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StartseiteUmwelt und VerbraucherGolfstrom lässt nach24.03.2015

KlimawandelGolfstrom lässt nach

Der Golfstrom wird schwächer - das belegt eine neue Studie im Fachmagazin "Nature Climate Change". Die Forscher haben als Verantwortlichen den Klimawandel im Verdacht, sagt Leitautor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: "Wir vermuten, dass die Ursache der Eintrag von Schmelzwasser vom grönländischen Eisschild ist."

Stefan Rahmstorf im Gespräch mit Georg Ehring

Ein Eisberg in Süd-West-Grönland im August 2014. (picture-alliance / dpa / Albert Nieboer)
Schmelzendes Grönlandeis könnte die Abschwächung der Golf-Strömung mitverursachen (picture-alliance / dpa / Albert Nieboer)
Weiterführende Information

Schwacher Golfstrom, hoher Ozean
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 25.06.2012)

Der Golfstrom schwächelt
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 01.12.2005)

Georg Ehring: Zehn Jahre ist es her, da bot der menschengemachte Klimawandel Hollywood den Stoff für einen spektakulären Katastrophenfilm. "The Day After Tomorrow", "Der Tag nach morgen", schildert einen extremen und plötzlichen Kälteeinbruch durch das Versiegen des Golfstroms. Der Golfstrom ist sozusagen die Umwälzpumpe, die das Klima auch in Westeuropa wärmer macht, als es sonst wäre. Forscher sind jetzt zu dem Ergebnis gekommen, dass der Klimawandel tatsächlich den Golfstrom schwächer macht, allerdings natürlich nicht so filmreif wie damals. Einer der Forscher ist Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, und ihn begrüße ich jetzt am Telefon. Guten Tag, Herr Rahmstorf.

Stefan Rahmstorf: Guten Tag, Herr Ehring.

Ehring: Herr Rahmstorf, warum scheint sich der Golfstrom abzuschwächen?

Rahmstorf: Genau genommen geht es um diese großräumige Umwälzbewegung des Wassers im Nordatlantik, die warmes Wasser in Richtung Norden bringt, was dann sich im Laufe abkühlt, im Norden absinkt und dann nach Süden in der Tiefe wieder zurückströmt. Und weil diese Strömung solche riesigen Wärmemengen nach Norden transportiert, hat sie natürlich Auswirkungen auf die Wassertemperaturen im nördlichen Atlantik, und genau die haben wir als Hinweis auf Veränderung der Strömung genommen, denn da fällt auf, dass sich zwar praktisch der gesamte Planet in den letzten 100 Jahren erwärmt hat, außer genau einer Gegend im nördlichen Atlantik zwischen Neufundland und Irland, wo es eine Abkühlung gegeben hat, und diese Abkühlung deutet auf eine Abschwächung dieses Strömungssystems hin.

Klimawandel im Verdacht

Ehring: Haben Sie denn schon ausmachen können, was die Ursache ist?

Rahmstorf: Wir vermuten, dass die Ursache der Eintrag von Schmelzwasser vom grönländischen Eisschild ist, und es gibt noch andere Quellen von Süßwasser, die in den Nordatlantik gelangen, zum Beispiel der vermehrte Abfluss von Flüssen und die verstärkten Niederschläge in den höheren Breiten, weil die globale Erwärmung insgesamt ja auch den Wasserkreislauf anheizt, die Verdunstung und damit auch die Niederschläge. Und man beobachtet einen langfristigen Trend, dass der Salzgehalt im Nordatlantik abnimmt, und das verdünnt das Meerwasser und behindert das Absinken in die Tiefe, und das ist ja der Motor, der diese Strömungen antreibt.

Ehring: Das heißt, der Eisschild auf Grönland wird kleiner, schmilzt ab und das macht das Klima eventuell auch bei uns wärmer oder kälter?

Rahmstorf: Wir denken, das schwächt diese Strömung ab, und zunächst mal macht es die Wassertemperaturen im Nordatlantik kälter. Diese Abschwächung ist allerdings nicht so stark, dass es zu einer Abkühlung über den Landmassen über Europa kommt, sondern da beobachten wir ja nach wie vor eine Erwärmung im Zuge der allgemeinen globalen Erwärmung durch die Treibhausgase.

Mehr Stürme könnten eine Folge sein

Ehring: Was sind denn die Folgen möglicherweise für Europa? Wie kann das unser Wetter beeinflussen?

Rahmstorf: Das ist relativ schwer zu sagen, da diese Abschwächung ja noch nicht so groß ist, dass sie jetzt einen massiven Einfluss auf das Wetter hat. Wir können da nur auf Modellrechnungen zurückgreifen. Da haben britische Kollegen vor einigen Jahren eine Studie veröffentlicht, dass in den Klimamodellen eine Abschwächung dieser Atlantikströmung dann zu einer Ausweitung der Zugbahn von atlantischen Sturmtiefs in Richtung Europa führt und auch zu einer gewissen Intensivierung. Man könnte zumindest vermuten, dass es zu stärkeren oder häufigeren Stürmen auch in Europa führen könnte. Das allerdings aus dem wirklich stark schwankenden Wettergeschehen jetzt heute schon herauszufiltern, das können wir noch nicht.

Ehring: Aber auf die Wärme, die Temperatur in Europa, auf dem Festland möglicherweise kältere Winter, wie wir das in den vergangenen Jahren ja auch erlebt haben, hat es da auch einen Einfluss?

Rahmstorf: Diese kälteren Winter, die haben ja mit Kaltlufteinbrüchen aus der Arktis eigentlich zu tun, Nordostwinde, und kommen nicht vom Atlantik her, sodass ich da zunächst mal jetzt keinen Zusammenhang annehmen würde, sondern das wird ja in einigen Studien auf den Rückgang des arktischen Eises zurückgeführt, was eine Luftdruckverteilung begünstigt, die uns gerade polare Kaltluft hereinbringt statt der relativ milden Luftmassen vom Atlantik.

Ehring: Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung war das zur möglichen Abschwächung des Golfstroms. Herzlichen Dank.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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