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StartseiteInformationen am MorgenWaffen zu Mahnmalen20.06.2017

KolumbienWaffen zu Mahnmalen

Nächste Woche soll die Entwaffnung der FARC-Rebellen abgeschlossen sein. Damit ist ein weiterer Meilenstein im kolumbianischen Friedensprozess erreicht, der vor Kurzem noch unerreichbar schien. Man wolle endlich Frieden, betonen beide Seiten. An den mehrere Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg sollen dann nur noch Mahnmale aus den konfiszierten Waffen erinnern.

Von Ivo Marusczyk

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Ein Banner mit der Aufschrift «Campamento por La Paz» («Camp für den Frieden») hängt am 03.03.2017 zwischen zwei Bäumen am Eingang des Farc-Entwaffnungscamps, nahe dem Dorf Cornejo im Departement La Guajira im Norden Kolumbiens.  (dpa / picture alliance / Georg Ismar)
Farc - Entwaffnungscamp (dpa / picture alliance / Georg Ismar)
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Die Pistole Nummer 00-15-46ist korrekt entladen. Ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen verstaut sie in einem weißen Container. Auch das Gewehr mit der Registrierung 00-16-06 wird noch einmal überprüft und landet dann im Container der UN-Beobachtermission, zusammen mit Granatwerfern, Maschinengewehren und anderen Waffen.

Das passiert gerade im ganzen Land, in 26 Übergangszonen. Die FARC-Rebellen, die den Staat mehr als ein halbes Jahrhundert lang bekämpft hatten, sind aus dem Untergrund aufgetaucht, leeren ihre Waffenverstecke und übergeben die Waffen an die Vereinten Nationen. Die werden in Kürze die Waffen der 7000 FARC-Kämpfer abtransportieren, Künstler sollen daraus dann Mahnmale gestalten.

Allerdings verzögert sich der Friedensprozess - wieder einmal. Nach den Friedensabkommen sollten die FARC schon Ende Mai ihre letzten Waffen abgeben. Doch auch der Bau der Übergangszonen verzögert sich. Die Regierung verlängerte die Frist um drei Wochen - so dass eigentlich jetzt die Entwaffnung abgeschlossen sein sollte. Doch auch dieser Plan ließ sich nicht halten - jetzt heißt es, die letzte Phase der Waffenübergabe beginnt. Und nächste Woche, am 27. Juni soll es dann endgültig soweit sein, dass die FARC ihre letzte Waffe abgeben. Aber alle Seiten betonen, dass es trotz der Verspätung nicht den geringsten Zweifel am Friedensprozess gebe. FARC-Kommandant Pablo Catatumbo sagte bei einer offiziellen Feier im Süden des Landes, im Bezirk Cauca

"Sie sollen wissen, dass wir den Frieden im Herzen tragen. Wir stehen ohne Einschränkung dazu. Und wir wollen dem Land und der ganzen Welt zeigen, dass wir eine Seite in der Geschichte unseres Landes umblättern und mit einer neuen Seite beginnen. Mit der des Friedens."

Mitglieder der FARC Guerilla im Norden Kolumbiens. Eigentlich endet in diesen Tagen die vereinbarte Frist zur Abgabe aller Waffen.  (AFP/Luis Acosta)Mitglieder der FARC Guerilla im Norden Kolumbiens. Eigentlich endet in diesen Tagen die vereinbarte Frist zur Abgabe aller Waffen. (AFP/Luis Acosta)

Und Jean Arnault, der Chef der UN-Mission in Kolumbien, lobte, pro Kämpfer sei mindestens eine Waffe registriert worden. Der Prozess der Waffenübergabe sei also sehr erfolgreich verlaufen, auch im Vergleich mit Entwaffnungen in anderen Ländern.

"Wenn irgendetwas den Friedensprozess in Kolumbien gekennzeichnet hat, dann war es die Entschlossenheit der Regierung und der FARC, weiterzumachen und immer wieder alle Hindernisse auf dem Weg zum Frieden zu überwinden."

Hindernisse und Probleme, die auch jetzt, auf den scheinbar letzten Metern des Weges, nicht aufhören. Am Wochenende hat ein Anschlag in der Hauptstadt Kolumbien erschüttert. Im modernsten und edelsten Einkaufszentrum von Bogotá explodierte ein Sprengsatz. Drei junge Frauen wurden getötet, zwei Kolumbianerinnen und eine Französin. Die FARC und auch die ELN, die zweite Guerillagruppe, die noch keinen Frieden mit der Regierung geschlossen hat, verurteilten den Anschlag. Wer hinter dem Attentat steckt, ist völlig unklar.

Präsident Santos sagte: "Die Ermittler haben drei konkrete Hypothesen, aber ich kann sie  nicht nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden."

Es gibt immer noch Gruppen in Kolumbien, denen der Friedensprozess mit der FARC ein Dorn im Auge ist und die jetzt, in dieser entscheidenden Phase Unsicherheit verbreiten wollen. Auch wenn die FARC so gut wie entwaffnet sind. Der Frieden in Kolumbien ist noch nicht endgültig gewonnen.

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