Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
 
  • Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteForschung aktuellKlimawacht im Dienste des Staates27.11.2006

Klimawacht im Dienste des Staates

US-Forscher präsentieren Konzept für "Nationalen Klimadienst"

<strong>Umwelt. - Bis heute haben zwei große Industrieländer das Kyoto-Klimaprotokoll nicht ratifizieren wollen: die USA und Australien. Andererseits haben beide Länder anderen Nationen im Klimaschutz etwas voraus, nämlich eigene Institutionen für die Klimaforschung.</strong>

Von Volker Mrasek

Der "Nationale Klimadienst" der USA soll der Landwirtschaft zugute kommen. (AP)
Der "Nationale Klimadienst" der USA soll der Landwirtschaft zugute kommen. (AP)

Der Nationale Klimadienst soll alle 50 US-Bundesstaaten einbinden, vom Kongress mit öffentlichen Mitteln gefördert und von der staatlichen Wetterbehörde NOAA koordiniert werden. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Schließlich muss die Regierung in Washington Grünes Licht für eine solche neue Bundesagentur geben. Und die Bush-Administration ist bisher nicht als großer Klimaschutz-Förderer aufgefallen. Edward Miles aber sieht darin kein Problem. Der Meeresforscher von der Universität Washington in Seattle gilt als einer der Väter des Konzeptes von einem landesweiten Klimadienst:

"Der Schwerpunkt des neuen Klimadienstes liegt erkennbar auf der Anpassung an den Klimawandel. Dass sie notwendig ist, sieht auch die Bush-Administration ein. Was sie ablehnt, ist ja etwas anderes. Nämlich dass US-Unternehmen ihre Treibhausgas-Emissionen reduzieren müssen. Gegen notwendige Reaktionen auf den Klimawandel wird die Regierung nicht unbedingt Einwände haben."

Im Prinzip soll der Klimadienst Ähnliches leisten wie ein Wetterdienst, nur auf längeren Zeitskalen. Er soll ein eigenes Beobachtungsnetz unterhalten und verlässliche regionale Vorhersagen für die USA liefern. Allerdings müssen die Klimafrösche ihre Messfühler dabei weit über die Landesgrenzen hinaus ausstrecken:

"Es sind globale Prozesse, die bestimmen, wie sich das Klima regional ausprägt. Deshalb ist man auch auf Messdaten aus der ganzen Welt angewiesen. Um die Zusammenhänge genau zu verstehen, brauchen wir noch sehr viel Forschung und genaue Beobachtungen. Das unterscheidet den Klimadienst auch vom bestehenden Wetterdienst: Er muss eine viel breitere Forschung betreiben."

An der Universität von Washington gibt es schon seit zehn Jahren eine so genannte Klimafolgen-Gruppe. Sie bündelt alle verfügbaren und nützlichen Wetterdaten, leitet daraus Klima-Prognosen für den Bundesstaat Washington ab und stellt sie Wirtschaft, Behörden und Öffentlichkeit zur Verfügung. Nach diesem Muster könnte auch der Nationale Klimadienst funktionieren, schlägt Edward Miles jetzt vor. Der Professor für Meeresforschung leitet die Expertengruppe an der Universität Washington:

"Die Ergebnisse aus der Klimaforschung werden von den Leuten, die sich eigentlich bräuchten, bisher nicht genutzt. Das wollen wir mit dem Nationalen Klimadienst ändern. Von ihm würden viele profitieren: die Wasserwirtschaft, Landwirte, Städte, die Betreiber von Wasserkraftwerken, Forstämter, und natürlich auch Versicherungsunternehmen."

Fünf Jahre werde es dauern, eine nationale Klima-Agentur aufzubauen, schätzt Miles. Der erste Eckpfeiler soll aber viel früher stehen, möglicherweise noch in diesem Jahr. Nach Auskunft von Miles haben Kongress und Repräsentantenhaus bereits zugestimmt, ein "nationales Dürre-Informationssystem" aufzubauen. Darauf haben vor allem die Gouverneure der Bundesstaaten im mittleren Westen der USA gedrängt. Dort befinden sich die Kornkammern der Nation. Die Agrarregion leidet zunehmend unter extremer Trockenheit im Sommer. Das neue Dürre-Frühwarnsystem sei nur der erste Schritt, sagt Edward Miles. Daraus werde sich bald ein umfassender Klimadienst in den Vereinigten Staaten entwickeln:

"Die Leute sehen, dass der Klimawandel Wirklichkeit ist. Und sie machen sich große Sorgen um die Zukunft. Mittlerweile finden wir viel Unterstützung mit unseren Plänen: in den betroffenen Regionen, und auch im Kongress."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk