images)
Kinderhochstühle sollten schadstofffrei sein - ohne Wenn und Aber. Beim jüngsten Test der Stiftung Warentest wurden insgesamt elf von 20 Modellen als "mangelhaft" bewertet. (imago / Mint images)
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Es gibt recht einfache und auch günstige Hochsitze, sie sind für Kinder bis zum 3. Lebensjahr geeignet. Auf anderen und meist deutlich teureren Modellen können die Kinder auch noch bis zum Schulalter sitzen - das sind die mitwachsenden und in der Höhe verstellbaren Treppenhochstühle. Wichtig ist, dass die Kleinsten entsprechend ihrer Größe bequem und sicher im eigenen Stuhl sitzen können, so Warentester Hans-Peter Brix.

"Kinder möchten ja gerne am alltäglichen Familienleben teilhaben. Und deshalb sitzen sie auch gerne mit am Tisch. Die Kinderhochstühle werden für Kinder ab 5 Monaten angeboten. Wir sagen aber eher ab 8 Monate - weil sich das Kind zuerst selbstständig aufrichten und auch sitzen können sollte. Denn dann fällt es im Stuhl nicht um."

Gefährliche Konstruktionen

Doch schon beim wichtigsten Kriterium, der kindgerechten Konstruktion des Stuhls, fielen einige Modelle negativ auf. Mal war der Sitzwinkel nicht optimal oder es fehlte eine bequeme Fußstütze. In Einzelfällen waren die Stühle sogar gefährlich:

"Zum einem, weil die Proportionen des Stuhls es ermöglichen, dass ein Kind das rechte Bein herausnehmen kann - und in die linke Tasche hineinsteckt. Damit ist natürlich die Gefahr gegeben, dass das Kind hindurchrutscht. In einem zweiten Fall war es so, dass man keinen Sicherheitsgurt anlegen konnte, obwohl er mit beigelegt war. Das vordere Tischchen verhinderte es, ihn zu befestigen. Und die Abstände waren so groß, dass sich das Kind aufstellen konnte und somit ohne Probleme auch herausfallen kann."

Doch damit nicht genug. Von den untersuchten 20 Kinderhochstühlen mussten allein 7 wegen zu hoher Mengen an Schadstoffen mit "mangelhaft" bewertet werden. Die Stiftung Warentest orientierte sich für diese Untersuchung allerdings nicht an den Regeln für normale Materialien, sondern legte die strengeren Grenzwerte für Kleinkinderspielzeug zu Grunde. Schließlich lutschen manche Kinder gern an Polstern oder sie verteilen ihr Essen zuerst auf dem kleinen Tisch der Hochstühle. Deshalb sollten die Stühle ohne Wenn und Aber schadstofffrei sein, so Hans-Peter Brix.

"Potenziell krebserzeugende Weichmacher"

"Wir haben in etlichen Kinderhochstühlen - gerade im Sitzpolster - Naphthalin gefunden. Das ist ein polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff. Der kann leicht über die Haut aufgenommen werden. Wir haben auch in einem Stuhl potenziell krebserzeugende Weichmacher gefunden. Das ist für Kinderspielzeug nicht zugelassen. Und in einem Stuhl haben wir sogar noch Flammschutzmittel gefunden."

Insgesamt waren 11 von 20 Modellen "mangelhaft". Eine gute Bewertung bekamen die beiden teuersten Treppenhochstühle "Nomi" von "Evomove" und "Tripp Trapp" von "Stokke". Beide Hersteller bieten für ihre Modelle auch Babyschalen an, diese jedoch sind keine Empfehlung wert. Bei "Evomove" kann sie zu leicht kippen, wenn beispielsweise ein Geschwisterkind daran zieht. Die Babyschale von "Stokke" wurde als zu unbequem bewertet.

Die dritte gute Bewertung erhielt der vergleichsweise günstige Treppenhochstuhl von "Safety 1st" für 85 Euro. Eltern sollten hier aber unbedingt den Gurt anlegen, sonst kann das Kind zu leicht aus dem Stuhl steigen.

"Schadstoffe scheinen immer noch gang und gäbe"

Vor rund zehn Jahren hatte die Stiftung Warentest zuletzt Stühle für die Kleinsten untersucht - das Fazit für die meisten Produkte ist ernüchternd:

"Schadstoffe scheinen immer noch gang und gäbe zu sein. Qualitätssicherungsmaßnahmen greifen hier nicht. Und auch die Konstruktionen sind weder ergonomisch noch sicher. Hier müsste man also deutlich nachbessern."

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