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Kolumbiens Kirche

Zwischen den Fronten, aber nicht zwischen allen Stühlen

Eine Sendung von Hajo Goertz

Rebellen der FARC
Rebellen der FARC (AFP)

Die kolumbianischen Bischöfe sehen eine zentrale Aufgabe der Kirche darin, die Menschenrechte zu verteidigen. Und so sind sie in Gegenden präsent, wo Guerilleros und die paramilitärischen Todesschwadronen den Kolumbianern ihr Recht auf Leben und persönliche Sicherheit streitig gemacht haben. Diese eminent politische Aufgabe der Kirche kostet einen hohen Preis. In den letzten 20 Jahren sind rund 50 Bischöfe, Priester und Missionare ermordet worden.

Bischof Alberto Rozo braucht ein Flugzeug, um aus seiner Residenz in Villavicencio am Westhang der Anden nach Cumaribo zu kommen. Mit einem Jeep wäre er auf den holperigen Pisten in der Savanne zwei, drei Tage unterwegs, um den Weiler am Rio Vichada zu erreichen. Im Tiefland Kolumbiens an der venezolanischen Grenze wird der Bischof eine neue Diözese aufbauen. Die Kirche will den Indianern, den Indigenos, und den Campesinos näher kommen - keine leichte Sache, wie der Bischof erzählt, denn die Gegend ist eines der vielen umkämpften Gebiete des Landes, in denen der Einfluss staatlicher Institutionen begrenzt ist. Kaum ist die kleine Chartermaschine gelandet, sind das Flugzeug und die Gruppe um Bischof Rozo von Soldaten umringt.

"Der Kommandant der Paramilitares in der Region hat mir mitgeteilt, dass er etwa 1.400 Kämpfer unter seinem Kommando hat."

Wie Bischof Rozo berichtet, kontrollieren im Moment die politisch rechts orientierten Paramilitärs die Savanne nördlich des Flusses, nach dem die Provinz Vichada ihren Namen hat. Am Südufer des Rio beginnt der nahezu undurchdringliche Urwald. Hier herrscht die linke Guerilla.

"Es gibt da zwei Guerilla-Gruppen, und man geht davon aus, dass jede etwa 2.000 Mann stark ist, also schätzt man rund 4.000 Guerilleros."

Bischof Rozo versucht zu beiden Seiten Kontakt zu halten. Dabei will er nicht dem Staat die Kohlen aus dem Feuer holen, sondern den armen Landbauern das Leben hier einigermaßen erträglich machen. Immer wieder flammt in der Gegend der Kampf zwischen den illegalen Gruppen auf, und die Dörfer geraten ungewollt unter Beschuss.

"Ich suche das Gespräch sowohl mit der Guerilla als auch mit den Paramilitärs, und es geht im wesentlichen darum, dass die grundlegenden Rechte der hier lebenden Menschen geachtet werden."

Wie alle Bischöfe in ganz Kolumbien sieht auch Alberto Rozo eine zentrale Aufgabe der Kirche darin, die Menschenrechte zu verteidigen. Die Vereinten Nationen erklären in erster Linie die Guerilleros und die paramilitärischen Todesschwadronen dafür verantwortlich, dass den Kolumbianern ihr Recht auf Leben und persönliche Sicherheit streitig gemacht wird. Nicht nur in Vichada leben die Menschen ständig in Sorge, gekidnappt oder gar ermordet zu werden.

"Die Anwesenheit der Guerilla und der Paramilitärs ist mehr als eine Belästigung. Es herrscht das Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung bei den Leuten. Oft kommen sie nicht zu einer kirchlichen Veranstaltung, einfach weil sie Angst vor Überfällen haben."

Dabei waren die Guerilleros vor rund vier Jahrzehnten angetreten, um das kolumbianische Volk aus der Unterdrückung zu "befreien", wie sie behaupten. Die marxistische FARC, die Fuerzas Armadas Revoluzionarias de Colombia, setzten ebenso auf den bewaffneten Kampf gegen Armut und Unterentwicklung wie die ELN, Ejército de Liberación Nacional, die sich auf die kubanische Revolution Fidel Castros berief. Als Hauptschuldige machten beide Guerilla-Gruppen die Reichen und die Großgrundbesitzer aus. Diese formierten dagegen Todesschwadronen, um sich zu verteidigen, die Autodefensas Unidas de Colombia.

