• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 05:35 Uhr Presseschau
StartseiteEuropa heuteSkiparadies vor dem Ausverkauf04.01.2016

KitzbühelSkiparadies vor dem Ausverkauf

Kitzbühel, das Winterparadies der Schönen und Reichen: Mit diesem Image verdient die 8.000-Einwohner-Kommune viel Geld. Doch mittlerweile lassen sich die Schattenseiten dieser Entwicklung nicht mehr übersehen.

Von Klaus Prömpers

Hören
Mehr zum Thema

Tourismus Ärger um steigenden Flugverkehr auf Sylt

Sylt kämpft gegen das Verschwinden

Der Rasmushof am Fuße der weltberühmten Skirennstrecke Streif gehört zu jenen Hotels in Kitzbühel, die alle Welt kennt. Geführt von der Urenkelin von Franz Reisch, der im Jahre 1890 den Skisport in Kitzbühel begründete, steigen hier die Ski-Asse ab, die die Hahnenkammrennen Ende Januar bestreiten. Und die sogenannten Reichen und Schönen. Hotelbesitzern Signe Reisch umreißt die Attraktion des Ortes so:

"Und dann haben wir natürlich so Veranstaltungen wie das Hahnenkammrennen, für die ist das wichtig, für ihre Geschäfte, oder wie sagt man.

Der Schauspieler braucht ja auch seine gewisse PR. Das nutzt ja auch nichts, wenn er irgendwo beim Skischultag auftaucht. Und an diesen Dingen arbeiten wir hart das ganze Jahr, dass sie gut funktionieren, aber nicht nur für die Leute, die sehen und gesehen werden wollen, gleichzeitig auch fürs Publikum."

Die deutsche Milliardärin Maria Elisabeth Schaeffler zum Beispiel hat hier 2014 ihre Hochzeit mit Ex-BDI-Chef Jürgen Thumann gefeiert. Eines der teuersten Häuser im Ort gehört ihr. Vor kurzem kaufte sie ein weiteres Grundstück von 8.000 Quadratmetern für angeblich 23 Millionen Euro. Dafür wurde die Schlossbergwiese kurz vorher von der Gemeinderatsmehrheit zu Baugrund umgewidmet. Beim Kauf oder Bau solcher Villen geht es mittlerweile fast immer um zig Millionen Euro. Für Wahl-Kitzbüheler wie Quandt-Erbin Susanne Klatten oder Richard Oetker kein Problem.

Die Schattenseiten der Beliebtheit

Sie alle bringen Geld nach Kitzbühel. Doch sie treiben auch die Preise in die Höhe: Grundstücks- und Baupreise explodieren und junge Menschen aus Kitzbühel sind kaum noch in der Lage, sich selber Eigentum zu leisten. Sogar für Mietwohnungen weichen manche mittlerweile auf Nachbargemeinden aus und pendeln. Herbert Günter, Immobilienunternehmer in Kitzbühel verdient am Zuzug.

"Wir sind top of the Alpes, ich kenne keinen Ort in den Alpen, der so gut positioniert ist, von der Marke her und auch von der Wirtschaft, wie Kitzbühel. Und natürlich hat's Schattenseiten, der der nicht unmittelbar davon profitiert und nur den Aspekt sieht: Wohnraum ist sehr teuer. Dafür gibt es auch Nachbargemeinden die vier, fünf, sechs oder vielleicht zehn Kilometer entfernt sind, wo das Preisgefälle enorm ist."

"Freizeitwohnsitze" und Zweitwohnsitze machen mittlerweile mehr als die Hälfte der Wohnungen und Häuser in Kitzbühel aus. Das bringt Geld für den Bausektor, den Dienstleistungssektor. Allerdings führt das auch dazu, dass die meisten Häuser übers Jahr oft leer stehen, kalte Betten nennt man das hier. Das verändert den Charakter der Stadt. Der kleinen Opposition im Ort wird das zu wenig kontrolliert. Maximal acht Prozent der Wohnungen dürfen laut Tiroler Landesgesetz Freizeitwohnungen sein, doch mittlerweile sind die Zahlen sieben Mal so hoch. Thomas Nothegger von den Jungen Kritischen Kitzbühlern fordert schlicht die Einhaltung der Bestimmungen. Denn der Bürgermeister sei für die Kontrollen verantwortlich.

"Der Bürgermeister sagt, das ist nicht möglich und schiebt meines Erachtens die Verantwortung auf die die Bezirkshauptmannschaft, die Bezirksverwaltungsbehörde."

Zu unterscheiden zwischen Hauptwohnsitz und Zweitwohnsitz, das sei in der Praxis sehr schwierig, erklärt Bürgermeister Klaus Winkler. Das dürfe ja nicht in Schnüffeln ausarten.

Kampf gegen den Ausverkauf

Winkler, Mitglied der konservativen Österreichischen Volkspartei, versucht seit zehn Jahren, den Ausverkauf der Stadt durch soziale Wohnbauprojekte abzumildern.

"In den letzten zehn Jahren haben wir alleine 80 Siedlergrundstücke neu geschaffen, wo man für circa 700 Bürgerinnen und Bürger Wohnraum geschaffen haben und dann sind noch 250 Wohnungen."

Manche Einwohner, wie der frühere Grüne Gemeinderat Helmut Deutinger befürchten, der Charakter des Ortes werde sich komplett ändern, wenn alles so weiter läuft.

"Ich denke mal, wenn die Entwicklung, so wie sie jetzt läuft, weiter geht, werden in Kitzbühel irgendwann Reiche oder Leute leben, die es sich leisten können, hier zu leben. Und es wird eine Art Dienstboten-Gesellschaft geben, die für diese Menschen sorgt, die sie pflegt, die ihnen den Haushalt macht und die schaut, dass alles gut funktioniert."

Kein Ende in Sicht

Solange die Winter noch ausreichend Schnee bringen, wird der Kitzbühler Skizirkus weiter gehen. Und im Sommer locken Tennis und einer der acht Golfplätze. Doch das Gesicht der Stadt verändert sich schleichend weiter - nicht immer zum Besseren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk