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StartseiteVerbrauchertippStrenge Datenschutzregeln beim Video-Ident-Verfahren18.05.2018

Kontoeröffnung per Videochat Strenge Datenschutzregeln beim Video-Ident-Verfahren

Ob eine Kontoeröffnung oder der Abschluss eines Mobilfunkvertrages: Kunden können sich heutzutage von zu Hause oder auch aus dem Ausland ganz einfach per Videochat legitimieren. Beim Datenschutz gibt es zwar strenge Regeln, Verbraucherschützer aber melden Bedenken an.

Von Susanne Lettenbauer

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Zwei Männer telefonieren über das Internet in einem Videochat. (imago/Jochen Tack)
Zur Sicherheit werden biometrische Daten sowie die Stimme des Kunden aufgezeichnet - und fünf Jahre aufbewahrt. (imago/Jochen Tack)
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"Herzlich willkommen zum Video-Ident. Mein Name ist Angelina Lorenz. Für die Legitimation benötigen Sie eine eingeschaltete Kamera und einen gültigen Ausweis."

Es scheppert blechern aus dem PC-Lautsprecher. Rechts oben am Bildschirm sieht man eine Frau, die einen freundlich anlächelt. Das eigene Gesicht wird in der Mitte dazugeschaltet. Ein Reisepass oder Personalausweis sollte bereit liegen:

"Bitte halten Sie Ihren Ausweis einen Moment ruhig in die Kamera. Und das gleiche mit der Rückseite. Ich prüfe Ihre Ausweisdaten anhand Ihrer Bestellung."

Ob Pre-Paid-Telefonkarten, Girokonteneröffnung oder Telefonvertrag – immer häufiger bieten Mobilfunkfirmen und Banken das sogenannte Video-Identverfahren gleich bei Vertragsabschluss an. Seit 2014 ist das Verfahren durch eine Neuauslegung des §6 des Geldwäschegesetzes durch das Bundesfinanzministerium möglich.

Verschlüsselung und Echtzeit

Musste man früher zur Bank gehen, sein Gesicht also analog zeigen, den Ausweis vorlegen und per Unterschrift seine Identität bestätigen, reicht heute ein Computer oder ein Smartphone mit Internetverbindung. Man akzeptiere die Video-Identifizierung, weil der Gesetzgeber diese Möglichkeit geschaffen hat, sagt Mario Kyriasoglou, Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BAFIN. Aber nur unter genau festgelegten Bedingungen:

"Der Chat muss in Echtzeit stattfinden, ohne Pause, muss von Ende zu Ende, das heißt auf beiden Seiten verschlüsselt sein. Natürlich muss derjenige, der die Identität überprüft, die Person mit dem Ausweisdokument vergleichen und auch wissen, welche Sicherheitsmerkmale so ein Ausweisdokument sonst noch hat und wie man diese prüft."

Hinter dem Videochat stecken heute vor allem zwei Firmen: WebID aus Berlin und IDnow aus München. Die zwei europaweit agierenden Konkurrenten unterliegen strengen Vorschriften von Seiten der BAFIN. Eine Überprüfung externer Datenquellen, wie zum Beispiel sozialer Netzwerke, ist untersagt, ebenso eine Auslagerung des Video-Identprozesses an externe Callcenter im In- oder Ausland, so der BAFIN-Sprecher:

"Das Unternehmen, das Video-Identifizierung betreiben möchte, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem müssen die Mitarbeiter besonders geschult sein auf das Video-Identifizierungsverfahren, das Ganze muss in einem abgetrennten Raum stattfinden mit Zugangskontrolle, das heißt es darf nicht jeder in diesen Raum hinein. Am Ende muss auch der ganze Videochat aufbewahrt werden, archiviert werden."

Aufzeichnung von Stimme und biometrischen Daten

Neben Personalausweis oder Reisepass werden zur Sicherheit auch die biometrischen Daten zur Gesichtserkennung sowie die Stimme des Kunden aufgezeichnet. Fünf Jahre müssen die Daten hinterher aufbewahrt werden, so der Gesetzgeber.

Eine bequeme Variante, sich zu identifizieren, findet auch Verbraucherschützerin Tatjana Halm aus München:

"Also man muss sich im Vorfeld absichern, mit wem man es zu tun hat, also wirklich überprüfen, welche Nummer, welcher Vertragspartner, vielleicht sich auch mal erkundigen in einer Filiale, wenn es sich um ein Girokonto geht, sind diese Verfahren tatsächlich bei euch angeboten. Was steckt dahinter. Oder halt eben einfach tatsächlich mal bei der Bank anrufen."

Ganz sicher kann man sich bei diesem Onlineverfahren nicht sein, ob da nicht Datenmissbrauch betrieben werden kann, so die Verbraucherschützerin. Im Zweifelsfall solle man dann doch lieber den Weg zur Bank oder das Post-Identverfahren am Post-Schalter wählen.

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