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StartseiteKommentare und Themen der WocheUmbau der Energieversorgung wird nicht reichen06.06.2018

Kohlekomission eingesetztUmbau der Energieversorgung wird nicht reichen

Die Kohlekommission in Berlin soll ein Ausstiegsdatum und Vorschläge zum Strukturwandel in den Kohleregionen vorlegen. Allerdings sei der Eindruck entstanden, die 31 Mitglieder machten sich mehr Gedanken um die Rettung der Kohle als um die Rettung des Klimas, kommentiert Theo Geers.

Von Theo Geers

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Weißer Dampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerk der Vattenfall GmbH in Boxberg (Sachsen) auf, aufgenommen am 14.03.2016. Foto: Arno Burgi (dpa / Arno Burgi)
905 Mio. Tonnen Klimagase hat Deutschland im letzten Jahr ausgestoßen (dpa / Arno Burgi)
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Auch wenn sich gleich drei Minister vor Kameras und Mikrofonen aufbauten, um Geschlossenheit zu demonstrieren – die Kohlekommission hat einen schlechten Start. Erst wurde ihre Einsetzung verschoben wegen des eifersüchtigen Gerangels, welches Ministerium die Federführung hat – das Umwelt- oder wie es dann entschieden wurde – nun das Wirtschaftsministerium; dann folgte das Gezerre um die Auswahl der jetzt 31 Mitglieder und unverändert weckt auch Name Zweifel. "Kommission Wachstum Strukturwandel Beschäftigung" – so heißt das  Gremium offiziell, das Wort Klimaschutz taucht nicht auf.

Klimaschutz und Arbeitsplätze sind kein Widerspruch

Schnell entsteht der Eindruck, in dieser neuen Kommission machen sich ihre Mitglieder mehr Gedanken um die Rettung der Kohle als um die Rettung des Klimas. Es liegt deshalb nun an diesen Mitgliedern, das Gegenteil zu beweisen. Klimaschutz und Arbeitsplätze sind kein Widerspruch, Klimaschutz ist vielmehr die Voraussetzung für alles weitere. Wenn das Eis an den Polen schmilzt, wenn der Golfstrom schwächelt und dagegen zu wenig unternommen wird, dann schlittert die Menschheit sehenden Auges in die Katastrophe. So gesehen ist die Ankündigung von heute, Ersatzarbeitsplätze in die betroffenen Braunkohleregionen zu bringen, richtig und ehrenhaft, aber wichtiger ist und bleibt der schnelle Kohleausstieg – hier und anderswo.

Kaum weniger Klimagase

905 Mio. Tonnen Klimagase hat Deutschland im letzten Jahr ausgestoßen, es waren gerade mal 0,5 % weniger als 2016. Der Klimaschutz stockt, der Klimawandel tut es aber nicht. Und jede Tonne CO2, die erst einmal in die Luft geblasen wurde, macht alles nur noch schlimmer. Denn keine einzige Tonne lässt sich hinterher wieder zurückholen und unschädlich machen. Dabei reichen die bisherigen Schritte in Deutschland hinten und vorne nicht. Das Ziel von 40 % weniger CO2 bis 2020 im Vergleich zu 1990 hat die jetzige Koalition schon kassiert, dafür verspricht sie, umso energischer bis 2030 auf minus 55 % zu kommen. Doch wo stehen wir? Im letzten Jahr bei minus 27,7 %, also ist die Hälfte des Weges ziemlich genau geschafft. Für diese Hälfte brauchte es 27 Jahre einschließlich des Falls der Mauer und der anschließenden Stilllegung der dreckigsten Braunkohlekraftwerke aus DDR-Zeiten.

Nur noch 13 Jahre für den Kohleausstieg

Nun stehen uns für die zweite Hälfte aber nur noch 13 Jahre zu Verfügung – und das ohne den Zusammenbruch der DDR. Um einen Kohleausstieg kommt Deutschland also nicht herum. Was dabei übersehen wird: Selbst das, also der komplette Umbau unserer Energieversorgung, wird nicht reichen. Jede fünfte Tonne CO2 kommt aus dem Verkehr – und der hat bislang so gut wie nichts zum CO2-Minderung beigetragen. Wo bleibt die nächste Kommission, die sich darum kümmert?

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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