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StartseiteForschung aktuellKonkrete Forderungen23.11.2007

Konkrete Forderungen

IPCC soll Politik wissenschaftlich begleiten

Klimaforschung. - In Berlin diskutierten Klimaexperten über den UN Klimabericht und seine Auswirkungen. Mit etwas zeitlicher Verzögerung zur Veröffentlichung des vierten UN-Klimareports in Valencia beschäftigen sich die Experten aus Forschung, Politik und Wirtschaft mit den Folgen des Reports. Der Wissenschaftsjournalist Volker Mrasek berichtet über die Konferenz im Gespräch mit Gerd Pasch.

IPCC-Vorsitzender Rajendra Pachauri (links) soll Politiker wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, hier bei der Vorstellung des IPCC-Berichts in Valencia, kontinuierlich beraten. (AP)
IPCC-Vorsitzender Rajendra Pachauri (links) soll Politiker wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, hier bei der Vorstellung des IPCC-Berichts in Valencia, kontinuierlich beraten. (AP)

Pasch: Herr Mrasek, was waren denn die Themen?

Mrasek: Also das war eine Konferenz, gemeinsam veranstaltet vom Bundesumweltministerium und dem European Climate Forum - das ist ein Netzwerk von Forschungsinstituten, von Firmen und Nichtregierungsorganisationen - und da hat man vor allen Dingen sich auch mit der Rolle des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen beschäftigt, der den Report dieses Jahr vorgelegt hat. Bisher hat sich die Wissenschaftlergemeinde auch immer noch mit der Frage beschäftigt, wie groß ist der Anteil des Menschen am Klimawandel und können wir wirklich definitiv sagen, ob es so ist, dass der Mensch am Klima dreht. In der Zukunft wird das wohl anders sein. Hier wurde so skizziert, dass dieser UN-Ausschuss in naher Zukunft eine andere Rolle bekommen wird, er soll stärker eine Politikbegleitung betreiben, es geht jetzt darum, konkrete Klimaschutzprojekte anzustoßen: in der ganzen Welt, in allen Ländern, in entwickelten wie in den weniger stark entwickelten und in den Schwellenländern. Und soll sich dieser Ausschuss umorientieren und eine praktische Politikbegleitung machen und dann vielleicht auch bewerten, welche Auswirkungen haben einzelne Maßnahmen. Es gibt auch einen Vorschlag von Veranstalterseite, von diesem European Climate Forum, da kam aus dem Vorstand sogar die Idee, einen zusätzlichen Ausschuss einzurichten, der auch näher an der Politik ist. Also in sechs Jahren soll ja schon wieder ein neuer Klimareport kommen und diese Stimmen sagen hier: Das dauert viel zu lange, wir müssen in die konkrete Klimaschutzarbeit reingehen, da muss auch wissenschaftliche Expertise, da muss wissenschaftliche Begleitung da sein. Das soll auch angestoßen werden. Aber das hat geteiltes Echo gefunden, manche sagen, es gibt diese Gremien eigentlich schon unter dem Dach der Klimarahmenkonvention, andere sagten, es sei keine schlechte Idee, um diesen Gedanken, den stärkeren Gedanken des Klimaschutzes stärker zu befördern.

Pasch: Bali steht ja unmittelbar bevor und die Erwartungen dort sind wohl sehr groß?

Mrasek: Die sind gerade sehr groß, nachdem der Welt-Klimareport veröffentlicht worden ist und jetzt noch einmal unterstrichen hat, wie dringend das Problem ist. Aber hier wurde doch betont, dass die Öffentlichkeit nicht so viel von dieser Konferenz erwarten soll. Also, man muss jetzt mehr Druck machen und wir brauchen auch eine Folgeabkommen für Kyoto - das Kyoto Protokoll mit den ganzen Regularien und Instrumentarien, das läuft ja 2012 aus und man muss etwas für die Zeit danach haben, inklusive der Schwellenländer. Jetzt war aber die Haltung hier unter den Wissenschaftlern, es gibt ein Zeitregiment, 2009 ist erst die so genannte deadline, dann muss man wirklich Vorschläge auf dem Tisch haben. Das heißt, das ist ein Thema für die übernächste Weltklimakonferenz, also im Jahr 2009. Man dürfe also nicht zu hohe Erwartungen haben, es wird Fortschritte geben, aber eigentlich nur weniger konkret, so dass der Laie das gar nicht so sehen kann, wenn er die Weltklimakonferenz beobachten kann. Es wird keine solchen Fortschritte geben, muss man sagen kann, jetzt ist Kyoto-II da und die Schwellenländer machen mit. Das wird noch etwas länger dauern.

Pasch: Eine Chance war sicherlich auch, nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu fahnden. Gibt es sie?

Mrasek: Ja, es waren natürlich viele Wissenschaftler aus aller Welt hier auch versammelt, Chinesen, US-Amerikaner, wer auch immer. Unter anderem auch ein Neuseeländer, das ist sogar ein anerkannter Klimaforscher, oder was heißt sogar, hier waren viele anerkannte Klimaforscher. Peter Reed heißt er, er hat ganz kurz eine sehr interessante Studie, die zurzeit in der Veröffentlichung ist, eingereicht, noch nicht veröffentlicht ist, vorgestellt. Und da kommt er zu dem Ergebnis, selbst wenn wir unsere Treibhausgasemissionen global ganz stark drosseln, werden wir es nicht schaffen eine gefährliche Klimaveränderung hinzubekommen [meint vermeiden, die Red.]. Stichwort 2-Grad-Schwelle. Wir möchten verhindern, oder die Wissenschaft möchte verhindern, dass sich das Klima nicht stärker als zwei Grad Celsius erwärmt. Und er sagt, wir haben eine neue Rechnung gemacht, das wird überhaupt nicht klappen. Sein Vorschlag: wir werden aktiv Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen müssen, indem man zum Beispiel nicht Kohlekraftwerke, die das CO2, das Kohlendioxid erst ausstoßen, sauber macht, sondern auch ein Biomassekraftwerk, was als Klima neutral gilt, wenn man diese Emissionen auch noch zurückhält, hätte man den Effekt, dass man sogar Kohlendioxid aus der Atmosphäre gewissermaßen entzieht, ohne das werde es nicht funktionieren. Und wenn das stimmt, das ist noch nicht sicher, die Studie ist erst eingereicht, dann würde das bedeuten, die Aussichten sind noch weniger rosig. Wir müssen noch mehr tun.

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