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Kollegah und Farid BangLaschet begrüßt WDR-Index für Rapper

12.04.2018, Berlin: Kollegah (r) und Farid Bang erhalten den Echo für Album des Jahres bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo. Die Rapper halten eine Karrikatur von Sänger Campino mit Heiligenschein hoch, welches sie versteigern wollen. Foto: Jörg Carstensen/dpa | Verwendung weltweit (Jörg Carstensen/dpa)
Die Deutsch-Rapper Kollegah (r) und Farid Bang bei der Echo-Verleihung. (Jörg Carstensen/dpa)

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet hält es für richtig, dass der WDR das Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" der Rapper Kollegah und Farid Bang nicht mehr im Radio spielt.

Das Album sei nicht vereinbar mit öffentlich-rechtlichen Grundsätzen, schrieb der CDU-Politiker auf Twitter: "Danke dem @wdr, dass er antisemitische Rapper auf den Index" gesetzt hat. "Nur der @ECHO_Musikpreis kennt anscheinend keine Grenzen gegen Antisemitismus." Eine WDR-Sprecherin betonte, man habe die Entscheidung bereits vor der vieldiskutierten Echo-Verleihung gefällt. Im Jugendradio 1Live werde daher keine Musik aus dem Album gespielt.

Inzwischen kündigten die Veranstalter des Musikpreise Konsequenzen an. Man werde das Konzept überarbeiten, teilte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) mit. Das schließe eine "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" ein. Details nannte er nicht.

Kollegah und Farid Bang waren am vergangenen Donnerstag für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden. In den Texten finden sich folgende umstrittenen Passagen: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

Dass beide dennoch einen Echo erhielten, war auf erhebliche Kritik gestoßen, unter anderem beim Musikkritiker Jens Balzer im Dlf. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Zimmermann, erklärte, schon die Nominierung der beiden Rapper zeuge von "wenig Selbstreflexion". Veranstalter und Jury hätten die Notbremse ziehen müssen. Der Kulturrat ist die Spitzenorganisation von 250 Kulturverbänden.

Zuvor hatte etwa auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter geschrieben, antisemitische Provokationen hätten keine Preise verdient, sondern seien "einfach widerwärtig". Die Preisverleihung ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag sei zudem "beschämend".

Diese Nachricht wurde am 16.04.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.