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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenWer wird denn gleich an die Luft gehen?06.07.2017

Kleine Kulturgeschichte der ZigaretteWer wird denn gleich an die Luft gehen?

In Deutschland wird in Papier gewickelter Tabak seit gut 150 Jahren geraucht. Nach 1900 löste die Zigarette Pfeife und Zigarre als beliebtestes Rauchmittel ab. Aber erst durch die Weltkriege und den Siegeszug von US-Zigaretten wurde sie zu einem Monster, das viel zu spät bekämpft wurde.

Von Christian Forberg

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Eine großes Plakat mit Außenwerbung für die Zigarettenmarke Philip Morris. (dpa/picture-alliance/Istvan Bajzat)
Ab 2020 wird es keine Außenwerbung mehr für Zigaretten geben. (dpa/picture-alliance/Istvan Bajzat)
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Es gab einmal eine Zeit, da wurde ein Loblied auf den Tabak gesungen; Lungenkrebs, Raucherbein kannte man nicht.  Zudem gab es durch Hunger oder Cholera weit Schlimmeres.

(Gesang) "Tu-bak-bak-bak, Tu-bak-bak-bak, bei einer Pfeif Tubak."

In dem alten Lied, das einem Bilderbogen gleicht, rauchen ihr Pfeifchen: der Superintendent - ihm fiel Entscheidendes für die Predigt ein; die Marketenderin, die nebenher ihr Baby stillte, oder der Nachtwächter. Der wärmte sich die Nase am glimmenden Pfeifenkopf.

(Gesang) "Ein edles Kraut ist der Tubak,

trägt's mancher große Herr im Sack;

Stein, Stahl und Schwamm seind stets beisamm

beim edlen Rauchtubak."

"Stein, Stahl und Schwamm – das waren Hilfsmittel, um die Pfeife in Brand zu setzen."

Dr. Dirk Schindelbeck, Germanist und Kulturwissenschaftler, hat im Rahmen des Jenenser Forschungsprojektes PolitCIGs den ersten Band herausgegeben. "Zigaretten-Fronten" heißt er.

"Wir haben es heute ja einfach: wir gehen in den Supermarkt und kaufen uns so ein Einwegfeuerzeug, und da ist noch ein USB-Stick dran oder eine Taschenlampe. Hatten die damals noch nicht, und Streichhölzer gab es ja erst seit 1848…"

…womit klar wird: das Loblied auf Tabak und Pfeife ist wohl noch davor entstanden. Es herrschte die legendäre biedermeierische Gemütlichkeit.

Und doch – es gab sie schon, die Zigarette.

(Gesang) "Des Spaniers Art gefallet mir,

er wickelt Tubak in Papier

und steckt es an und rauchet dann

eine wohlfeile Pfeif Tubak."

"Es gibt einen Bericht über den Einmarsch der spanischen Truppen in Lübeck Mitte des 19. Jhs., dass diese Soldaten ihren Tabak in Papier gerollt haben."

Dr. Sandra Schürmann ist Historikerin. Sie verfasste den zweiten Band mit dem Titel "Die Welt in einer Zigarettenschachtel".

"Das wird immer zitiert als der erste Bericht über das Zigarettenrauchen in Deutschland. Dieser Tabak, den die Spanier verwendet haben, das war Zigarren- und Pfeifentabak, also sehr dunkler Tabak, ganz anders, als wir das heute von Zigaretten kennen; das hat ganz anders gerochen, ganz anders geschmeckt, als heutiger Zigarettentabak."

Orienttabak, wichtigster Tabak für deutsche Zigaretten

Diesen Tabak inhalierten die Raucher kaum. Sie pafften ihn, wie auch den Orienttabak, den wichtigsten Tabak für deutsche Zigaretten. Sie wurden ab 1862 in Dresden in Papier gewickelt. Von Frauen. Die hatten die geschickteren Finger. Und wurden allmählich selbst zu Konsumenten.

"Alle anderen Arten, Tabak zu konsumieren, also Pfeife, Zigarre, waren eindeutig männlich. Es hätte extrem komisch ausgesehen, wenn eine Frau mit einer Pfeife oder Zigarre dahergekommen wäre. Das gab’s allenfalls in Form von Karikaturen oder wenn eine Frau ganz besonders exzentrisch war. Diese neue Art des Rauchens, die Zigarette, die war noch nicht so besetzt. Und deswegen konnten Frauen mit dem Aufkommen der Zigarette auch anfangen, Tabak zu konsumieren. Das war was für Frauen und junge Leute, denen die althergebrachten Formen des Rauchens nicht so lagen."

(Schindelbeck) "Die Zigarette gehörte 1910 rum zu den ‚Indoor‘-Aktivitäten. Wenn Mann und Frau gemeinsam rauchten, gehörte das auch zum erotischen Annähern usw."

(Schürmann) "Man kann sie sich von jemand anderem anzünden lassen; kann sie dabei im Mund halten – dann wird es noch ein bisschen näher. Man kann die eigene Zigarette an der Zigarette eines anderen anzünden – da kann man sich reinfantasieren, dass es so eine Art indirekter Kuss ist. Also da gibt es schon eine ganze Menge Möglichkeiten, wie man das zum Flirt-Accessoire machen kann."

(Schindelbeck) "Und die Behäbigkeit der Zigarre und der Pfeife ist damit natürlich passé gewesen. - Dieser Tabak kam aus Kleinasien, aus der Türkei, aus Mazedonien, Griechenland. Es waren Emigranten, die sich in Dresden niedergelassen haben – die haben den dort eingeführt und haben natürlich ihre alten Geschäftsverbindungen ausgebaut. Es gibt alte Telefonbücher von Dresden, da finden sie um die Jahrhundertwende 80 Fabriken."

(Schürmann) "Fabrik ist allerdings ein bisschen hoch gegriffen: man nannte damals alles Fabrik, wo mindestens fünf Leute zusammen sitzen und etwas in größeren Mengen herstellen. Das war nicht eine Fabrik, wie wir uns sie heute vorstellen."

Wie "Yenidse" zum Beispiel. Die noch heute weithin sichtbare Dresdner Moschee des Orienttabaks wurde 1909 fertig gestellt.

(Schindelbeck) "Es gab sogar das Phänomen, dass sich ganze Familien in Heimarbeit in den Laden setzten und Zigaretten drehten. Es gab ja 9000 verschiedene Zigarettenmarken vor dem Ersten Weltkrieg, von denen nur ganz wenige reichsweit verfügbar waren. Die meisten wurden lokal produziert und auch lokal konsumiert..."

…was zum einen daran lag, dass die traditionellen Tabak- und Zigarrenhändler gegenüber der Zigarette äußerst skeptisch waren: in ihren Augen war sie ein billiges Abfallprodukt. Doch die Moderne nahm Fahrt auf. Auto und Straßenbahn, elektrisches Licht und Telefon beschleunigten das Leben mehr und mehr.

"Die Zigarette war ein schnell verfügbares Rauchmaterial, leicht zu transportieren – im Gegensatz eben zu der Pfeife, die das Umfeld brauchte, also die Zubehörsachen. Das brauchte die Zigarette ja nicht. Und deswegen war sie für die neue Zeit sehr willkommen."

Der Staat bemerkte die Entwicklung beizeiten.

"Oh! Da tut sich was! Da gibt es einen Markt, der entwickelt sich, und der entwickelt sich rasant! D.h. die Zigarette nahm pro Jahr 15 Prozent an Absatz zu. Und dann haben die gesagt: wir müssen gucken, wie wir das besteuern! Und haben 1906 umgestellt: nicht mehr den Rohtabak besteuert, sondern das fertige Produkt."

"Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war"

Banderole um die aufwändig gestalteten und mit exotischen Namen wie  "Prinz Abdul Rahim" versehenen Blechschachteln geklebt, und das Geld floss dem Staat zu. Und von dort auch in die Rüstung. 

(Kaiser Wilhelm II.) "Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war."

Kaiser Wilhelm II. im August 1914. Es gibt zahlreiche Fotos vom obersten Feldherren. Auf vielen posiert er mit Zigarette in der Hand. Die Zigarettenhersteller hat’s gefreut.

"Es gab z. Bsp. eine Marke, die hieß: de Kaiser. Und dann haben die Zigarettenfirmen untereinander sozusagen ein Wettrennen veranstaltet, wer die meisten Kaiser-Zigaretten auf den Markt hatte. Also es gab ein Kaiser-, zwei Kaiser-, drei Kaiser-Zigaretten. Das wirkt schon sehr skurril aus heutiger Sicht."

Auch das Folgende ist skurril, oder besser: beklemmend. Kriegsweihnacht 1914. Weihnachtslieder ertönen aus den Schützengräben. Kein Schuss fällt mehr.

"…und dann flogen die Zigaretten und Zigarren über den Schützengraben rüber, und dann hat man sich für drei Tage verbrüdert – um nachher wieder aufeinander zu schießen."

Der Krieg hat Millionen Tote verursacht, und Millionen Raucher hervorgebracht.

"Krieg und Zigarette oder überhaupt Rauchen sind sehr eng beieinander. Der Krieg hat das befördert, und viele haben dann ja auch – wenn man die Tagebücher liest – gesagt: der Krieg hat mich zum Rauchen verführt. Es war ja nichts anderes möglich, es gab keine Ablenkung, nix, und dann hat man geraucht. Man ging  als Nichtraucher rein, und kam als Raucher wieder raus."

Das hat sich in Weltkrieg Nummer Zwei fortgesetzt. Allerdings musste der Tabak nicht mehr mit Buchenlaub gestreckt werden, denn: nun war es ein zunächst erfolgreicher Raubzug; auch in jene südöstlichen Länder, aus denen die mittlerweile entstandenen Zigaretten-Konzerne wie Reemtsa ihren Orienttabak bezogen. Den Soldaten folgten die Einkäufer und nahmen ganze Ernten mit – ohne zu bezahlen. – Auch dieser Krieg wurde verloren, was Folgen auch für die Zigarette hatte.

Der Historiker Dr. Gerulf Hirt hat den dritten Teil der Zigarettengeschichte geschrieben, in dem er die Entwicklung seit der Nachkriegszeit erörtert: "Als die Zigarette giftig wurde" lautet der Buchtitel.

Zunächst wurde sie jedoch ausgewechselt, denn: der Sieger brachte seinen Tabak, seine Zigaretten mit. Sandra Schürmann.

"Die USA haben im Rahmen des Marshall-Plans für Deutschland ihre eigene Tabakwirtschaft gefördert, indem sie amerikanische Tabake haben nach Deutschland liefern lassen. Und auch verhindert haben, dass  Orienttabak aus Griechenland und der Türkei nach Deutschland kamen. Es gab also eine Sperre für Orienttabake."

Der Orient rückte in weite Ferne. Dafür kam das, was in der Branche als American Blend bezeichnet wird: eine Mischung aus 30 bis 60  Tabaksorten.

"…obwohl auch die Orient-Zigarette eine gemischte Zigarette war, bloß gemischt aus verschiedenen Orient-Provenienzen, und die American Blend zum Großteil aus Virginia, dann zu 20, 30 Prozent Burley und dann vielleicht zus 5 bis 10 Prozent Orient."

(Ausschnitt "Der unsichtbare Dritte") "Möchten Sie eine Zigarette? – Eine Ami? Ja, gern."

Ein Ausschnitt aus dem Nachkriegs-Krimi "Der dritte Mann". Der Ami und die Ami – das war ein sehr einflussreiches Paar der Nachkriegsjahre.

"Eine Ami war im Volksmund eine American Blend. Der amerikanische Soldat hat halt seine Zigaretten dabei; das sind American Blends. Oder er ließ sich Zigaretten aus der Heimat schicken, gerade weil sie ein beliebtes Tauschmittel waren in der Zeit. Aber es ist nicht so, dass sich sofort der Konsumstil der Deutschen umgestellt hat, man sieht schon bis in die späten 50er Jahre gibt es noch reine Orientzigaretten am deutschen Markt. Es ist nicht so, dass die ad hoc mit der American Blend, mit dem Siegeszug – was auch in solchen Filmen oder in der Presse suggeriert wird: die Amerikaner kommen, die American Blend ist da, damit ist gut – das ist nicht so linear, sondern das ist ein Prozess gewesen."

Er zog sich über fast ein Jahrzehnt hin und stülpte die Rauchgewohnheiten nahezu komplett um: jetzt konnte der Rauch tief in die Lunge eingesogen werden, ohne einen Hustenanfall zu bekommen.

"Virginia – es ist halt so, dass das extrem nikotinhaltige Tabaksorten waren, und gleichzeitig extrem zuckerhaltig. Je mehr Nikotin, umso mehr Abhängigkeit, je mehr Zucker, desto leichter zu inhalieren."

Burley-Tabak wurde in aromatische Soßen getunkt

Im Produktionsprozess wurde das noch verstärkt, wurde zum Beispiel Burley-Tabak in aromatische Soßen getunkt. Gegen dieses Gemisch war die Orientzigarette das reine Naturprodukt und weit weniger gesundheitsschädigend: sie hatte weniger Nikotin und weniger Zucker, war aber viel aromatischer. Naturprodukte sind jedoch unberechenbar und für einen globalen Markt riskant.

(Schürmann) "Wie das mit Naturprodukten so ist, schmeckte jede Sorte, jede Lage, jede Ernte, jede Mischung anders. Seit hier American-Blend-Zigaretten geraucht werden, werden die mit standardisierten Soßen behandelt. Es gibt sehr viele Beispiele für Blindtests an Zigaretten, wo selbst Experten keine Unterschiede mehr schmecken. Heutige Zigaretten sind so stark standardisiert, dass mir keiner mehr erzählen kann: ich rauche die wegen des Geschmacks."

Doch das ist nebensächlich, wenn sich nur die Zigaretten gut verkaufen. Und das geschah: binnen eines Jahrzehnts verdreifachte sich der Umsatz. Der deutsche Raucher hatte sich umgewöhnt.

Alles gut? Nein. Die Zigarettenkonzerne müssen zur Kenntnis nehmen:

"Da ist was schädlich, da ist Krebspotential drin, und wir müssen jetzt was tun, um die - in Anführungszeichen -  unschädliche Zigarette zu finden. Die glauben noch Mitte/Ende der 50er Jahre, man könnte wirklich eine unschädliche Zigarette konstruieren. Und deswegen investieren gerade die deutschen Hersteller massiv in diese Forschung."

Dreh- und Angelpunkt ist die Entseuchung des inhalierten Rauches durch Filter. Und das Versprechen, dass es funktioniert.

(HB-Werbung) "Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich an die Decke gehen?"

"Und da gab’s auch einen langen Prozess der Suche, was für Filter man da verwenden könnte. Bloß: dieser Filter war ja eine ambivalente Geschichte für die Hersteller, weil auf der einen Seite suggeriert der Filter: da wird was  gefiltert, ist was weniger schädlich, möglicherweise. Auf der anderen Seite ist es das unmittelbare, dingliche Eingeständnis der Hersteller, dass irgendetwas nicht ganz unschädlich an der Zigarette ist.  

Die erste wirklich erfolgreiche Filterzigarette ist die HB von BAT. Die kommt ab ´55."

(HB-Werbung) "Greife lieber zur HB. Dann geht alles wie von selbst. HB ist eine Filterzigarette, die schmeckt. HB rauchen heißt, frohen Herzens genießen."

"Gerade in dieser Zeit, wenn es in Richtung Wirtschaftswunder – in Anführungszeichen – geht, ist ja das HB-Männchen so eine Art von Karikatur des Westdeutschen in der Zeit. Ihm passieren andauernd welche Malheure. Es ist ein lieb gewordener Antiheld, der da konstruiert wird."

