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StartseiteEine WeltMit Elektroautos gegen Waldbrände08.08.2015

Klimaschutz in KalifornienMit Elektroautos gegen Waldbrände

Kalifornien brennt: Schon in diesem Jahr kämpften die Einwohner des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates gegen mehr als 4.200 Waldbrände. Kein Wunder, dass sich Kalifornien zum Motor der neuen Klimaschutzziele des amerikanischen Präsidenten entwickelt, denn hier stoßen Obamas Pläne auf offene Ohren.

Von Wolfgang Stuflesser

Ein Feuerwehrmann steht vor einem Waldbrand. Rauch zieht durch die rotschimmernde Luft.  (AFP/JOSH EDELSON)
Durch den Klimawandel gebe es stärkere Stürme, extremere Trockenheit und eine längere Waldbrand-Saison, sagte Präsident Barack Obama bei der Verkündigung seiner neuen Klimaschutzziele in Washington. (AFP/JOSH EDELSON)
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Jerry Brown ist ein Mann klarer Worte. Mit 77 Jahren und in seiner vierten Amtszeit als kalifornischer Gouverneur hat der Mann vermutlich genug gesehen, um nicht um den heißen Brei zu reden. So auch, als er diese Woche im Norden von San Francisco die Feuerwehrleute besuchte, die dort seit Tagen im Einsatz sind, um einen Waldbrand zu löschen, der zeitweise zweieinhalb mal so groß war wie die Insel Sylt. Normalerweise zählen die Feuerschutzbehörden etwa 2.700 Brände im Jahr - 2015 waren es schon mehr als 4.200 - dabei fängt die Saison für Waldbrände gerade erst an.

Kalifornien brennt, sagte Brown. Und Kalifornien sei keine Ausnahme: Extreme Wetterereignisse gebe es überall auf der Welt - eine existenzielle Bedrohung für das Wohl der Menschen. Brown weiß, wovon er spricht: Seit vier Jahren herrscht im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA eine extreme Dürre.

Vertrocknete Felder und riesige Brände: Ergebnisse extremer Dürre

Schneefälle im Winter blieben aus, damit fehlt im Rest des Jahres das Tauwasser aus den Bergen. Die Wasserreservoirs gehen zur Neige. Brown hat den 38 Millionen Kalifornien verordnet, dass sie ihren Wasserverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent reduzieren müssen. Wer zum Beispiel seinen Gehweg mit dem Gartenschlauch säubert, zahlt 500 Dollar Strafe.

Die Regierung Washington sitzt am anderen Ende des amerikanischen Kontinents - doch natürlich sehen auch Präsident Obama und seine Berater die Bilder von den vertrockneten Feldern und riesigen Bränden in Kalifornien. Als der Präsident Anfang der Woche seine neuen Klimaschutzziele verkündete, sagte er: Keine Herausforderung stelle eine größere Gefahr für die Zukunft dar als der Klimawandel - dies sei die erste Generation, die seine Auswirkungen spüre, und die letzte, die etwas dagegen tun könne.

Obama war sichtlich bemüht, die wissenschaftliche Grundlage für sein Klimaschutzprogramm herauszustreichen - das ist auch bitter nötig, schließlich gibt es repräsentative Umfragen, wonach zum Beispiel bei Anhängern der Republikaner weniger als die Hälfte den Klimawandel für real hält - dafür glauben zwei Drittel daran, dass man von Dämonen besessen sein kann.

Umweltschutz als Teil der politischen Agenda

Man könne zwar ein einzelnes Wetterereignis nicht auf den Klimawandel zurückführen, sagte Obama, doch es gebe stärkere Stürme, extremere Trockenheit und eine längere Waldbrand-Saison. Zumindest Trockenheit und Waldbrände kennen Kalifornier natürlich aus eigener Erfahrung. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA mit der Mega-Stadt Los Angeles ist Umweltschutz schon vor Jahrzehnten Teil der politischen Agenda geworden - der Smog war hier so stark, dass Los Angeles schon in den 60er-Jahren die ersten Abgas-Grenzwerte für Autos eingeführt hat - Europa zog erst Jahre später nach.

Selbst der republikanische Gouverneur Arnold Schwarzenegger machte den Umweltschutz zum Programm und erließ 2006 Grenzwerte für Treibhausgas-Emissionen - die ersten der USA. Seine Initiative, den kalifornischen Weg zum Muster fürs gesamte Land zu machen, scheiterte am damaligen Präsidenten George W. Bush.

Es ist insofern vielleicht kein Wunder, dass sich die kalifornischen Republikaner, die ohnehin in der Minderheit sind, sehr zurückhielten, als Obama seine Klimaschutzziele verkündete. Im Gegensatz zu den möglichen Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei. Jeb Bush war ausgerechnet in Kalifornien zu Gast bei einer Konferenz der konservativen Koch-Stiftung - er sagte, der Plan des Präsidenten sei unverantwortlich, werde zahllosen Menschen den Job kosten und für höhere Energiepreise sorgen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung hatte er schon Ende Juli angekündigt, er wolle alle staatlichen Zuschüsse, etwa für Solar- und Windenergie, auslaufen lassen. Der Markt solle entscheiden, welcher Energieträger sich für die Zukunft durchsetze.

Autobauer Tesla setzt auf Elektroautos

Diese marktliberale Haltung ist natürlich für einen Republikaner nicht überraschend - sie könnte aber zu einem anderen Ausgang führen, als manch Konservativer erwartet. Und zwar gerade mit Blick auf die Unternehmen in Kalifornien: Der Autobauer Tesla hat mit seinem Roadster und seiner Limousine gezeigt, dass auch Elektroautos die Augen der Kunden zum Leuchten bringen können. Firmenchef Elon Musk baut in Nevada gerade eine sogenannte Gigafactory, die die nötigen Batterien für Teslas Autos liefern soll.

Nun haben Vertreter seiner Firma von Washington noch strengere Emissionsstandards gefordert - klar, denn Teslas Elektroautos würden damit attraktiver, außerdem hat Tesla allein im ersten Quartal des Jahres umgerechnet 60 Millionen Euro eingenommen, weil die Firma Emissionszertifikate an andere Autohersteller verkauft, die noch auf klassische Benziner setzen.

Bislang machen die meisten republikanischen Präsidentschaftskandidaten um das Thema Klimaschutz eher einen Bogen. Im ersten Fernsehduell der zehn aussichtsreichsten Anwärter bei Fox News ging es um Terrorismus, Krankenversicherung und Abtreibungsrecht - aber nicht um Umweltschutz.

Republikanische Präsidentschaftskandidaten meiden das Thema Klimaschutz

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown will das ändern: Kurz nachdem Präsident Obama seine Klimaschutzziele vorgestellt hatte, schrieb Brown an Donald Trump, Jeb Bush und alle anderen einen offenen Brief, in dem er die dramatische Lage in Kalifornien beschrieb und sie fragte, was sie in Sachen Klimawandel tun wollten.

Die Kandidaten müssten doch irgendeine Antwort finden, sagte Brown, als er die Feuerwehrleute im Einsatz besuchte. "Das Thema überschreitet die Parteigrenzen", sagte er. "Es geht um Menschen, unsere Kinder und unsere Zukunft."

Noch hat keiner der Kandidaten auf Browns Brief geantwortet - aber bis zur Wahl Ende 2016 ist ja auch noch eine Menge Zeit.

 

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