Samstag, 18.11.2017
StartseiteCampus & KarriereWenn Eltern für eine gute Bildung kämpfen04.11.2017

Kleine Schule, großes Engagement Wenn Eltern für eine gute Bildung kämpfen

Wenn auf dem Land nicht mehr genug Kinder nachkommen, wird aus Kostengründen von Kommunalpolitikern oft die nahegelegene Schule dicht gemacht. Auch im niedersächsischen Molzen sollte die Grundschule geschlossen werden. Doch die Eltern wollten das nicht einfach so hinnehmen.

Von Agnes Bührig

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Grundschule  (imageBROKER/Siegfried Kuttig)
Unterricht in einer Grundschulklasse in Niedersachsen - auf dem Land kann eine Schule auch der Dorfmittelpunkt sein (imageBROKER/Siegfried Kuttig)
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Es begann mit einem Beschluss des Stadtrates von Uelzen. Dem Gebot der Sparsamkeit folgend, entschieden die Politiker 2015, dass Grundschulen keine neuen Kinder aufnehmen dürfen, wenn zwei Jahre in Folge weniger als 13 Kinder eingeschult werden. Eine Situation, die in Molzen 2016 eintrat und vieles sprach dafür, die Grundschule zu schließen, erinnert sich Ratsmitglied Joachim Delekat von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Uelzen.

"Es waren einmal die haushalterischen Gründe, weil man gesagt hat: Letztendlich ein Fragezeichen, können wir uns die Schule auch langfristig leisten, es muss ja auch viel investiert werden. Das war ein Grund, und es wurde halt in Frage gestellt: Kann man Ratsbeschlüsse aufheben."

Eine Frage, die Irmhild Schröder mit Ja beantwortete. Ein Teil ihrer fünf Kinder ging damals auf die Schule, sie selbst war Elternratsvorsitzende. Ganz konkret begann sie, zu kämpfen – und dabei war sie nicht allein, sagt die 42-Jährige.

"Das war auch ein großes Engagement der Eltern, die versucht haben, die Politiker zu überzeugen, dass die Schule einfach lebenswert ist, dass der ländliche Raum lebenswert ist. Und wir sind konkret auf die Politiker zugegangen, haben das direkte Gespräch gesucht und genauso mit den Eltern."

Schulleitung und Eltern standen sich feindselig gegenüber

Es folgten intensive Wochen, in denen sich Schulleitung und Elternschaft feindselig gegenüberstanden. Einschulungsanfragen von Eltern würden schleppend beantwortet, Schulleiterin Bärbel Brandt sei gedanklich bereits bei ihrer Stelle an der nächsten Schule – so lauteten einige der erbitterten Vorwürfe. Also wurden die Eltern selbst tätig. Sie machten Familien mit schulpflichtigen Kindern auf die Schule aufmerksam und engagierten sich für ein spannendes Nachmittagsangebot ihrer Ganztags-Grundschule.

"Wir haben jetzt eine Pony-AG ins Leben gerufen, und da sind mehrere Eltern dabei, damit die AG wirklich jede Woche stattfindet. Und dann hatten wir aber auch noch die Landart-AG, da war auch eine Mutter ganz engagiert, die die Kinder dann eben ein Kunstwerk hat gestalten lassen. Und das ist das Engagement, das die Eltern hier bringen können und das dann auch bei anderen Eltern sehr gut ankommt."

Man kennt und kümmert sich

Die lokale Verankerung der Schule, dass man sich kennt und umeinander kümmert sowie eine überschaubare Zahl von gerade einmal 51 Kindern, das sind für Hella Nottorf einige der Gründe für die gute Qualität an der Grundschule Molzen. Fünf Jahre lang war die 70-Jährige dort bis vor ein paar Jahren selbst kommissarische Schulleiterin. Als Förderschullehrerin weiß sie zudem, dass kleine Klassen wichtig für guten Unterricht sind.

"Weil wir oder ich die Erfahrung gemacht habe, dass wir vieles auf dem kleinen Dienstweg immer erledigen konnten. Behördlich konnte ich bei der Stadt anrufen, wenn irgendwelche wichtigen Anliegen waren und es wurde sofort geregelt. Und, was ich jetzt für die Schüler jetzt auch ganz wichtig finde: Wenn Konflikte vorlagen, dann konnte man diese Konflikte auch sofort besprechen. Und das, was mir persönlich ans Herz oft ging, wenn ich Kinder in den Ferien traf, hier im Ort, wenn die sagten: Ach, wann geht die Schule wieder los?"

Diese Frage wird hoffentlich auch in Zukunft in Molzen zu hören sein. Die Grundschule Molzen wird weiter betrieben. Dafür hatte sich in der entscheidenden Sitzung des Kommunalrates nicht zuletzt der Kommunalpolitiker Joachim Delekat eingesetzt.

"Molzen, wenn Sie das mit anderen Stadtteilen vergleichen - also mit Oldenstadt, Westerweyhe – dass dort die Schule ein Dorfmittelpunkt ist und dass das natürlich sehr tragisch wäre, wenn man diesen Dorfmittelpunkt dicht macht und wenn er einmal dicht gemacht ist, dann gibt es ihn halt nicht wieder."

Dank des Engagements der Elternschaft und weil die Stadt Uelzen das Einzugsgebiet für die Schule erweitert hat, wurden dieses Jahr 14 Schülerinnen und Schüler eingeschult.

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