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StartseiteVerbrauchertippWann der Online-Verkauf gewerblich wird09.03.2018

Kleingewerbe im InternetWann der Online-Verkauf gewerblich wird

Selbstgemachtes Pesto, Kosmetiktaschen oder individuell designte T-Shirts: Auch Privatleute bieten Produkte auf Online-Plattformen an. Wer dort als Verkäufer agiert, muss auf einige Dinge achten. Denn die Grenze zwischen privatem und gewerblichem Handeln lässt sich nicht immer so leicht ziehen.

Von Sina Fröhndrich

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Beim Online-Handel - etwa von Selbstgemachtem - sind einige Spielregeln zu beachten. (imago stock&people)
Beim Online-Handel - etwa von Selbstgemachtem - sind einige Spielregeln zu beachten. (imago stock&people)
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Eine genähte Babyhose oder ein Halstuch – aus dem Hobby kann schnell ein kleines Gewerbe werden. Während Privatverkäufe vom deutschen Fiskus sehr großzügig ausgenommen sind, ist ein gewerblicher Anbieter grundsätzlich steuerpflichtig. Wichtigste Indizien, dass ein Verkauf als gewerblich gilt: Der Verkauf erfolgt regelmäßig, wird beworben und der Verkäufer hat eine klare Absicht – Gewinn erzielen.

"Wenn Sie jetzt hin und wieder mal ne Decke häkeln und bieten die bei DaWanda an, dann ist das jetzt nicht das Problem. Aber wenn Sie jeden Abend zu Hause sitzen, weil Sie gerne häkeln und eine Decke nach der anderen machen, die auch dort verkauft wird, dann ist das eben regelmäßig und dann kann man durchaus davon ausgehen, dass das eine gewerbliche Tätigkeit ist."

Wer 140 Pelzmäntel der Schwiegermutter verkauft, handelt gewerblich

Sagt Michael Beumer von der Stiftung Warentest. Die Grenze lässt sich jedoch schwieriger ziehen, wenn jemand seinen Keller entrümpelt oder einen Nachlass verkauft – um die Haushaltskasse aufzubessern. Dazu gibt es verschiedene Gerichtsurteile.

"Zum Beispiel ist als gewerblich eingestuft worden, da sind über mehrere Jahre 140 Pelzmäntel der Schwiegermutter verkauft worden. Da kommt noch hinzu, dass man von jemand anderes etwas verkauft, das ist ein Element mehr. Wenn Sie den Keller ausmisten, ist das kein Problem, wenn sie aber ein Haus erben und den gesamten Hausstand verkaufen oder versteigern, kann das durchaus ein Problem werden."

Das Bundeszentralamt für Steuern durchsucht mit einer Software die einschlägigen Onlineportale, auf der Suche nach besonders aktiven Verkäufern. Wer von vornherein Probleme vermeiden möchte – sollte deshalb ein Gewerbe anmelden. Wer unter 17.500 Euro Umsatz im Jahr macht, gilt als Kleinunternehmer und ist damit immerhin von der Umsatzsteuerpflicht befreit. Die erzielten Gewinne müssen aber als selbstständige Einkünfte in der Einkommenssteuer-Erklärung geltend gemacht werden. Ab einer bestimmten Höhe kann eine Kommune zudem Gewerbesteuer verlangen.

"Was man auch wissen muss, wenn Sie Spekulationsgewinne machen, das ist, wenn Sie zum Beispiel Antiquitäten oder Schmuck haben, den Sie gekauft haben und den innerhalb eines Jahres weiterverkaufen, dann unterliegt das der Spekulationssteuer. Wenn Sie das nach einem Jahr Besitz verkaufen, hingegen nicht."

Bei Lebensmitteln Hygienevorschriften beachten

Wer Marmelade, Öle oder andere Lebensmittel gewerblich verkaufen möchte, sollte neben den steuerrechtlichen Fragen noch etwas anderes beachten: Die Hygienevorschriften. Die heimische Küche reicht dabei meist nicht für die Herstellung. Oliver Maier, Lebensmittelkontrolleur bei der Stadt Köln:

"In meiner eigenen häuslichen Küche, im privaten häuslichen Umfeld, kann man das nicht machen, in der Theorie vielleicht, aber nein. Idealerweise mietet man sich dann eine Küche an, die mit den entsprechenden Oberflächen ausgestattet ist, mit den entsprechenden Maschinen, Reinigungsgeräten, wo dann auch sichergestellt ist, dass da keine Katze, kein Hund, kein Wellensittich durch die Gegend läuft."

Ist das Produkt fertig, muss es genau gekennzeichnet werden. Es braucht einen eindeutigen Titel – wie Schokoladenplätzchen oder Kräuteröl. Der Name "Omas Schokogeheimnis" reiche nicht aus, sagt Maier. Außerdem muss klar gekennzeichnet sein:

"Haltbarkeitsdatum, was ist es was ist, wer hat es hergestellt, was ist wirklich drin, bedeutet: Allergene, Zusatzstoffe eventuell, eventuelle Warnhinweise."

Was Pflicht ist, darüber geben die Lebensmittelüberwachungsbehörden in den verschiedenen Kommunen Auskunft. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, dem drohen Bußgelder. Oder auch Beschwerden von Kunden – wegen Magenverstimmung.

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