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StartseiteFirmenporträtKleine Teile groß finanzieren12.09.2008

Kleine Teile groß finanzieren

Starthilfe für Hightech-Firmen in den Kinderschuhen

Ob effizientere Solarzellen, Festplatten mit erhöhter Speicherkapazität oder schonende Krebstherapien - die Nanotechnologie gilt für viele Anwendungen als eine der Schlüsseltechnologien der Zukunft. Denn mit dem Vorstoß in das Reich der Nanoteilchen, die 50.000 mal kleiner sind als der Durchmesser eines Haares, erhalten Metalle, Kunststoffe oder auch Medikamenten völlig neuartige Eigenschaften. Doch den überwiegend jungen und kleinen Firmen, die in diesen Bereichen forschen, mangelt es oft an Kapital. Diese Lücke schließt ein kleines Frankfurter Unternehmen: Die Nanostart AG beteiligt sich gezielt an nicht börsennotierten Nanotechnologie-Unternehmen - und wenn diese Erfolg haben, stimmt auch der Ertrag bei Nanostart.

Von Michael Braun

Nanostart war Anfang 2004 mit drei Euro an die Börse gekommen.  (Stock.XCHNG / Marja Flick-Buijs)
Nanostart war Anfang 2004 mit drei Euro an die Börse gekommen. (Stock.XCHNG / Marja Flick-Buijs)

" Ich spiele am liebsten mit Lego. "

10 mal 16 mal 32 Millimeter, das ist der Achter, der Grundbaustein von Lego mit den zwei mal vier Noppen. Es gibt kleinere Teilchen, Vierer, Zweier und Einer, und Kinder bauen aus ihnen Häuser, Autos, Figuren. So ähnlich, sagt Marco Beckmann, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Nanostart AG, funktioniere auch die Nanotechnologie:

" Bei der Nanotechnologie handelt es sich um das Konstruieren mit Atommolekülen. Konstruktion, Manipulation auf atomarer, molekularer Ebene. Das klingt jetzt viel komplizierter als es ist. Wenn Sie sich umschauen: Alles besteht aus Atomen und Molekülen. Das sind die Bausteine de Materie. Und die Nanotechnologie, die setzt diese Atome und Moleküle gezielt zusammen und kann dadurch ganz neue Eigenschaften Stoffen geben. Das ist ähnlich wie beim Legospiel, wo aus verschiedenen Bausteinen eine größere Struktur aufgebaut wird. Das Interessante an der Nanotechnologie ist: Wir erhalten neue Materialien, Materialien, beispielsweise, die hundertmal härter sind als Stahl bei einem Bruchteil des Gewichts und darüber hinaus noch flexibel sind. Mit derartigen Eigenschaftskombinationen lassen sich ganz neue Produkte entwickeln. "

Marco Beckmann ist 30 Jahre alt, ehemaliger Analyst und Fondsmanager. Ende 2003 hat er sich selbständig gemacht. Dies gleich als Alleinvorstand eines börsennotierten Wagnisfinanzierers, eines Unternehmens also, das Geld sammelt, um sich an anderen Unternehmen zu beteiligen und deren Wachstum zu finanzieren. Das war die Geburtsstunde der Nanostart AG in Frankfurt. Publizistisch begleitet hat er das mit einem Buch zur Nanotechnologie, das er zusammen mit einem Naturwissenschaftler geschrieben hat. Große Worte kommen darin vor: Der Leser, wenn er denn zum Investor werde, solle "von der nächsten industriellen Revolution" profitieren. Und Victor Hugo wird zitiert mit dem Spruch:

" Die Zukunft hat viele Namen.
Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare.
Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte.
Für die Mutigen ist sie die Chance. "

Klar, dass Beckmann auf der Seite der Mutigen steht. Analysten trauen der Nanotechnologie in der Tat eine große Zukunft zu. Chris-Oliver Schickentanz, Technologieananalyst der Dresdner Bank:

" Nanotechnologie ist ein sehr breites Feld, das in den sehr unterschiedlichen Bereichen des Lebens Fuß fasst. Da gibt es Felder in der Medizintechnik, in der normalen Alltagsanwendung. Zum Beispiel haben wir mittlerweile Fassadenfarbe, in die Nanopartikel eingearbeitet sind. Da reinigt sich die Fassade bei jedem Regen sozusagen von selbst. Ein bisschen Zukunftsmusik ist noch der Lack, der Kratzer automatisch wieder überdeckt oder das Material, das sich sozusagen seine Form merkt. Sprich: Ich fahre eine Beule in mein Auto. Und nach zehn Minuten ist die Beule wieder behoben, weil sich die Karosserie die eigene Form gemerkt hat. Es gibt eine Vielzahl von Anwendungen. Einiges noch Zukunftsmusik, aber anderes wie zum Beispiel Fassadenfarbe schon im Alltag einsetzbar und erlebbar. "

Firmen, die solche Zukunftstechnologien entwickeln, fehlt es oft an Kapital. Zu Zeiten des Neuen Marktes flossen die Gelder von Wagnisfinanzierern an Telekomfirmen, Internetbuden oder Biotechnologie-Unternehmen. Vieles davon war faul, was hängt der Technologiebranche und ihren Finanzierern immer noch anhängt. Die geplatzten Träume von damals, meint Nanostart-Vorstandschef Beckmann, habe zur Folge, dass sich Investoren nur sehr bedachtsam neuen Technologien zuwenden. Er versucht, mit guten Renditen dagegenzuhalten:

" Wir sind bisher 17 Beteiligungen eingegangen im Bereich Nanotechnologie, das bedeutet, wir haben uns an 17 Unternehmen beteiligt, dafür Anteile bekommen. Und wir konnten von diesen 17 Unternehmen bereits fünf weltweit an die Börse bringen und eines davon an einen Industriekonzern veräußern mit sehr großem Erfolg. Und das bedeutet, dass wir von dem Geld, das Anleger in uns investiert haben, schon große Werte schaffen konnten. Unsere Anleger haben da eine gewisse Freude. "

Investiert hat Nanostart bisher 25 Mio. Euro in die meist kleinen Hoffnungsträger. Den Wert dieser Beteiligungen weiß Nanostart Ende letzten Jahres mit dem zehnfachen, mit 250 Mio. Euro, aus. Trotzdem: Analyst Chris-Oliver Schickentanz weiß: Diese Geschäfte sind nichts für schwache Nerven:

" Das Risiko ist natürlich enorm. Die Nanotechnologie ist im Moment noch sehr forschungsintensiv. Das heißt, es muss sehr viel Geld in die Forschung und Entwicklung investiert werden, um eben innovative Produkte zu entwickeln. Und nicht bei jeder Forschung ist auch gewährleistet, dass sie auch zum gewünschten Erfolg führt. Von daher: Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist relativ hoch. "

Um dieses Risiko zu minimieren, beteiligt sich Nanostart nicht nur an deutschen sondern auch ausländischen Start-ups:

" Wir sind beispielsweise gerade in Gesprächen mit der Regierung in Singapur, um unsere Aktivitäten, die wir hier in Europa haben, auch auf Asien zu übertragen, mit Schwerpunkt Singapur. Wir sind gerade dabei verschiedene Optionen zu prüfen in den USA. Wir haben schon die ersten Beteiligungen, die wir eingegangen sind in den USA, im Silicon Valley, in San Francisco in der Bay Area und wir werden dort weiter aktiv. "

Nanostart war Anfang 2004 mit drei Euro an die Börse gekommen. Jetzt notiert das Papier bei gut 16 Euro. Es waren aber schon mal 42 Euro. Das unterscheidet Nano und Lego dann doch: Kleine Jungs können ihrer Beschäftigung entspannter nachgehen:

" Ich spiele am liebsten mit Lego. "

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