• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 21:05 Uhr Querköpfe
StartseiteHörspielDer Mann in der Menge04.04.2017

Klänge der GroßstadtDer Mann in der Menge

Edgar Allen Poe und Charles Baudelaire übersetzt in eine großstädtische Klangsprache. Rainer Römer, Komponist, Hörspielmacher und Schlagzeuger, hat zwei Werke der Dichter ins Heute geholt. Ein Flaneur, der einem Unbekannten folgt und eine flüchtig erblickte Frau in der Menschenmenge: zwei Einsame, die sich in den Möglichkeitsräumen der Städte spiegeln.

Hörspiel von Rainer Römer

Der amerikanische Schriftsteller und Meister der Kriminalerzählung (u.a. "Der Doppelmord in der Rue Morgue") in einer zeitgenössischen Darstellung. Edgar Allan Poe wurde am 19. Januar 1809 in Boston geboren und ist am 7. Oktober 1849 in Baltimore gestorben. (picture alliance / dpa )
Der amerikanische Schriftsteller und Meister der Kriminalerzählung Edgar Allan Poe. (picture alliance / dpa )

1840 schrieb Edgar Allan Poe seine Erzählung über einen Flaneur, der, im Café sitzend, aus dem Fenster dem vom Gaslicht beschienenen Stadttreiben zuschaut. Plötzlich erblickt er einen geheimnisvollen Mann in der Menge. Er folgt ihm, um sein Geheimnis zu ergründen, nicht wissend, was diesen Mann, der einen Dolch oder einen Diamanten unter dem Gewand trägt, bis frühmorgens durch die düsteren Straßen Londons treibt.

17 Jahre später erschien Charles Baudelaires Gedicht "A une passante", eine Hymne an eine in der großstädtischen Menschenmenge "vorübergehende Frau". Nur im Negativen, als flüchtig Erblickte und dann Entschwindende vermag sie das alte Glücksversprechen der erlösenden Liebe erinnern. Man darf sie nicht ansprechen, und stehen bleiben darf sie auch nicht. Sonst würde die banale Wirklichkeit sie entzaubern.

Eine großstädtische Klangsprache: Städte sind Wirklichkeits- und Möglichkeitsräume, nicht zuletzt für die Einsamen, die sich in ihnen spiegeln. Der Komponist, Hörspielmacher und Schlagzeuger Rainer Römer, Mitglied des Ensemble Modern, hat Poe und Baudelaire in eine heutige großstädtischen Klangsprache übersetzt. Die Stilmittel stehen dabei zwischen Popsong, moderner Elektronik, "musique concrète" und auskomponierten Streichtriopassagen.

Übersetzer: William Aggeler
Aus dem Englischen von Hans Wollschläger
Aus dem Französischen von Friedhelm Kemp
Kompostion und Regie: Rainer Römer
Mit Sylvester Groth, Graham Valentine

Gesang: Antonia Rug
Elektronik: Elias Förster
Violine: Giorgos Panagiotidis
Bratsche: Megumi Kasakawa
Cello: Michael M. Kasper

Produktion: SWR 2016
Länge: 48'39

Rainer Römer, geboren 1956 in Würzburg, ist Mitglied es Ensemble Modern und Professor für Schlagzeug an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/M. Daneben realisiert er Musikperformances und -installationen, musikalische Hörstücke.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk