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StartseiteForschung aktuellKlimaexperten im Clinch31.10.2007

Klimaexperten im Clinch

Forscher brechen Lanze für attackierten Kollegen

In der FAZ hat eine Gruppe von sieben Autoren Einspruch gegen Vorwürfe des Klimaforschers Stefan Rahmstorf erhoben. Rahmstorf hatte sachlich falsche Medienberichte über die Klimaerwärmung kritisiert und konkret die Arbeiten der Autoren angeführt. Die wiederum werfen ihm einen "Heiligen Krieg" gegen Klimaskeptiker vor. In den eskalierenden Streit hat sich nun die Leibniz-Gemeinschaft mit einem "Zwischenruf zur Kontroverse" eingemischt: 17 Forscher nehmen Rahmstorf in Schutz.

Von Volker Mrasek

In dem "FAZ"-Artikel werfen die Autoren Rahmstorf vor, er versuche immer wieder, Druck auf Chefredaktionen und Herausgeber auszuüben.  (AP)
In dem "FAZ"-Artikel werfen die Autoren Rahmstorf vor, er versuche immer wieder, Druck auf Chefredaktionen und Herausgeber auszuüben. (AP)

Worum geht es in der neu aufgeflammten Klima-Debatte? Der Potsdamer Forscher Stefan Rahmstorf beklagt grobe wissenschaftliche Fehler und eine bewusste Irreführung in manchen Medienberichten über den Klimawandel. Er demonstriert das an einer Reihe von Zeitungs-, Buch- und Fernsehbeiträgen. Und er nennt die Namen der Autoren. Sieben von ihnen antworten mit einer Entgegnung. Darin halten sie Rahmstorf vor, er führe einen - Zitat - "Heiligen Krieg" gegen Zweifler und wolle - Zitat - "den Endsieg in der Klimadebatte". So nachzulesen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Darauf wiederum reagieren nun 17 Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum. Sie stärken Rahmstorf den Rücken. In einem Zwischenruf, wie sie ihn nennen. Zu den Initiatoren zählt Wolfgang Cramer, ein Kollege Rahmstorfs am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Vorübergehend arbeitet der Geograph und Ökologe allerdings im Ausland, an einem umwelt- und geowissenschaftlichen Forschungszentrum im französischen Aix-en-Provence. Cramer heute zu den Motiven für die Stellungnahme:

"Wir fanden das sehr bedauerlich, dass die eigentliche Stoßrichtung von Rahmstorfs Artikel, nämlich das Aufdecken von Verdrehungen durch Wissenschaftsjournalisten und Sachbuchautoren, dass das praktisch gar nicht mehr thematisiert wurde. Sondern dass nur darüber gesprochen wurde, wie Stefan Rahmstorf dieses macht. Und das hat viele Kollegen gestört. Und deswegen haben wir uns zu diesem Zwischenruf entschlossen."

In dem "FAZ"-Artikel werfen die Autoren Rahmstorf vor, er versuche immer wieder, Druck auf Chefredaktionen und Herausgeber auszuüben. So wolle er eine Berichterstattung unterdrücken, die ihm nicht genehm sei. Auch "Spiegel Online" und "Die Welt" griffen das Thema auf. Bei ihnen hieß es, Rahmstorf wende "rabiate Methoden" an beziehungsweise er sei "Deutschlands lautester Klimaforscher". Mit einer seriösen Debatte hat das nach Ansicht von Wolfgang Cramer nichts mehr zu tun. Cramer:

"Es hat eine Schwelle überschritten, dass man alle sprachlichen Mittel benutzt, um den Eindruck zu erwecken, dass da ein Verrückter am Werke sei. Wobei jeder nachlesen kann, dass der ursprüngliche Artikel, der das alles ausgelöst hat, zwar personenbezogen, aber - wie wir finden - äußerst sachlich argumentiert und deutlich macht, dass einfach Dinge falsch dargestellt werden. Mit dem Ziel, den Klimawandel zu verharmlosen. Dahin wollten wir mit der Diskussion wieder zurück. Und wollten auch deutlich machen, dass sehr viele Kollegen aus der Klimaforschung die Dinge so sehen, wie Stefan Rahmstorf sie dargestellt hat."

Ein Beispiel: RTL bringt Mitte des Jahres einen Beitrag mit dem Namen "Der Klimaschwindel". Doch anerkannte Klimaforscher kommen darin nicht vor. Stattdessen Vertreter von Lobby-Organisationen, die - wie Rahmstorf kritisiert - als solche nicht erkennbar gewesen seien. Ähnliche Beiträge liefen auch auf n-tv und in der ARD. Aus gutem Grund fragt Rahmstorf deshalb: Wie kann es sein, dass vorher nicht geprüft wurde, ob die Fakten überhaupt stimmen? Hier habe die Qualitätskontrolle der Medien versagt, rügt der Forscher. Vermutlich ist das der Grund, warum er jetzt so polemisch angegriffen wird.

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