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StartseiteForschung aktuellInformationen im Urin11.09.2017

Kommunikation durch GeruchInformationen im Urin

Katzen können nicht nur gut sehen und hören, sondern nutzen auch täglich ihren Geruchssinn. Japanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sie anhand des Urins die Artgenossen individuell erkennen können. Dies ist vor allem bei der Jagd hilfreich.

Von Magdalena Schmude

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Eine Katze sitzt  in Jameln im Wendland auf dem zentralen Platz in dem historischen Rundlingsdorf. (picture alliance / dpa /  Philipp Schulze)
Der Gehalt des schwefelhaltigen Stoffes im Urin liefert Informationen über die Art, das Geschlecht und das Alter des Tieres, das die Duftmarke gesetzt hat (picture alliance / dpa / Philipp Schulze)
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Katzen jagen als Einzelgänger. Dabei nutzen sie immer das gleiche Revier, das sie regelmäßig an bestimmten Stellen mit Urin markieren. Der Urin enthält typische Duftstoffe, mit denen die Katzen anderen Artgenossen ihren Anspruch anzeigen. Masao Miyazaki, Tiermediziner an der Universität Iwate im japanischen Morioka, interessiert sich dafür, wie die Katzen diese Geruchs-Botschaften entschlüsseln:

"Der Urin von Katzen enthält mehrere hundert Bestandteile, von denen einige leicht flüchtig sind, und andere, die halb-flüchtig sind und längere Zeit auffindbar bleiben. Einer der leicht flüchtigen Stoffe ist eine schwefelhaltige Aminosäure, das Felinin, das im Urin geruchslos ist, aber nach dem Versprühen zu einem schwefelhaltigen Stoff abgebaut wird, der sehr streng und schwer nach Katze riecht."

Stößt eine Katze auf die Geruchsspur eines anderen Tieres, nimmt sie als erstes die leicht-flüchtigen Stoffe wahr. Denn die liefern Informationen darüber, dass tatsächlich eine andere Katze in der Nähe war, und nicht etwa eine Maus oder ein Hund die Duftmarke hinterlassen hat.

Leichtflüchtige Duftmarke hält 24 Stunden

"Der Gehalt des schwefelhaltigen Stoffes ist im Urin von männlichen Katzen viel höher als bei Weibchen. Außerdem nimmt er mit dem Alter der Tiere zu. Er liefert also Informationen über die Art, das Geschlecht und das Alter des Tieres, das die Duftmarke gesetzt hat."

Die Intensität der leicht flüchtigen Duftstoffe nimmt dabei mit der Zeit deutlich ab. Nach gut 24 Stunden sind sie ganz verschwunden. Außerdem werden die Substanzen in dieser Zeit chemisch weiter abgebaut. Frischer Urin riecht also anders als solcher, der vor einem halbe Tag versprüht wurde. Katzen nutzen diesen Zusammenhang, um zu erschnüffeln, wann eine Duftmarke in etwa gesetzt wurde. Das gibt ihnen die Möglichkeit, direkte Begegnungen zu vermeiden, denn ihre Jagdreviere können sich überlappen.

"Wenn eine Katze den Urin eines Artgenossen erkannt hat, reagiert sie mit dem sogenannten Flehmen. Das ist ein intensives Wittern, das etwas komisch aussieht, weil sie dabei den Kopf anhebt und den Mund leicht öffnet, ein ganz witziger Gesichtsausdruck. Die Katze riecht also noch einmal genauer an der Duftmarke und wir vermuten, dass sie so auch die halb- flüchtigen Komponenten wahrnimmt.

Fettsäuren genetisch abhängig

Um herauszufinden, welche Informationen die halb-flüchtigen Bestandteile übermitteln, trennten die Forscher die Duftstoffe aus dem Urin anhand ihres Siedepunktes in mehrere Fraktionen auf. Anschließend präsentierten sie Katzen die verschiedenen Fraktionen und konnten zeigen, dass diejenige das Flehmen auslöst, die bestimmte Fettsäuren enthält. Außerdem beobachteten die Forscher, dass das Flehmen nachließ, wenn eine Katze die Fettsäuren aus dem Urin desselben Tieres mehrfach präsentiert bekam. Präsentierten die Forscher anschließend die Fettsäuren aus dem Urin einer dritten Katze, begann das Flehmen erneut. Daraus schließen Masao Miyazaki und seine Kollegen, dass Katzen anhand der Fettsäuren den Urin verschiedener Artgenossen unterscheiden können.

"Jede Katze produziert ein etwas anderes Muster dieser typischen Fettsäuren. Das hängt vermutlich von den Besonderheiten ihres jeweiligen Stoffwechsels ab und ist genetisch festgelegt."

Im Gegensatz zu den leicht flüchtigen Substanzen bleiben die halbflüchtigen Fettsäuren mehr als 24 Stunden erkennbar und verändern sich in dieser Zeit nicht. Für Masao Miyazaki ein weiterer Hinweis, dass sie der individuellen Erkennung dienen.

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