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Seit 14:10 Uhr Deutschland heute
StartseiteKultur heuteKino aus dem Geist der Videothek19.07.2007

Kino aus dem Geist der Videothek

Quentin Tarantinos "Death Proof"

Für den amerikanischen Filmregisseur Quentin Tarantino sind Filme Übungen in stilsicherer Coolness. Ob in "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction", "Jackie Brown" oder seinem Doppelfilm "Kill Bill": überall Frauen mit kurzen Röcken, Männer mit Anzug und Sonnenbrille, geschmacksfest ausgesuchte Popmusik, quietschende Reifen und viel Gewalt. Irgendwann kann Coolness aber auch langweilig werden. Und so haben Cineasten mit Spannung auf Tarantinos neuesten Film "Death Proof - Todsicher" gewartet.

Von Josef Schnelle

Es war einmal. So fangen immer die besten Geschichten an. Erst recht die vom Kino. Es sind Geschichten die von einem Ort erzählen, der zugleich öffentlich war und intim. Wie war das, als wir knutschend in der letzten Reihe saßen, bei Filmen, die so schlecht waren, dass sie nicht einmal eine Besprechung in der Zeitung bekamen? Wie war das im Autokino, als wir Lautsprecher und Heizung ins Fenster einklemmen mussten und dann kaum auf den Film geachtet haben? Die schlechtesten Filme liefen immer im Bahnhofskino, das es nirgendwo mehr gibt, weil es erst dem Gleisausbau und dann schicken Einkaufsmeilen in der Bahnhofhalle weichen musste. In Amerika waren die Billigkinos in Scheunen außerhalb der Stadt untergebracht, weswegen Quentin Tarantino und Roberto Rodrigez ihre neue Filmserie unter dem Label "Grindhouse" ins Kino bringen. Tarantino, der Kinovirtuose, das aus der Videothek kam, wo er ebenso ausdauernd wie hoffnungslos jeden Trash über die Theke reichte, hat sich als erstes dem Sexploitationfilm der 70er Jahre angenommen. Da ging es - rundheraus gesagt - um Sex - so direkt und so billig wie möglich.

"Was meinst du mit "das"? - Na, "das" eben. - Mögen die Männer denn "das"? - Sie mögen es jedenfalls deutlich lieber als: Lass das!"

Vier Mädchen in Hotpants und kurzen Röcken auf der Jagd nach dem Wochenendvergnügen. Ein Bisschen lockeres laszives Gerede gehört dazu. Und ein Lap-Dance - ein erotischer Tanz direkt vor einem Mann, der den fest eingeplanten Geschlechtsverkehr schon vorweg nimmt. In den USA wurde der doch lieber wieder rausgeschnitten, weil man zurecht befürchtete das passe nicht in die doch eher prüde Landschaft der amerikanischen Jugendkultur. Der Film wurde in den Vereinigten Staaten sowieso ein Flop, weil sich das jugendliche Zielpublikum an die 70er Jahre sowieso nicht erinnern kann, weswegen der hauchdünne Ironiefaden in der Geschichte auch niemanden richtig bewusst wurde. Das kollektive Gedächtnis des Kinopublikums, in dem Genrekonventionen zu den lebendigen Voraussetzungen des Filmkonsums gehören, funktioniert nicht mehr. Mit dem doppelten Boden - mit digital nachempfundenen Kratzern und Schlieren des Filmmaterials und mit Tonausfällen und falschen Schnitten - ist sowieso Schluss, wenn die lasziven Girls auf Kurt Russel treffen, der nennt sich Stuntman Mike und ist Serienmörder, ein ganz Besonderer, der seinen Fahrstil zur Waffe ausgebaut hat.

" Wie wird man eigentlich Stuntman. - Mein Bruder hat mich so genannt. Willst du jetzt rechts oder Links. - Rechts. - Schade hättest du jetzt links gesagt, hätte es noch eine weile gedauert bis du merkst was los ist. Aber jetzt wirst du sofort Angst kriegen. "

Stuntman Mike wird die vier Mädchen umbringen beim nächsten Crash. Eine Bestrafung fürs lose Mundwerk. Da ist der erste Halbfilm schon zu Ende. Dann wird der Spieß umgedreht. Wieder vier Mädchen, der Automörder wartet wieder, denn er hat ordentlich angeschnallt überlebt. Aber etwas ist anders, denn Stuntman Mike ist an die härteste Frauengang von Texas geraten. Ein zweiter feministischer Sexploitationfilm beginnt, denn den vier Stuntfrauen ist er nicht gewachsen. Nach dem Sex jetzt die Gewalt. Powerfrauen machen den Mörder klar.

" Wir können ihn nicht einfach so gehen lassen. - He Ladys das war mal ein Spaß. - Lass uns ihn Umlegen. "

Kino ist das Medium der Wiederkehr und der Selbstzitate. Es beschäftigt sich oft nur mit sich selbst. Doch die "verbotenen Früchte" (Zitat Tarantino) der eigenen Filmrezeption als Jugendlicher, die Tarantino präsentiert, sind längst verdorrt. präsentiert. Und ganz ehrlich: Alles muss man nun wirklich nicht wieder aus dem Videoregal hervorholen.

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