Wirtschaft am Mittag / Archiv /

 

Konjunktureinbruch stärker als erwartet

Deutschlands Schwäche belastet Wirtschaft in der Euro-Zone

Von Brigitte Scholtes

Die deutsche Konjunktur schwächelte im letzten Quartal 2012. (dpa / Becker & Bredel)
Die deutsche Konjunktur schwächelte im letzten Quartal 2012. (dpa / Becker & Bredel)

Um 0,6 Prozent ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland zum Jahresende 2012 zurückgegangen. Das war der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise Anfang 2009. Einziger Lichtblick: Die Talsohle der Konjunktur scheint durchschritten.

Zu Jahresbeginn hatte das Statistische Bundesamt den Einbruch im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal noch auf 0,5 Prozent geschätzt, nun sind es also 0,6 Prozent geworden. Am Wirtschaftswachstum im gesamten Jahr 2012 ändert das nichts. Es bleibt bei einem Anstieg um 0,7 Prozent gegenüber 2011. Stefan Schneider, Volkswirt der Deutschen Bank, warnt vor Panik mit Blick auf das Schlussquartal:

"Ein Zehntel oder selbst zwei Zehntel bei Quartalsprognosen – da muss man sagen, das ist eigentlich Rauschen, das sollte man jetzt nicht überinterpretieren".

Die Exporte waren im vierten Quartal deutlich zurückgegangen – wenn der Außenhandel auch im Gesamtjahr einen Rekord erzielt hatte. Doch die Dynamik hatte im Jahresverlauf stetig nachgelassen. Außerdem hatten die Unternehmen deutlich weniger in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen investiert. die Konsumausgaben stiegen zwar, konnten diesen Rückgang aber nicht ausgleichen. Die deutsche Wirtschaft muss nun noch etwas mehr Gas geben, wenn sie diese Delle wieder ausbügeln will. Die Statistiker sprechen von einem Unterhang, mit dem die Schwäche im vierten Quartal das laufende Jahr belastet. Da aber sollte die deutsche Wirtschaft wieder zulegen, glaubt Schneider:

"Im Gesamtjahr fühlen wir uns mit unserer Prognose von 0,3 Prozent, die eher am unteren Rand der Erwartungen ist, relativ wohl, nicht zuletzt weil aufgrund des größeren Unterhangs, mit dem wir in das Jahr starten, als das bedeutet, dass wir ein bisschen mehr Dynamik brauchen als wir bis dato unterstellt haben."

Darauf hofft auch der Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der nur eine temporäre Schwäche der deutschen Wirtschaft sieht. Darauf weisen die Frühindikatoren hin, etwa der ifo-Geschäftsklimaindex, der dreimal hintereinander gestiegen ist. Und so rechnet auch Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank, nur mit einer Delle:

"Natürlich wird es noch etwas dauern aus meiner Sicht, bis man tatsächlich eine wirkliche Beschleunigung im Wirtschaftswachstum feststellen wird. Die Aussichten haben sich aber zuletzt deutlich verbessert."

Besser als der deutschen erging es der französischen Wirtschaft: Sie schrumpfte mit einem Minus von 0.3 Prozent nur halb so stark – vielleicht auch deshalb, weil sie weniger exportorientiert ist als die deutsche. Die Wirtschaft in der Eurozone insgesamt sank wie in Deutschland um 0,6 Prozent, das war der dritte Rückgang in Folge. 2012 bleibt es aber bei einem Minus von 0,5 Prozent. Stefan Schneider von der Deutschen Bank:

"In der Euro-Zone haben wir immer noch fiskalische Konsolidierung, das Ausschwitzen der Anpassungen, sowohl bei den Staaten als auch im privaten Sektor. Von daher wird die Binnennachfrage relativ schwach bleiben. Wir sehen es an den Arbeitsmarktzahlen, die sich ja weiter verschlechtern. Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Verbesserung und dann auch Erholung im Jahresverlauf beruht zum einen darauf, dass sich die akuten Auswirkungen der Eurokrise abschwächen werden – Herrn Draghi und der EZB sei Dank – aber zum zweiten hauptsächlich auf der Weltkonjunktur, und da liegt das Augenmerk auf der USA und China."

Wenn die Impulse aus dem Ausland kommen, dann dürften auch die deutschen Unternehmen wieder Mut fassen und mehr investieren.



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wirtschaft am Mittag

Treffen der Euro-Finanzminister in RigaSchäuble und Co. mit gedämpften Erwartungen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble  (AFP / /Nicholas Kamm)

Um eine Staatspleite abzuwenden, muss die griechische Regierung bis Ende Juni eine umfassende Reformliste vorlegen. Bei ihrem informellen Treffen in Riga zeigen sich die Euro-Finanzminister diesbezüglich wenig optimistisch. Selbst die EU-Kommission, lange Fürsprecher der neuen griechischen Linksregierung, hat offenbar die Geduld verloren.

Hauptversammlung bei RWEKohleabgabe als Damokles-Schwert

Der RWE Tower in Essen. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Deutschlands Energiekonzerne kämpfen an allen Fronten: Alte Geschäftsmodelle brechen weg, die neuen bringen noch nicht genug Geld und die Politik denkt über neue Klima-Abgaben nach. Bei RWE hat das tiefe Spuren hinterlassen – viel Gesprächsstoff für die Hauptversammlung.

Mecklenburg-VorpommernGegenwind im Windstromland

Ein Windrad dreht sich in der Nähe von Schönberg (Mecklenburg-Vorpommern). (Jens Büttner, dpa)

Erst kippte ein Verwaltungsgericht die Ausweisung windparkgeeigneter Standorte in Vorpommerns Binnenland. Dann dampfte der Energieminister seinen Plan für Ostsee-Windparks ein. Zudem wächst der Widerwillen in Kommunen und bei Bürgern. Verspielt Mecklenburg-Vorpommern Chancen der größte Windstromlieferant der Bundesrepublik zu sein?