• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteEssay und DiskursDie Schrift als Fremder12.03.2017

Kölner Kongress 2017 - Erzählen in den MedienDie Schrift als Fremder

Es wird geschrieben, was das Zeug hält: WhatsApp, Mails, Kommentare. Es ist ein "legeres" Kommunizieren, das der oralen Form immer ähnlicher wird. Verlieren wir alle Kultur? Autor und Regisseur Martin Zeyn, geboren 1964, sagt: Nein.

Von Martin Zeyn

Martin Zeyn, Dezember 2014. (Bayerischer Rundfunk / Julia Müller)
Martin Zeyn (Bayerischer Rundfunk / Julia Müller)
Mehr zum Thema

Kölner Kongress: "Erzählen in den Medien" "Das Netz hat den Blick auf Geschichten verändert"

Der Deutschlandfunk veranstaltet den KÖLNER KONGRESS 2017 "Erzählen in den Medien"

Kölner Kongress Erzählen in den Medien

Zwischengeschichten Im Zeitalter von Populismus, Postfaktischem und Politikberatung

"Im elektronischen Zeitalter, das auf die typographische und mechanische Ära folgte, begegnen wir neuen Formen und Strukturen der menschlichen Interdependenz und der Ausdrucksweise, die in der Form oral sind, auch wenn die Situationselemente nicht-verbaler Natur sind."

Auf den ersten Blick scheint der Literaturwissenschaftler McLuhan exakt das legere Kommunizieren in den Sozialen Netzwerken beschrieben zu haben: Mündlichkeit ist an die Stelle von Schriftlichkeit getreten, auch wenn eben nicht telefoniert, sondern immer noch geschrieben wird. Bücherdämmerung. Bit essen Seele auf. Büchergeddon. Der Abgesang auf das Buch ist alt.

Marshall McLuhan veröffentlichte 1962 "Die Gutenberg-Galaxis" - und der Untertitel machte klar, worum es ging: Das Ende des Buchzeitalters. Nun kommt das Ende der Schrift. Eine Zeit, in der Bücher so veraltet erscheinen wie heutzutage IBM Kugelkopf-Schreibmaschinen. Ausgelöst durch das Internet, das Digitale. Verlieren wir alle Kultur? Martin Zeyn sagt: Nein.

WG - Wie geht's, WE - Wochenende und LOL - laughing out loud sind Abkürzungen, die nichts mit Mündlichkeit zu tun haben, sondern die Geschwindigkeit beim Tippen erhöhen sollen. Sie funktionieren ganz ähnlich wie die Abbreviaturen in Klosterhandschriften, in denen die Mönchen mit einem Schnörkel oder einem Strich über einem Buchstaben anzeigten, dass der Lesende hier einfach den gleichen Buchstaben oder die gleiche Silbe ergänzen solle.

Einen Vortrag zu diesem Thema hielt Martin Zeyn auf dem Kölner Kongress 2017 am 11. März im Deutschlandfunk. Martin Zeyn, geboren 1964, ist Leiter des Nachtstudios von Bayern zwei und lebt in München. Er veröffentlicht außerdem Essays und Kritiken zu Kunst, Hörspiel, Popkultur und Philosophie.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk