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StartseiteCampus & Karriere"Kommen Sie schon wieder zu spät?"03.09.2009

"Kommen Sie schon wieder zu spät?"

Richtiges Reagieren auf Kritik aus dem Kollegenkreis

Verbale Attacken gehören oft zum Büroalltag. In einem Seminar in Köln wurden Techniken vermittelt, wie man mit Kritik, Anschuldigungen und Vorurteilen umgehen kann.

Von Britta Mersch

Ein Chef verlangt viel von seinen Mitarbeitern - Kollegen können aber auch anstrengend sein (Stock.XCHNG / Tom Denham)
Ein Chef verlangt viel von seinen Mitarbeitern - Kollegen können aber auch anstrengend sein (Stock.XCHNG / Tom Denham)

"Ich gebe Ihnen jetzt den Ball. Und Sie, ich muss mal die Flaschen, ich stelle Sie mal runter …"

Gestern Abend in einem Kölner Hotel. Zwölf Teilnehmer sind zu einem Rhetorik-Seminar gekommen. Sie alle wollen lernen, wie man mit verbalen Angriffen und Vorwürfen von Arbeitskollegen souverän umgehen kann. Die Teilnehmer arbeiten in ganz unterschiedlichen Branchen. Viele erleben zurzeit durch die Krise und durch Umstrukturierungen heikle Situationen. Durch den Druck verändert sich auch der Umgangston im Unternehmen. Und wer von Kollegen oder Kunden angegriffen wird, fühlt sich oft hilflos. Vertriebler Uwe Dietrich ist einer der wenigen Seminarteilnehmer, der sich öffentlich zum Thema äußert.

"Im Vertrieb kann es schon mal vorkommen, dass man verbal attackiert wird und wenn man dann in der Situation ist, ist es gut, wenn man so einen Anker hat, wo man gelassen reagieren kann. Das ist nicht immer der Fall."

Solche Attacken kommen im Arbeitsleben täglich vor. Die Kunst ist, sich von ihnen nicht unterkriegen zu lassen, sagt Rhetorik-Trainerin Gudrun Fey von der "Study and Train GmbH", die das Seminar durchführt und schon zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlich hat. Eine wirksame Methode wäre zum Beispiel, auf einen Angriff mit einer Gegenfrage zu reagieren:

Mann:"Dafür sind Sie gar nicht zuständig!"
Frau: "Was konkret meinen Sie?"

Eine Praxis, die viel Gelassenheit erfordert. Denn der erste Impuls ist oft, dem Gegenüber eine passende Antwort entgegenzuschleudern. Gudrun Fey hält das für keine gute Strategie:

"Es gibt eine Möglichkeit, die ist softer, und zwar ist das die Technik der Selbstbehauptung. Da schlage ich nicht zurück, sondern ich behaupte lediglich meinen Standpunkt. Beispielsweise, wenn mich jemand attackiert und sagt, das kostet doch viel zu viel, dass ich dann sage: Was konkret meinen Sie? Und damit habe ich eine Chance, dass man wieder auf der Sachebene ist, anstatt dass ich zurückschlage und sage, naja, der Vorschlag, den Sie letzte Woche gebracht haben, der war ja auch nicht gerade billig. Das wäre zurückschlagen. Und so ist Selbstbehauptung eine eigene Strategie, die man sich erwerben kann."

Gudrun Fey gibt den Teilnehmern viele Tricks mit auf den Weg: Möglich ist zum Beispiel, das Gegenüber bei unfairen Angriffen um Fairness zu bitten. Eine andere Strategie: den persönlichen Vorwurf im Raum stehen zu lassen und zurück zur Sachebene zu kommen. Oder auch mal einen Angriff ganz ins Leere laufen lassen. Bei all diesen Tipps ist die innere Haltung ganz wichtig. Gudrun Fey rät zu Gelassenheit.

"Denn wenn man sich provozieren lässt, dann zeigt man ja, dass man schwach ist, und wenn ich souverän reagiere mit: 'Das habe ich jetzt überhört' oder 'Das klären wir nach der Besprechung', dann ist das viel geschickter."

Gudrun Fey zeigt den Teilnehmern auch, wie sie ihre Verteidigungsstrategie selbstbewusst vortragen können. Mithilfe einer Papprolle schlagen sie leicht auf den Tisch, wenn sie einem Wort Nachdruck verleihen wollen. Gudrun Fey macht es vor:

"Herr Meier, ich bin enttäuscht, dass Sie meine Arbeit nicht entsprechend würdigen. Ich tue hier mein Bestes und ich habe den Eindruck, dass Sie an Kleinigkeiten herummäkeln und das ärgert mich und deshalb bitte ich Sie, dass Sie in Zukunft das sehen und mich loben, weil ich meine, dass ich sehr viel Gutes für die Firma tue."

Vier Stunden dauert das Seminar, und die Teilnehmer haben viele neue Tipps bekommen, wie sie mit verbalen Attacken umgehen können. Vertriebler Uwe Dietrich:

"Ich werde sicherlich einiges Positives mitnehmen. Diese Gelassenheit, viele Themen sind mir vorher auch schon bekannt gewesen, ich beschäftige mich mit dem Thema auch schon eine Weile. Und teilgenommen habe ich, um dieses Wissen aufzufrischen und einfach mal den Kopf freizukriegen und vier Stunden lang in so einer kompakten Form das Thema wieder aufzugreifen."

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