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StartseiteForschung aktuellSymbiose hilft beim Überleben24.06.2016

KorallenbleicheSymbiose hilft beim Überleben

Das Korallensterben nimmt weltweit zu. Es gibt aber auch Korallenriffe, die mit den Folgen des Klimawandels und der Erwärmung der Ozeane besser umgehen können als andere. Ein Grund dafür sind die auf ihnen lebenden Mikroorganismen, erklärte Tracy Ainsworth von der James Cook University im australischen Townsville im DLF.

Tracy Ainsworth im Gespräch mit Monika Seynsche

Das am 15. April 2002 von der NASA veröffentliche Foto zeigt die Bahamas-Inseln in der Karibik und Kuba (unten), aufgenommen am 16.3.2002 von MODIS (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer). In der Bildmitte liegt die Andros Insel umgeben vom hellblauen Wasser der Great Bahama Bank, einem Korallenriff.  (picture alliance / dpa / epa afp Nasa)
Die Tiefsee aus dem Weltraum fotografiert. (picture alliance / dpa / epa afp Nasa)
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Monika Seynsche: Je mehr Kohlendioxid der Mensch in die Atmosphäre pumpt und je stärker sich dadurch das Klima wandelt, desto wärmer werden auch die Ozeane. Und das führt zu immer stärkeren Korallenbleichen, bei denen die Korallen die mit ihnen in Symbiose lebenden Algen abstoßen und dadurch ihre Farbe und ihre Nahrungslieferanten verlieren.

Allerdings sterben bei solchen Bleichen nicht alle Korallen und das hat möglicherweise mit den Bakterien zu tun, die auf ihnen leben. Australische und amerikanische Forscher drängen nun darauf, die Rolle dieser Mikroorganismen in den Korallenriffen genauer zu untersuchen.

Ich habe die Erstautorin Tracy Ainsworth von der James Cook University im australischen Townsville gefragt, was genau sie untersucht haben.

Tracy Ainsworth Wir haben uns einige der Arbeiten angeschaut, die in der letzten Zeit zum Verständnis des Korallenmikrobioms beigetragen haben. Und wir haben unsere eigenen Arbeiten zur biologischen Vielfalt genommen. Wir wollten einige neue Fragen stellen über die Überlebenden, denn die Korallen die die heutigen Korallenbleichen überleben, sind die Basis der Riffe der Zukunft. Es ist also wirklich wichtig, dass wir die Biologie dieser Überlebenskünstler verstehen.

Seynsche: Und was unterscheidet diese Überlebenden von jenen, die nicht überleben?

Ainsworth: Das ist eine sehr gute Frage, denn an einigen Riffen gibt es natürlich Korallen, die überleben und die Umweltbedingungen und um die biologischen Aspekte zu verstehen, die diesen Arten helfen, die Korallenbleichen zu überleben, ist es extrem wichtig. Das ist genau die Richtung in die die Forschung jetzt geht, seit wir diese großen Korallenbleichen beobachten.

Ein sehr wichtiges Puzzleteil

Seynsche: Welche Rolle spielen die Mikroorganismen beim Überleben bestimmter Korallen?

Ainsworth Frühere Studien haben schon gezeigt, dass Bakterien, die mit den Korallen assoziiert sind, antibiotische und antimikrobielle Eigenschaften haben können. Außerdem können sie die Korallen mit Nährstoffen versorgen. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass verschiedene Bakterien innerhalb des Mikrobioms wichtige Rollen übernehmen.

Was wir bislang noch nicht gut verstehen ist wie diese Bakteriengesellschaften auf Ereignisse wie Korallenbleichen reagieren, die ja sehr große Veränderungen bei ihren Wirtstieren, den Korallen, auslösen. 

Korallenbleichen fördern zum Beispiel den Verlust von Nährstoffen, auf die die Korallen angewiesen sind. Und wenn wir uns Menschen anschauen, dann ist unser Mikrobiom ein sehr wichtiges Puzzleteil, dabei wie wir Nährstoffe aufnehmen und verwerten.

Ein Verlust von Nährstoffen ist also eine sehr drastische Sache. Die Rolle des Mikrobioms in diesem Prozess zu verstehen, würde uns viele Einblicke geben, um zu verstehen was wir in der Zukunft tun können um Korallenriffe sauber und naturnah zu erhalten und das Überleben der Korallen während Korallenbleichen zu unterstützen.

Eine gesunde Umwelt ist das A und O

Seynsche: Und was kann getan werden, um dieses Mikrobiom gesund zu erhalten, sodass es die Korallen unterstützen kann?

Ainsworth: Nun, ich denke es ist wahrscheinlich dasselbe wie bei jedem anderen System: Eine gesunde und saubere Umwelt zu erhalten wäre genauso zentral für die Korallenriffe wie es für uns Menschen oder jedes andere System ist. Es ist nur ein Teil des Puzzles, um das Korallensystem zu verstehen und den heutigen Status aufrecht zu erhalten.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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