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Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteUmwelt und VerbraucherObama will CO2-Ausstoß in der US-Landwirtschaft reduzieren12.05.2015

KlimaschutzObama will CO2-Ausstoß in der US-Landwirtschaft reduzieren

Auch in den USA stellen sich Verbraucher inzwischen gegen Genfood und hormonbehandeltes Rindfleisch. Die US-Landwirtschaft muss also - zumindest teilweise - umdenken. US-Präsident Obama will die Bauern auch beim Klimaschutz mehr in die Pflicht nehmen. Dabei setzt er auf Freiwilligkeit und die Macht der Märkte.

Von Heike Wipperfürth

Ein Kohlekraftwerk in der Nähe das Capitols in Washington (dpa / picture-alliance / Matthew Cavanaugh)
Ein Kohlekraftwerk in der Nähe das Capitols in Washington (dpa / picture-alliance / Matthew Cavanaugh)
Weiterführende Information

TTIP - Genfood-Kennzeichnung durch Strichcode
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 07.01.2015)

Treibhausgase - Mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 20.03.2014)

"Die Farm Bill ist ein Dinosaurier"
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 17.04.2012)

USA kündigen Kürzung von Agrarsubventionen an
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 10.11.2005)

In den USA stammen rund neun Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft. Vor allem die Rinderhaltung und die Düngung entlassen Methan und Lachgas in die Atmosphäre– Gase, die übrigens deutlich stärker zur Klimaerwärmung beitragen als CO2. Doch Ende April hat Barack Obama US-Farmern ein überraschendes Ziel gesetzt: Die US-Landwirtschaft soll bis zum Jahr 2025 ihre Treibhausgasausstoß um 120 Millionen Tonnen vermindern.  Das entspricht einer Reduzierung der gesamten US-Treibhausgase um zwei Prozent. US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack:

"Das sind so viele Emissionen wie 12,6 Millionen Autos oder 11 Millionen US-Häuser bei der Energieerzeugung ausstoßen würden. Das ist doch sehr beachtlich und wichtig."

Die Umsetzung von Obamas Plan wird nicht einfach

Einfach ist die Umsetzung des Zehn-Punkte-Planes allerdings nicht – auch wenn Obama genau weiß, was er will: Neue Biogasanlagen, Schutz und Wiederaufforstung von Wäldern und die Umstellung auf nachhaltigere Düngemittel und Anbausysteme.  Doch der US-Präsident kann das Projekt nicht als Gesetz durch den US-Kongress bringen und damit verbindlich machen. Die mächtige Agrarlobby und die Republikaner  – im Repräsentantenhaus und im Senat in der Mehrheit - stellen sich gegen ihn.

"Dies ist ein freiwilliges und auf Anreizen basierendes Konzept. Die Agrarlobby ist so mächtig, dass die meisten Umweltgesetze nicht für sie gelten. Der Regierung bleibt nichts anderes übrig, als ihr neues  Projekt so gut wie möglich zu verkaufen. Die Frage ist: Wie viele Farmer werden sich daran beteiligen?", sagt Michael Gerrard, ein Juraprofessor an der Columbia Universität. Um das selbst gestellte Ziel zu erreichen, setzt die US-Regierung auf drei Wege: Mit finanziellen Anreizen und technischer Unterstützung will sie den Ehrgeiz der Farmer anstacheln, mehr für den Klimaschutz zu tun. So machte sie die Zusage, den Farmern eine Kompensation zu zahlen, wenn diese ökologisch empfindliche Gebiete brach liegenlassen.

Zweitens setze Obama auf öffentlich-private Partnerschaften.  Hier hat ein Projekt Signalwirkung, das das US-Landwirtschaftsministerium, die Umweltschutzorganisation Nature Conservancy  und der US-Medienkonzern Disney in Angriff genommen haben: Eine 800 Hektar große, ehemalige landwirtschaftliche Nutzfläche im US-Bundesstaat Louisiana soll jetzt wieder aufgeforstet werden, um Kohlendioxid aufzufangen.

Hinzu kommt der  Druck, den immer mehr Großkunden auf Farmer ausüben. Die Handelskette Walmart hat angekündigt, die Summe der Treibhausgase aus ihrer landwirtschaftlichen Zulieferkette bis zum nächsten Jahr um 20 Millionen Tonnen reduzieren zu wollen, indem sie von den Landwirten einen effizienteren Umgang mit Dünger erwarten. Das ist mehr als ein Fingerzeig für die gesamte Landwirtschaft.  Michael Gerrard:

"Dass sich Einzelhändler wie Walmart und Unternehmen wie Disney, das in seinen Freizeitparks viel Gastronomie betreibt, an dem  Projekt beteiligen, ist ein Schritt in die richtige Richtung."

"Heiße Eißen werden nicht angepackt"

Doch bei aller Freude über mehr Bäume und weniger Dünger: Heiße Eisen wie die Reduzierung des Fleischkonsums und damit der Zahl der Kühe werden nicht angepackt, monieren Kritiker. Dabei weiß die US-Regierung genau: In den Mägen der Rinder entsteht Methan, das ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen in der US-Landwirtschaft ausmacht. Doch angesichts des Misstrauens, mit dem die meisten Amerikaner auf Regierungsrichtlinien reagieren, sei diese Unterlassung bedauernswert, aber verständlich, sagt Michael Gerrard.

"Eine erhebliche Reduzierung des Rindfleischkonsums würde auch die Treibhausgase erheblich verringern. Aber eine Richtlinie, die Amerikaner zu weniger Fleischkonsum verpflichtet, kann ich mir kaum vorstellen."

In den nächsten 18 Monaten will Field to Market, eine Koalition von Lebensmittelherstellern, Einzelhändlern und Naturschützern,  eine neue Methode zur Messung der Treibhausgase in der Zulieferkette ihrer Mitglieder wie der Fast Food Kette McDonald's und dem Agrarkonzern Monsanto erstellen.

Jeder Beitrag zählt, um Obamas Ziel zu erreichen, bis 2025 den Ausstoß von Treibhausgasen in den USA im Vergleich zum Jahr 2005 um 26 Prozent zu senken, um zu vermeiden, dass sich die Erdatmosphäre in diesem Jahrhundert um mehr als zwei Grad erwärmt. Auch der, der Landwirtschaft.

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