Wie sonst erhält man Vertrauen in eine so unsichere Angelegenheit wie das Rauchen? Zumal die Politik nicht reagierte. Im Gegenteil: der dauer-rauchende Politiker versprach Ernsthaftigkeit. Hier schindet sich jemand für dich, Bürger, bis es qualmt.

Zu Beginn der 60 Jahre wurden erst in Großbritannien, dann in den USA Berichte unter der Überschrift "Smoking and help" veröffentlicht. Sie sind allerdings eher eine Bestandsaufnahme jener Forschungen, die nicht zuletzt in Deutschland seit Ende der 20er Jahre zum Thema Rauchen und Gesundheit angestellt wurden. Änderte sich etwas? 1964 wurde in Heidelberg das Krebsforschungszentrum eingerichtet.

"D.h. man muss eigentlich sagen: vorher gab es gar keine institutionellen Gegenspieler, was die Propagierung von weniger Rauchen, von Entwöhnung  und so anging. Und natürlich ist es auch so, dass die Finanzmittel der Zigarettenindustrie, verglichen mit dem, was der Staat gegeben hat, um ein Vielfaches größer waren."

Und die Industrie forscht weiter daran, das Rauchen zu verändern. Eine nikotinfreie Zigarette scheitert, die leichte Zigarette nicht. Willkommen in den 70ern!

"Es ist ein recht wilder Mix mit Tabaken, die geschmacksintensiv sind, aber gleichzeitig sollen die total unschädlich sein und total leicht. Aber sie müssen halt schon was bringen an Geschmack, an Gefühl, auch an dieser bipolaren Wirkung – auf der einen Seite eine entspannende Wirkung, auf der anderen anregend, das ist ja auch die bipolare Funktion, die interessant ist…"

'Dieses milde Zeug, wir brauchen Härte, schwarzen Tabak'

Ach nee, sagten andere: alles zu verwaschen, dieses milde Zeug, wir brauchen Härte, schwarzen Tabak. Roth Händle zum Beispiel. Und Ruth Händel keuchte 1975 dazu:

(Gesang "Meine letzte Zigarette") "Das ist bestimmt meine letzte Zigarette. Ich geb‘ mein Wort, meine letzte Zigarette."

…musste man nicht ernst nehmen: in den 1970er Jahren wurden jährlich mehr als 120 Milliarden Zigaretten verqualmt, die sechsfache Menge von 1950. Und die darauf folgenden kleinen Knicke im Wachstum waren keiner Einsicht geschuldet, sondern Preiserhöhungen.

"Gerade wenn psychologische Preisgrenzen überschritten werden, wenn es von 3 auf 4 Mark steigt, dann gibt’s einen Einbruch. Und dann dauert es eine gewisse Zeit, bis die Leute sich sagen: okay, wir konsumieren doch wieder normal weiter. Aber das sind immer nur Tabaksteuererhöhungen."

 "Normal weiter" heißt: wir drehen uns die Zigaretten nicht mehr selbst. Was die Statistik der verkauften fertigen Zigaretten verfälschte – es wurde also weit mehr geraucht. Bis übers Ende des Jahrtausends hinaus.

(Gesang Duo Mundstuhl) "Rauchen macht abhängig, fangen Sie gar nicht erst an"

"Ich glaube 1999 wird von der Zigarettenindustrie offiziell eingestanden, dass es süchtig machen kann. Der Begriff wird natürlich absichtlich nicht häufig verwendet. Es ist ja ein negativ besetzter Begriff…"

…um dessen Gebrauch sich auch die WHO viel zu lange gedrückt hat, wenn es ums Tabakrauchen ging. Doch seit 2002 geht es tatsächlich bergab mit dem Zigarettenkonsum; wissenschaftliche Erkenntnisse wirkten in die Politik hinein und führten endlich zu einschränkenden Handlungen. Vor allem die Jugend nimmt Abstand oder genauer: greift zu neuen Produkten wie die E-Zigarette. Oder noch greifen soll, wie zur Iqos, der nicht-mehr-ganz-Zigarette des Phillip-Morris-Konzerns. Produzieren will er sie dort, wo die Orientzigarette einst "an Land ging": an der Elbe in Dresden.

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