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StartseiteUmwelt und VerbraucherWissenschaftler leiden unter Trump-Politik19.01.2018

Klimawandel und CoWissenschaftler leiden unter Trump-Politik

Die Wissenschaft gerät unter US-Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck: Behördenchefs werden ausgetauscht, Budgets gekürzt und Programme mittendrin gestoppt. Wissenschaftliche Erkenntnisse seien in der Politik mittlerweile außen vor, kritisieren die Betroffenen. Jetzt setzen sie sich zur Wehr.

Von Martina Buttler

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Ein Stethoskop auf einem Globus der Amerika anzeigt. McPBBO McPBBO a Stethoscope on a Globe the America displays (imago stock&people)
Die Wissenschaft sei mittlerweile bei politischen Prozessen in den USA außen vor, kritisiert Michael Halpern von der Union of Concerned Scientists (imago stock&people)
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T-Shirts mit der Aufschrift "Wissenschaft ist real", "Wissenschaft ist wichtig", "Wissenschaft übertrumpft alternative Fakten" sind ein Renner. Der Widerstand der Forscher gegen Trump hat sich gleich zu Beginn von Trumps Präsidentschaft formiert. Was dann in dem Jahr kam, war zum Teil erwartet, zum Teil aber auch ganz anders als erwartet, so Michael Halpern von der Union of Concerned Scientists:

"Wir waren nicht wirklich darauf vorbereitet, dass die Wissenschaft komplett kalt gestellt wird. Es werden Menschen in Ämter berufen, die unqualifiziert sind, Ministerien und Behörden zu leiten."

Die Forscher bekommen Trump und seine Regierung in ihrer täglichen Arbeit zu spüren:

"Bei vielen Ministerien wurde das Budget gekappt, Wissenschaftler werden zensiert und Programme werden mittendrin gestoppt."

Aber es gibt auch andere Wege Wissenschaftler auszubremsen. So seien Hunderte Forscher, die an einem geologischen Überblick arbeiten, im Dezember davon abgehalten worden, an der Tagung der Geophysiker teilzunehmen:

"Wenn du nicht an Tagungen teilnehmen kann, das Neueste lernen kannst, dann wird deine Arbeit drunter leiden. Es gibt viele Wege Forscher ruhigzustellen abgesehen davon, dass man sie daran hindert zu veröffentlichen. Auch wenn man verhindert, dass sie mit Kollegen kommunizieren und voll am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen, bremst sie das aus."

Es gibt in Trumps Welt Sprachregelungen: Mitarbeitern der Umweltbehörde EPA wurde nahegelegt, nicht von Klimawandel, sondern von Wetterextremen zu sprechen. Bei der Seuchenschutzbehörde CDC wurden angeblich sieben Worte auf den Index gesetzt: Wenn es um’s Budget geht, sollten nicht die Worte verletzlich, Fötus, Transgender oder wissenschaftsbasiert benutzt werden. Und: Wissenschaftler werden versetzt, um sie ruhig zu stellen. Vor allem im Innenministerium sei das der Fall, erzählt Halpern:

"Ein Klimaforscher wurde ins Rechnungswesen versetzt. Nach ein paar Wochen hat er unter Protest gekündigt. Er hat gesagt: Es ist eine Verschwendung von Steuergeldern, mich da einzusetzen, wo ich Leute anleiten soll, obwohl ich mich nicht mit dem Thema auskenne."

Was die Finanzen angeht, seien die Wissenschaftler noch mit einem blauen Auge davon gekommen, weil sich Politiker gegen Trumps Empfehlungen entschieden. Aber wissenschaftliche Ergebnisse spielen bei politischen Entscheidungen keine Rolle mehr, erklärt Halpern:

"Die Wissenschaft ist außen vor im politischen Prozess. Wenn ein chemisches Mittel zugelassen wird, treffen sich die Entscheider nicht mit den Forschern, sondern mit der Industrie. Von dort kommen die Marschbefehle."

Die Wissenschaftler wehren sich

In einem landesweiten Projekt sichern Wissenschaftler Daten von Regierungsservern aus Angst, dass sie verschwinden könnten. Einige Daten, so die Experten, sind schon nicht mehr zu finden. Die Alarmglocken bei vielen Forschern schrillen laut und dauerhaft. Dabei sind nicht nur sie betroffen, warnt Michael Halpern:

"Das ist nicht nur ein Krieg gegen die Wissenschaft. Es ist ein Krieg gegen Institutionen. Alle, die Trump nicht gefallen, von Medien über Gerichte bis hin zu Wissenschaftlern wurden alle von ihm attackiert."

Die Wissenschaftler wehren sich

Die Wissenschaftler wehren sich. An der University of Pennsylvania wird es im Frühjahr zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder eine Woche Teach-ins geben, um die Bedeutung von Wissenschaft zu verdeutlichen. Die Forscher veröffentlichen und kämpfen weiter so gut es denn geht.

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