Kommentar /

 

Konjunkturlokomotive Deutschland ohne Schwung

Wirtschaft wächst nur um magere 0,3 Prozent

Von Eva Bahner, Deutschlandfunk

Die Konjunktur schwächt sich ab.
Die Konjunktur schwächt sich ab. (AP)

Sie fährt noch, die deutsche Konjunkturlokomotive, ein Grund zum Jubeln ist das nicht. Schon jetzt beträgt das Wirtschaftswachstum hierzulande nur noch magere 0,3 Prozent und die Bremskraft des Euro-Zuges ist enorm.

Die 17 Euro-Länder stecken fest in einer Rezession. Drei Quartale hintereinander kein Wachstum. Und das nicht nur in Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal, die unter einem von IWF und EU auferlegten Sparzwang leiden, der den Binnenkonsum abwürgt und die Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellen lässt. Die Krise hat längst den Kern der Währungsgemeinschaft erreicht. Selbst einstige Musterknaben wie Slowenien können sich dem Abwärtssog nicht mehr entziehen. Das europäische Schwergewicht Frankreich, Deutschlands wichtigster Handelspartner, tritt schon seit einem dreiviertel Jahr auf der Stelle.

In dieser Gesellschaft macht Deutschland natürlich eine gute Figur. Der Binnenmarkt funktioniert, dank deutlicher Lohnerhöhungen, einer moderaten Inflationsrate und niedriger Arbeitslosenzahlen. Die Konsumlaune der Bundesbürger ist nach wie vor ungebrochen - trotz der Flut schlechter Nachrichten.

Und auch auf den deutschen Exportmotor ist noch immer Verlass: Noch können Einbrüche im Geschäft mit Euro-Sorgenkindern wie Griechenland und Spanien über eine starke Nachfrage aus Asien und den USA mehr als kompensiert werden – dem derzeit günstigen Eurokurs sei dank.

Doch das Miniwachstum taugt allenfalls als Momentaufnahme, die Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft ist nicht unendlich. Und so dürfte das Aufatmen an der Börse nur von kurzer Dauer sein. Das bestätigt im Übrigen auch der ZEW-Index, der die Stimmung von Anlegern und Analysten widerspiegelt. Die sind nämlich mehr als skeptisch, was das nächste halbe Jahr angeht. Und die Skepsis ist berechtigt, wie einige Frühindikatoren nahe legen.

Die Auftragseingänge hierzulande sinken seit einem Jahr, Unternehmen üben sich in Zurückhaltung, investieren weniger in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen. Und solange die Schuldenkrise in Europa ungelöst bleibt, wird sich an dieser Zurückhaltung nichts ändern.

Dazu kommt die konjunkturelle Abkühlung in anderen Teilen der Welt, die größte Bedrohung für die Exportnation Deutschland. Brasiliens Boomzeiten sind vorbei, die USA wachsen zwar, aber aufgrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit hält sich die Konsumfreude der Amerikaner in Grenzen. Und die chinesische Wirtschaft hat deutlich an Schwung verloren, die Exporte sind jüngst überraschend stark eingebrochen.

Deutschland kann sich nicht abkoppeln von Europa und auch nicht vom Rest der Welt. Und so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die deutsche Konjunkturlokomotive zum Stehen kommt – oder gar, und das wäre auch nicht verwunderlich, wie ganz Europa den Rückwärtsgang einlegt.

Weitere Beiträge bei dradio.de:
Wirtschaft am Mittag: Deutsche Wirtschaft bleibt Konjunkturlokomotive in Europa



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kommentar

Sanktionen gegen RusslandPutin steckt in einem Dilemma

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz

Russlands Präsident Putin stecke in einem Dilemma, kommentiert Gesine Dornblüth. Sein Volk erwartet Stärke, seine Wähler werden ihm die Folgen der Sanktionen anlasten. Wären die Sanktionen früher gekommen, hätte er in der Ostukraine womöglich eingelenkt.

Nahost-KonfliktWoran Kerry hätte denken müssen

US-Außenminister John Kerry spricht mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu über ein Waffenruhe in Gaza.

Außenminister John Kerry wollte einen Waffenstillstand, und zwar schnell. Leider hat er dabei wichtige Player in der Region brüskiert, darunter Israel, kommentiert Marcus Pindur. Die Beziehung zwischen Obama und Netanjahu sei nie besonders gut gewesen, aber nun sei sie besonders schlecht.

LeichtathletikRehm fährt zu Recht nicht zur EM

Markus Rehm beim Weitsprung.

Der unterschenkelamputierte Weitspringer Markus Rehm wird trotz ausreichender Leistung nicht an der Leichtathletik-EM der Nichtbehinderten teilnehmen. Eine richtige Entscheidung, kommentiert Jonas Reese. Seine Nominierung hätte einen der Grundpfeiler des sportlichen Wettkampfs weggerissen.