Diese paramilitärischen Trupps haben sich längst verselbstständigt zu kriminellen Organisationen. Auch die linken Guerillas verabschiedeten sich allmählich von ihren ursprünglichen ideologischen Zielen der Volksbefreiung. Den einen wie den anderen illegal bewaffneten Gruppen geht es allein um die Macht in Teilen Kolumbiens, und sie finanzieren ihre Gewalt gegen den Staat und die Menschen mit Kidnapping und Drogenhandel. Mit Lösegeld und Kokaingeschäften beschaffen sie sich leichte wie schwere Waffen. Nach Schätzungen der UNO drangsalieren rund 20.000 Guerilleros der FARC, etwa 5.000 der ELN sowie um die 17.000 Autodefensas die wehrlosen Leute in den Dörfern und den Slums der Städte.

Mit Jeeps geht es ein paar Kilometer in die Savanne hinein. Die tiefen Schlaglöcher in der Piste kosten viel Zeit. Der kleine Konvoi steht unter massivem militärischen Schutz: An der Spitze und als Nachhut gepanzerte Truppentransporter, Soldaten mit entsicherten Gewehren. Ziel ist das kirchliche Schulzentrum Piramerí.

"Generell ist es unsere Aufgabe, gegen den Drogenhandel zu kämpfen und die Paramilitärs zurückzudrängen. Dafür kontrollieren wir auch die Pisten."

Capitan Alexandro Useche, Anführer der Soldaten, erläutert die schwierige Aufgabe seiner Soldaten. Sie müssen ständig mit Anschlägen aus Hinterhalten rechnen.

"Man kann nicht so einfach sagen, wo die Paras gerade sind, weil sie immer wieder ihre Standorte wechseln. Im Verein mit der Luftwaffe versuchen wir, ihre Stützpunkte ausfindig zu machen."

Die Kinder im Centro Pirameí empfangen den Besuch mit großer Neugier. Unbefangen unterhalten sie sich mit den Soldaten, von der Gefahr scheinen sie nichts zu spüren.

"Das Gewaltniveau ist ziemlich hoch. In ihren einsamen Dörfern leben die Indigenos einigermaßen geschützt. Aber nur zehn Autominuten von hier entfernt wohnen Siedler, die Koka anbauen. Daher ist die Bedrohung stets vorhanden."

Alexandra Heimez ist die Leiterin der Grundschule. Da das Centro einsam in der Savanne angesiedelt ist, leben die gut hundert Kinder in Piramerí im Internat. Wenigstens bekommen sie hier täglich zu essen. Zu Hause könnten die Mädchen und Jungen damit nicht unbedingt rechnen.

"Die Indigenos sind sehr arm, sie leben hauptsächlich von dem, was sie um ihre Hütte herum anbauen. Das reicht gerade für sie selbst zum Überleben."

Das eigentlich fällige Schulgeld können die Eltern nicht aufbringen, das steuert Bischof Rozo aus kirchlichen Kassen bei. Für ihn ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen der Indigenos eine Ausbildung bekommen. Sie werden auch von klein auf in landwirtschaftlichen Fächern unterrichtet werden, damit sie der Versuchung entgehen, Koka anzubauen.

"Weil diese Region so arm ist, gelten Kokapflanzen als die einzige Einnahmequelle, die das Überleben sichert. Daher muss man leider davon ausgehen, dass in Vichada immer noch Koka angebaut wird."

Die Armut der Menschen liefert sie in Kolumbien, meint der Bischof, den Paramilitärs und den Guerillas aus.

"Ganz eindeutig sind die Guerilla und die Paramilitärs in Vichada so stark, weil hier Koka angebaut wird und der Drogenhandel damit ein gute Finanzierungsquelle darstellt."

Bischof Rozo will den Teufelskreis von Armut, Gewalt und Drogen durchbrechen. Eines seiner Mittel sind kirchliche Schulzentren, die er mit Unterstützung des deutschen katholischen Hilfswerks Adveniat unterhält. Alexandra Heimez:

"Die Schüler werden neben den normalen Fächern noch in verschiedenen landwirtschaftlichen Kursen unterrichtet. Wir haben hier auf den Dörfern häusliche Kleinwirtschaft. Damit können sie später überleben, und daher ist das wichtig."


An den kirchlichen Schulen wird auch die Kultur der Indigenas gepflegt. Sie sollen Stolz empfinden auf die eigenständige Tradition ihrer Stämme und Selbstbewusstsein entwickeln, das sie wappnen könnte gegen zivilisatorische Verlockungen, mit denen Paras und Guerilleros sie ködern wollen.

Mit dem Flugzeug dauert es zwanzig Minuten, ein Auto brauchte wohl einen Tag oder mehr, um nach El Viento zu kommen. Das Dorf gehört noch zum Bezirk von Cumaribo und liegt mitten in einer Hazienda.

"Hier um das kleinen Dorf, das sie "der Wind" nennen, besitzen wir 10.000 Hektar. Und wir wollen das Land mit rund 500 Familien teilen."

Lucio Arenas ist ein Großgrundbesitzer der besonderen Art. Wie kaum ein anderer Haziendero in Kolumbien jagt er nicht die Campesinos davon, um sich Land anzueignen. Arenas hat sie auf seinem eigenen Grund und Boden angesiedelt.

"Das sind eingeborene Landbauern, die von der Gewalt vertrieben wurden. Wir wollen den Leuten helfen. Sie haben keine Arbeit, keine Gesundheitsfürsorge, keine Ausbildung. Und so versuchen wir wenigstens ein bisschen, die extreme Armut, unter der unser Volk leidet, zu bekämpfen."

Als Kind wurde er mit seiner Familie aus seiner Heimat im Süden Kolumbiens vertrieben. So kennt er aus eigenem Erleben das Schicksal der Desplazados, die von den illegalen bewaffneten Gruppen einfach verjagt werden, wenn sie nicht gefügig sind. Rund drei Millionen Vertriebene im eigenen Land schätzen die Vereinten Nationen, eine weitere Million Kolumbianer habe sich im Ausland in Sicherheit gebracht. Lucio Arenas lebte, als auch seine Familie bedroht wurde, in einem Gebiet, in dem Kautschuk angebaut worden war. Die Guerilla wollte Platz schaffen für Koka. Er verlor die Kautschuk-Plantage als Alternative zum Koka-Anbau nicht aus den Augen. Jetzt kann er seine landwirtschaftlichen Studien in die Praxis umsetzen.

Der natürliche Gummi habe, so meint der Haziendero, auf dem Weltmarkt wieder neue Chancen.

"Hier also wollen wir anfangen und ein Programm entwickeln, Kautschuk-Bäume anzupflanzen. Es gehört zum Gebiet von Bischof Alberto Rozo. Er ist unser geistlicher Führer und hilft uns in jeder Weise."

Lucio Arenas konnte vor Jahren mit seinen beiden Brüdern das Land um El Viento erwerben und fand in Bischof Rozo einen Verbündeten. Mitten im Dorf überließ der Haziendero dem Kirchenmann ein großes Grundstück für ein Schulzentrum. Sechs Jahre schon hegen beide den gemeinsamen Plan, eine Kautschuk-Plantage anzulegen. Jetzt will auch die Regierung in Bogotá sich finanziell engagieren. Damit kann das Projekt endlich starten, wie Bischof Rozo berichtet:

"An unserem Kautschuk-Projekt beteiligt sich die Regierung durch einen Kredit mit sehr langer Laufzeit. Bisher sehen die Leute im Urwald oder in der Savanne keine andere landwirtschaftliche Möglichkeit, als Koka anzubauen. Aber ich bin überzeugt, dass es gelingt, Alternativen anzubieten, denn eigentlich sind die Leute bereit, die Finger von den Kokapflanzen zu lassen. "

Das Vorhaben von Bischof Rozo und Lucio Arenas ist jetzt eingebettet in ein Mammutprojekt der kolumbianischen Regierung. In Vichada und der benachbarten Provinz Meta sollen mehrere Millionen Hektar Savanne urbar gemacht werden.

Im Einzugsgebiet des Orinoco, des Grenzflusses zwischen Kolumbien und Venezuela gibt es genug Wasser, um Viehwirtschaft zu betreiben, Getreide anzubauen und Plantagen anzulegen. Kautschuk soll ebenso gewonnen werden wie Kolophonium von der Karibischen Palme und Biodiesel aus Palmöl. Das ehrgeizige Entwicklungsprogramm, finanziert mit internationaler Hilfe, soll mehreren zehntausend Menschen bessere Lebensmöglichkeiten schaffen. Sein Erfolg hängt natürlich davon ab, dass der Staat die illegale Gewalt unter Kontrolle bekommt. Noch ist der Kampf in der Schwebe, auch in Vichada, wie Bischof Rozo verrät:

"Also, den größten Einfluss hat sicher der Bischof. Was aber die wirkliche Macht betrifft, so hatte bis vor einiger Zeit die Guerilla das Sagen. Jetzt sind die Paramilitärs auf dem Vormarsch und drängen die FARC zurück. Gleichzeitig zeigt das Militär eine stärkere Präsenz und stellt damit eine dritte Machtkomponente dar."

Mitten dazwischen agiert die Kirche. Ihre Position, wie Bischof Rozo sie beschreibt, gilt so oder ähnlich für ganz Kolumbien. Sie ist kompliziert und fordert ein Höchstmaß an Verantwortung und diplomatischem Geschick.

Die Kirche Kolumbiens steht zwischen den Fronten, die sich oft genug gegenseitig bekämpfen, und sie versucht, dabei nicht zwischen die Stühle zu geraten - mit ihrer eindeutigen Parteinahme für die Opfer der Gewalt.

"Die Kirche lebt mitten im Volk, und sie teilt die Leiden der Menschen. Sie ist oft das einzige Zeichen der Hoffnung. Mitten unter den Verfolgten und Vertriebenen versucht sie, eine Brücke zur Zukunft zu öffnen. Als einzig noch glaubwürdige Institution ist nur die Kirche in der Lage, einen Dialog zum Frieden zu vermitteln."

Jorge Alberto Ossa ist Bischof von Florencia im Süden Kolumbiens. Er hat es vor allem mit der FARC zu tun, hier irgendwo in den Urwäldern der Anden-Ausläufer wird die Führungsspitze der größten Guerilla vermutet. Doch der Bischof lässt sich nicht einschüchtern. Es sei die unverzichtbare Selbstverpflichtung der Kirche, für die Armen einzutreten, deren Menschenrechte zu verteidigen und für mehr soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, betont der Bischof.

"In unserem an Bodenschätzen reichen Land gibt es ein Übermaß an Ungerechtigkeit. Der Reichtum ist sehr ungerecht verteilt. Nur vier Prozent der Kolumbianer besitzen mehr als zwei Drittel des Bodens. Und von den 44 Millionen Einwohnern muss die Hälfte unterhalb der Armutsgrenze existieren. Die Arbeitslosenquote ist alarmierend hoch, und viele leben von informeller Arbeit. Öffentliche Unmoral und Korruption sind an der Tagesordnung. Seit mehr als vierzig Jahren erleiden wir einen sinnlosen Bürgerkrieg."

Rund eine halbe Million Menschenleben hat der Krieg gekostet. Immer noch liegt Kolumbien an der Weltspitze der Gewaltkriminalität: amnesty international schätzt jährlich an die 4.000 politisch motivierte Morde. Hundertausende von Dezplazados fliehen Jahr für Jahr in die Städte, wo sie in Slums dahinvegetieren müssen. Bischof Jorge Ossa:

"Der Krieg um die Herrschaft in den Regionen des Landes bringt nichts als Zerstörung, Elend und Tod."

Um so wichtiger ist die Präsenz der Kirche unter den Opfern der Gewalt, erklärt der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Rubiano Saenz von Bogotá:

"Da, wo der Staat nicht mehr ist, da ist die Kirche präsent. Wir bemühen uns, zwischen den Parteien und Gruppierungen Kommunikation zu schaffen."

Diese eminent politische Aufgabe der Kirche kostet einen hohen Preis. In den letzten zwanzig Jahren sind rund 50 Bischöfe, Priester und Missionare ermordet worden. Immer noch werden Pfarrer und Bischöfe entführt oder mit dem Tod bedroht. Prominenteste Opfer waren der Bischof von Cali, Isaías Duarte, der 2002 umgebracht wurde, und der damalige Präsident des lateinamerikanischen Bischofsrates, Erzbischof Jorge Jimenez, der im selben Jahr für fünf Tage von der FARC gefangen war, bis ihn die kolumbianische Armee befreien konnte.

"Es ist ein Versprechen der Kirche, und alle Bischöfe und Pfarrer stehen trotz der Gefahr dazu, der Bevölkerung zu helfen, ein Leben in Frieden zu finden."

Dabei kann sich der Repräsentant der katholischen Kirche, der mehr als 90 Prozent der Kolumbianer angehören, auf den Rückhalt


in der Bevölkerung stützen, die nichts sehnlicher wünsche als ein Ende der Gewalt.

"Die Bevölkerung lehnt diese Gruppen entschieden ab, weil sie nur Gewalt ausüben und tatsächlich keine politischen Ziele mehr haben. "

Kardinal Saenz betont, dass sich die Guerilla ebenso wie die Paramilitärs zu nichts als kriminellen Banden gewandelt haben. Sie unterschieden sich kaum mehr voneinander. Mit ihren Methoden einer Mord- und Entführungsindustrie konkurrieren sie seit langem mit den verbrecherischen Vereinigungen der berüchtigten Drogenbarone. Diese Kriminalisierung der Guerillas und der Paramilitärs erschwert die Bemühungen der Kirche zu vermitteln. Es wäre leichter, meint Kardinal Saenz, wenn man sie auf politische Ziele wie soziale Gerechtigkeit ansprechen könnte. Aber die Kirche will sich dieser Aufgabe einer Gratwanderung nicht versagen. Die Bischofskonferenz wirkt entscheidend mit an einer nationalen Versöhnungskonferenz, und sie hat eigene Kommissionen gebildet. Eine sucht Kontakte zur Guerilla, eine andere zu den Paramilitärs. Flankiert werden die Initiativen der Kirche durch die Politik von Präsident Alvaro Uribe, der nach dem Scheitern früherer Verhandlungsversuche auf die militärische Karte setzt, um die militanten Gruppierungen unter Druck zu setzen. Kardinal Saenz registriert einen gewissen Erfolg dieser Politik.

"Die Regierung hält diesen militärischen Druck aufrecht. Das hat dazu geführt, dass manche Guerilleros und Paramilitärs ihre Gruppen zu verlassen suchen."

Die Unterstützung von Uribes Kurs ist unter den Bischöfen nicht unumstritten. Manche Oberhirten befürchten, dass die staatliche Gewalt nur weitere Gewalttaten der illegalen Banden provoziert. Aber eine einfache Gegenstrategie sehen auch sie nicht, nachdem zahlreiche Vermittlungsversuche vergeblich waren. Noch ungeklärt sei ebenso die Frage, so Kardinal Saenz, wie man die Kämpfer, wenn sie ihre Waffen abgeben, wieder in die Gesellschaft integriert. Ein drängendes Problem, nachdem vor einiger Zeit sich nach Intervention der Kirche ein Teil der Paramilitärs ergeben hat, was manche allerdings für ein Scheinmanöver halten.

Eine Generalamnestie kommt für die Kirche nicht in Frage. Aber zur gesellschaftlichen Wiedereingliederung der nicht selten selbst erpressten Parteigänger sieht die Bischofskonferenz keine Alternative. So entwickeln die Bistümer Integrationsprogramme, auch dabei über Adveniat durch die deutschen Katholiken unterstützt. Im Februar scheiterte allerdings ein erster Versuch, Täter und Opfer in einem Versöhnungsdialog miteinander ins Gespräch zu bringen. Weder Guerillas noch Paramilitärs waren der Einladung gefolgt. Doch Kardinal Saenz lässt sich nicht entmutigen. Spätestens im Jahr 2010, wenn Kolumbien 200 Jahre Unabhängigkeit feiert, so hofft der Chef der Bischofskonferenz, werde das Land seinen inneren Frieden wieder gefunden haben. Die Kirche will dazu in kleinen Schritten und mit vielen einzelnen Projekten einen Beitrag leisten.

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