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StartseiteKommentare und Themen der WocheKlebstoff statt Grundsatzdiskussion03.05.2018

Kommunion-Streit der deutschen BischöfeKlebstoff statt Grundsatzdiskussion

Jetzt, da der Streit da ist, könne es sich lohnen, ins Grundsätzliche zu gehen, kommentiert Christiane Florin die Debatte der deutschen Bischöfe um die Teilnahme von Protestanten an der Kommunion. Die Frage, die es zu beantworten gälte: Wie wichtig ist Eucharistie für das Christsein?

Von Christiane Florin

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Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier (dpa / picture alliance / Donatella Giagnori )
Deutsche Bischöfe wollen den Streit um die Teilnahme von Protestanten an der Kommunionnun bei einem klärenden Gespräch mit dem Vatikan in Rom entscheiden (dpa / picture alliance / Donatella Giagnori )
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Die katholische Kirche ist ein Provisorium. Bruchstellen werden verleimt, Risse übertüncht, so bleibt man 2.000 Jahre lang beweglich, und kann zugleich behaupten, stets standfest gewesen zu sein. In diese Tradition fügte sich die Mehrheit der deutschen Bischöfe. Sie hat beschlossen, dass es 500 Jahre nach dem Riss der Reformation wieder mal Zeit ist für eine kleine Klebeaktion. Konkret: Evangelische Ehepartner von Katholikinnen oder evangelische Ehepartnerinnen von Katholiken sollten in Einzelfällen zur Kommunion gehen dürfen. Bisher dürfen Protestanten das nicht, weil sie Abendmahl feiern und nicht Eucharistie.

Ehe in Notlage

Strittig zwischen den Konfessionen ist, ob Jesus leibhaftig oder nur symbolisch in Brot und Wein anwesend ist. Diese schon einige Jahrhunderte währende Meinungsverschiedenheit lässt sich nicht so einfach beseitigen, aber die Bischöfe wählten einen katholischen Kniff: Wenn die Ehe in eine Notlage komme, weil die Ehepartner nicht gemeinsam die Kommunion empfangen könnten, so konstruierten sie, dann sei eine Ausnahme vom Ausschluss gerechtfertigt. Dazu sollte es eine schriftliche Anleitung geben, eine sogenannte Handreichung.

Eine Minderheit der deutschen Bischöfe denkt anders. Wahrheit ist nicht Mehrheit, lautet ihr Credo. Sieben von ihnen haben einen Brief nach Rom geschrieben und die Glaubenskongregation um Klärung gebeten. Ihr Argument: Die Eucharistie sei so zentral, dass man über die Differenzen nicht hinweggehen könne. Aus ihrer Sicht sieht die Aktion der Amtsbrüder wie theologischer Sofortkleber aus. Der ist schnell zur Hand, aber diese Protestanten wird man lange nicht los.

Wider die Belanglosigkeit

Mag sein, dass die Mischung aus Sägen und Leimen noch einmal 2.000 Jahre hält. Für Deutschland legen die rückläufigen Mitgliederzahlen eine andere Prognose nahe. Bevor deutsche Bischöfe so richtig belanglos werden, probiert eine Mehrheit Heimwerkertricks aus, eine Minderheit pocht auf die Hausordnung. Wer von außen einigermaßen wohlwollend auf die Kirchen schaut, fragt sich, warum sie viel Kraft dafür verschwenden, einander entweder das richtige Katholischsein oder das richtige Kirchesein abzusprechen. Das bleibt ihr Geheimnis des Glaubens.

Wie wichtig ist die Eucharistie?

Aber jetzt, da der Streit schon mal da ist, könnte es sich lohnen, ins Grundsätzliche zu gehen: Wie wichtig ist Eucharistie fürs Christsein? Ist die Kommunion dieses hohe Wortaufkommen, diese Ordnungswut und diese Verletzungsgefahr wert? Ja, haben frühere Päpste gesagt. Kirche sei da, wo die Heilige Messe gefeiert werde. Papst Franziskus warnt vor denen, die brav ihrer Sonntagspflicht genügen, sich aber ansonsten selbst der Nächste sind. Der Fehler ist nicht, Protestanten die Kommunion zu geben. Der Fehler ist, ein Papier darüber zu schreiben.

Dr. Christiane Florin ( Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Dr. Christiane Florin ( Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Christiane Florin, Jahrgang 1968, ist Redakteurin für "Religion und Gesellschaft" beim Deutschlandfunk. Bis 2015 leitete sie die Redaktion von Christ&Welt in der Wochenzeitung "Die ZEIT". Ihre Erfahrungen als Lehrbeauftragte für Politikwissenschaft an der Universität Bonn verarbeitete sie in dem Essay "Warum unsere Studenten so angepasst sind" (Rowohlt 2014). 2017 veröffentlichte sie das Buch "Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen" (Kösel).

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