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Klatschen verboten

Gordon Brown stellt sich TV-Debatte

Von Martin Zagatta

Der britische Premierminister Gordon Brown spricht auf einer Pressekonferenz in London.
Der britische Premierminister Gordon Brown spricht auf einer Pressekonferenz in London. (AP)

Ring frei zur ersten Runde – heißt es heute Abend im britischen Fernsehen, wenn zum ersten Mal überhaupt zu einer Debatte vor den Wahlen in drei Wochen geladen wird. Herausstellen muss sich allerdings erst noch, ob das Aufeinandertreffen den Namen Debatte verdient.

Der allwöchentliche Schlagabtausch im Unterhaus hat oft hohen Unterhaltungswert. Das Rededuell zwischen dem Premierminister und der Opposition wird schon seit langen Jahren live übertragen. Mit der Fernsehdebatte heute Abend betreten die britischen Spitzenkandidaten dagegen Neuland.

"Jeder ist nervös bei so etwas völlig Neuem, aber ich bin der erste Premierminister, der sich diesem Test aussetzt, und ich freue mich darauf","

… betont Gordon Brown. Während es seine Vorgänger in der Downing Street meist kategorisch abgelehnt haben, der Opposition solch eine Plattform zu bieten, will der unbeliebte Regierungschef offenbar jede Chance zu nutzen, seinen Rückstand in den Umfragen doch noch aufzuholen.

Rede und Antwort steht er heute gemeinsam mit David Cameron, dem Chef der konservativen Tories, und Nick Clegg von den Liberaldemokraten. Auf gleich drei solcher Elefantenrunden hat sich Brown eingelassen, allerdings nur unter strengen Auflagen. Zu den insgesamt 76 Vorschriften gehört, dass nicht diskutiert wird, dass nur auf Fragen des Moderators oder des Publikums geantwortet wird. Langeweile pur, schimpft Lord Bell, ein früherer Berater von Margaret Thatcher.

""Das ist eine völlig dumme, sinnlose Übung. Jeder politische Berater weiß, wie man eine solche Auseinandersetzung neutralisiert. Außerdem: Das ist keine Debatte, nennen Sie das also auch nicht so, weil niemand miteinander redet, und wir brauchen sie nicht, weil im Wahlkampf die ganze Zeit diskutiert wird". "

Das Publikum wird nach Parteienproporz besetzt. Klatschen oder gar Zwischenrufe sind verboten. Selbst die Kameraeinstellungen sind festgelegt.

""Das findet alles unter strikter Kontrolle der Politiker statt. Die werden sich an ihre Vorlagen halten. Das wird eine langweilige Veranstaltung. Die werden keinerlei Risiken eingehen,"

… sagt auch George Pascoe-Watson voraus, der ehemalige Chefredakteur der Zeitung "Sun". Mit einem festgelegten Frage-Antwort-Schema direkte Auseinandersetzungen zu vermeiden, scheint im Interesse von Gordon Brown zu liegen. Der Schotte gilt als hölzern und rhetorisch unbegabt, bereitet sich Presseberichten zufolge aber schon seit Wochen auf seinen Auftritt vor. Fehler kann sich allerdings auch Oppositionsführer David Cameron nicht leisten. Der Vorsprung seiner konservativen Partei ist Umfragen zufolge schon derart geschmolzen, dass diesmal sogar die Liberaldemokraten zum Zünglein an der Waage werden können. Ihr Chef, Nick Clegg, darf deshalb auch teilnehmen und könnte am meisten profitieren von der Fernsehdebatte. Professor Ivor Gabor von der Londoner City Universität:

"Nick Clegg kann sich auf Augenhöhe mit dem Chefs der Labour-Partei und der Konservativen Partei präsentieren. Ich glaube, die Liberaldemokraten werden deshalb als Gewinner aus dieser Debatte hervorgehen. Nick Clegg kann zusehen, wie Gordon Brown und David Cameron aufeinander losgehen. Er kann sich zurücklehnen und sagen: Wir sind die vernünftige Alternative."

Und dass die Debatte so langweilig wird, wie befürchtet, glaubt der Medienwissenschaftler auch nicht. Er vertraue da auf das aufgeweckte britische Publikum. Das werde sich schon einmischen.

"Und wie wollen Sie den Zuhörern im Saal den Mund verbieten? Was wollen die machen? Rausschmeißer aufmarschieren klassen, um zu verhindern, dass die Leute klatschen?"



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