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Klima zum Reden

Studie zu sexuellem Missbrauch an Schulen

Von Melanie Grundei, Hauptstadtstudio

An der Odenwaldschule sollen Schüler missbraucht worden sein.
An der Odenwaldschule sollen Schüler missbraucht worden sein. (AP)

Laut einer Studie sind in fast der Hälfte der Schulen in den vergangenen Jahren Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs bekannt geworden. Mehr Fortbildungen und Seminare Thema wären für Lehrer und Erzieher nötig, meint Melanie Grundei, aber auch das nötige Geld dafür.

Die Zahlen sind erschreckend. In fast der Hälfte der Schulen sind in den vergangenen Jahren Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs bekannt geworden, in den Heimen waren es sogar 80 Prozent. Man muss die Ergebnisse vorsichtig interpretieren.

Denn kaum ein Thema ist so schwierig zu untersuchen. Über sexuellen Missbrauch sprechen die Betroffenen gar nicht oder nur sehr ungerne und welcher Schulleiter gibt schon gerne zu, dass in seiner Schule tatsächlich das Unaussprechliche passiert. Zum ersten Mal nimmt sich eine Studie der Frage an, wie häufig sich Schulen, Internate und Heime mit bekannt gewordenen Verdachtsfällen auf sexuellen Missbrauch konfrontiert sehen. Das Ergebnis: Sexueller Missbrauch ist in Deutschland weit verbreitet - und keineswegs nur ein Thema das die katholische Kirche oder eine Reformschule wie die Odenwaldschule betrifft.

Die Verdachtsfälle wurde vor allen dadurch bekannt, dass sich die Kinder einer Lehrerin oder einem Erzieher anvertrauten. Darum ist es umso wichtiger, Pädagogen, Lehrer und alle die mit Kindern zu tun haben darin zu schulen, hier genau hinzuschauen. Sie tragen eine große Verantwortung.

Die Opfer müssen unterstützt und getröstet werden. Man sollte aber nicht vergessen, dass solche Gespräche auch ein Risiko bergen. Sie können wichtig werden, wenn die Taten tatsächlich strafrechtlich relevant sind. Durch suggestive Fragen und eine schlechte Dokumentation kann die juristische Aufarbeitung der Taten erschwert werden.

Unwissenheit und Überforderung auf Seiten der Erwachsenen kann aber auch dazu führen, dass die Opfer noch zusätzlich belastet werden. Doch klar ist auch: Wer sich auf diese Gespräche einlässt hilft den Opfern. Aber nicht jeder weiß, was er mit diesem Wissen anfangen soll. Wie erreicht man zum Beispiel, dass die Täter auch wirklich bestraft werden?

Daher müssen diejenigen, die mit Kindern arbeiten, egal ob in Schulen, Vereinen, Kirchen oder anderen Einrichtungen, entsprechend aus- und fortgebildet werden. Sie müssen den Kindern signalisieren, dass sie wirklich zu ihnen kommen können. Auch die Personalausstattung spielt dabei eine Rolle. Denn man sollte nicht vergessen, welche Aufgaben die Erzieher und Lehrer schon jetzt zu schultern haben. Nur wenn es genügend Betreuer, Lehrer oder Pädagogen gibt haben sie die Möglichkeit Veränderungen bei den Kindern überhaupt wahrzunehmen. Nur wenn die Kinder ein persönliches Verhältnis zu ihnen aufbauen können, werden sie sich bei einem solch schwierigen Thema wirklich öffnen.

Doch eine bessere Ausbildung, Weiterbildungen, regelmäßige Seminare und Schulungen, mehr Lehrerinnen, Pädagogen und Betreuer, all das kostet Geld.

In den Schulen muss ein Klima herrschen, dass es den Kindern erlaubt über Missbrauch zu reden - damit hat Christine Bergmann recht. Doch die unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs sollte in ihren Appellen auch nicht vergessen, die Politik auf ihre Verantwortung hinzuweisen, genau dafür auch Bares bereitzustellen.

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