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StartseiteForschung aktuellKlimawandel nagt an der Nahrungskette20.08.2007

Klimawandel nagt an der Nahrungskette

Wissenschaftler warnen vor Kohlendioxidanstieg in den Meeren

<strong>Umwelt. - Nicht nur in der Atmosphäre reichert sich das steigende Kohlendioxid an, sondern auch in den Ozeanen. Damit übersäuere das Klimagas die Meere und greife die Wurzeln der Nahrungskette an, warnen Fachleute jetzt auf der <papaya:link href="http://www.goldschmidt2007.org" text="Goldschmidt-Konferenz" title="Goldschmidt-Konferenz" target="_self" />, der jährlichen Welttagung der Geochemiker, die in diesem Jahr in Köln stattfindet. Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erläutert die Warnungen im Gespräch mit Gerd Pasch.</strong>

Erste Opfer der Übersäuerung der Meere werden Korallen der Tiefsee sein. (Florida Keys Marine Sanctuary)
Erste Opfer der Übersäuerung der Meere werden Korallen der Tiefsee sein. (Florida Keys Marine Sanctuary)

Gerd Pasch: Frau Röhrlich, worin sehen die Wissenschaftler die Gefährdung?

Dagmar Röhrlich: Es wird der Nahrungskette an die Basis gehen. Man hat schon in Experimenten Muscheln, Seesterne, Seeigel, die Larven davon sozusagen in norwegischen Fjorden in große Plastiksäcke gepackt und sie dann quasi eine Zeitreise machen lassen: 50 Jahre in die Zukunft. Man hat dabei gesehen, dass diese Larven nicht mehr erwachsen werden, sprich sie können keine Kalkschalen mehr ausbilden. Fischen wird es genauso gehen, die brauchen, um das Gleichgewichtsorgan auszubilden, Kalk - sie haben ein kleines kalkiges Organ in ihrem Gehörbereich. Und die Fische können auch nicht mehr erwachsen werden, weil dann zu wenig Kalk dort im Wasser noch vorhanden sein wird, den sie aufnehmen können, um dann daraus halt das Gerüst wie bei Seeigeln oder das Gleichgewichtsorgan bei den Fischen aufzubauen. Wir werden also ganz vielen Lebewesen im Wasser, dadurch, dass wir verhindern, dass sie ihre Kalkschalen aufbauen können, einfach das Leben unmöglich machen.

Pasch: Was geschieht denn nach den aktuellen Berechnungen dann mit den Korallen?

Röhrlich: Die Korallen gehören auch zu den gefährdeten Tieren, und heute hat Ken Caldera von der Stanford Universität erklärt, dass wenn es so weiter geht mit dem Kohlendioxidanstieg wie im Moment - er ist ja zurzeit stärker als im IPCC-Report im schlimmsten Fall angenommen - dass dann die Korallen 2100 verschwunden sein werden. In keinem Meer werden Verhältnisse herrschen, wo Korallenriffe wachsen können. Es wird wohl noch schneller kommen, weil ja auch noch der Temperaturanstieg eine Rolle dabei spielt, der Korallen schwer zu schaffen macht, sowie die Meeresverschmutzung. Und wenn die einmal weg sind, dann, so zeigt der Blick in die Erdvergangenheit, dass es zwei Millionen Jahr dauert, mindestens, ehe neue Riffe wachsen können.

Pasch: Gibt es denn für diese Annahme auch Belege?

Röhrlich: Ja, man hat sich angeschaut, wie lange es gedauert hat, als damals, nachdem die Saurier ausgestorben sind, durch die Ereignisse sind ja auch die Riffe abgestorben, durch diesen Umweltwandel, der da stattgefunden hat. Man weiß, dass damals sehr viel Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt worden ist, wie auch immer das gewesen ist, da streiten die Wissenschaftler heute. Vielleicht durch einen Einschlag, vielleicht auch durch einen Vulkanausbruch. Das hat jedenfalls die Meer sehr sauer gemacht und diese sehr schnelle Meeresversauerung hat damals dazu geführt, dass die Korallen nur noch als Polypen höchstens überleben konnten, also als skelettlose kleine Würmchen, ein paar haben es auch geschafft. Aber es hat zwei Millionen Jahre gedauert, ehe sie wieder die Kraft hatten, dann ein neues Riff zu bilden.

Pasch: Welche Bedeutung hat diese Veränderung, die Übersäuerung der Ozeane für die Nahrungskette?

Röhrlich: Wenn beispielsweise die Fischlarven, die sind sehr wichtig für sehr viele Lebewesen, die davon leben, wenn die Larven nicht mehr erwachsen werden, gibt es auch irgendwann auch keine Fischlarven mehr in der nächsten Generation. Von daher werden viele Tiere, die von diesen kleinen Lebewesen abhängen, sterben. Auch das Plankton, es gibt ja Kalkplankton, das Kalkskelette ausbildet, das kann dann auch keine Kalkskelette mehr ausbilden. Man hat in Laborexperimenten gezeigt, dass das dann nicht mehr so wunderschöne geometrische Formen sind, die dann entstehen in den zukünftigen Meeren, sondern dass sieht eher aus wie so ein gerupfter Wollball. Und die werden wahrscheinlich nicht lebensfähig sein. Das heißt, es wird einfach niemand mehr etwas zu fressen finden, egal, ob er jetzt von Algen abhängt oder halt von tierischem Eiweiß.

Pasch: Wer oder was wird dann als erstes verschwinden?

Röhrlich: Direkt auf der Kippe stehen eigentlich schon die Tiefseekorallen, denn in der Tiefsee gibt es ja ohnehin einen Bereich, wo sich der Kalk auflöst und dieser Bereich scheint jetzt nach oben zu steigen durch die Meeresversauerung. Und es ist so, dass die Tiefseekorallen sich wohl demnächst auflösen werden. Es ist wirklich an der Grenze dort.

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