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StartseiteForschung aktuellKleiner Eingriff - große Wirkung10.10.2005

Kleiner Eingriff - große Wirkung

Schweizer Öko-Projekt untersucht mikroklimatische Effekte

<strong>Umwelt. - In der Klimadiskussion wird regelmäßig die Wirkung des lokalen Klimas auf globale Systeme vernachlässigt. Auf dem <papaya:link href="http://www.geographie.de/" text="Deutschen Geographentag in Trier" title="Deutsche Geographentag" target="_blank" /> demonstrierten Schweizer Wissenschaftler jetzt jedoch, wie ein kleines Areal das Klima beeinflussen kann.</strong>

Von Mirko Smiljanic

Prof. Bendix lehrt Geografie an der Universität Marburg. (Uni Marburg)
Prof. Bendix lehrt Geografie an der Universität Marburg. (Uni Marburg)

Juragewässerkorrektion heißt eines der schweizerischen Projekte, bei denen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts rund 400 Quadratkilometer Sumpfland in fruchtbare Äcker umgewandelt wurden.

"Man hat den Alpenfluss Aare in den Bieler See umgeleitet, um das Stauvolumen von Bieler See, Neuenburger See und Murtensee zu nutzen und so die Gefahr von Überschwemmungen zu bannen. Damit hat man viel Ackerfläche geschaffen, früheres Moorland wurde trocken gelegt und das ist heute eine sehr intensiv genutzte Landwirtschaftszone der Schweiz."

Und sie ist für Werner Eugster, Geograf an der Universität Bern, ein Freilichtlabor von unschätzbarem Wert. Hier will er herausfinden, wie sich das lokale Klima durch die neue Landnutzung ändert. Wichtigster Klimafaktor dabei der Albedo-Effekt.

"Albedo ist die Reflektivität der Oberfläche. Eine helle Vegetation streut mehr Sonnenlicht zurück in den Weltraum, und entsprechend wenn ich helle Vegetation habe, ist die Oberfläche etwas kühler als wenn ich eine dunkle Vegetation wie zum Beispiel Wald habe. "

Gelbe Getreidefelder reflektieren die Sonne besser als dunkler Wald. Wo viele Getreidefelder sind, müsste es also kühler sein. Entsprechend dieser Logik hätte die Juragewässerkorrektion zu einer Abkühlung führen müssen. Gleichzeitig ist aber ein Sumpfland trockengelegt worden mit der Folge, dass die Luftfeuchtigkeit sinkt. Theoretisch müsste deshalb die Temperatur steigen. Genau dieses Resultat hat auch eine aufwändige Computer-Simulation erbracht. Doch in der Realität war es aber genau umgekehrt.

"Was wir herausgefunden haben, ist, dass tendenziell in der Nacht die Temperaturen etwas wärmer, tagsüber aber etwas kühler sind, weil doch die Oberfläche etwas heller geworden ist. "

Welcher lokale Klimafaktor welche Wirkung verantwortet, ist immer noch nicht geklärt. Die vernetzte Wirkung lässt sich in Computer-Simulationen offensichtlich nicht berechnen.

"Man hat eben diesen Untergrund, die Erdoberfläche, hat man bisher häufig mit sehr einfachen Parametern in diese Globalmodelle und auch in die Wettermodelle hereingebracht, und hier ist man momentan dabei, das sehr viel genauer zu studieren, diese Prozesse, die auf einer lokalen Skala ablaufen, dann so abzubilden, dass die dann in der Kopplung mit dem Globalmodellwerkzeugen diese Interaktion dieser beiden Signale besser prognostizieren lassen können,..."

…sagt Jörg Bendix, Professor für Geografie an der Universität Marburg. Wie sich lokale Änderungen auf das globale Klimageschehen auswirken, bedarf also weiterer intensiver Forschung. Bei der Juragewässerkorrektion sank die Temperatur zwar um ein halbes Grad Celsius. Das wird sich aber bald schon wieder ändern, vermutet Klimaforscher Eugster.

"Man darf aber nicht vergessen, dass das nur über eine gewisse Zeit geht, diese Landnutzungsänderung war einmalig und irgendwann ist dieser Dämpfungseffekt aufgebraucht, erschöpft, und dann muss man bei der Treibhausgas-Konstellation davon ausgehen, dass auch in solchen Regionen die Temperatur weiter ansteigen wird."

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