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StartseiteOn StageModerne Griotmusik aus Gambia04.03.2016

Koraspielerin Sona JobartehModerne Griotmusik aus Gambia

Vermutlich wird Sona Jobarteh in die Geschichtsbücher eingehen: Sie ist die erste Frau aus einer Griotfamilie, die Kora spielt, die afrikanische Stegharfe. Bei ihrer Musik geht es um weit mehr, als nur das Instrument zu beherrschen.

Am Mikrofon: Jan Tengeler

Die Musikerin Sona Jobarteh (Saihou Kanuteh)
Die Koraspielerin Sona Jobarteh (Saihou Kanuteh)

Mit ihrem Quartett zeigt Sona Jobarteh, wie man die Griot-Tradition auch im 21. Jahrhundert lebendig halten kann. Sie klingt modern, ohne verwestlicht zu sein und ohne ihre musikalischen Wurzeln zu vergessen.

Aufnahme vom 3. Juli 2015 beim Weltmusikfestival TFF Rudolstadt

Sona Jobarteh stammt aus Gambia, einem kleinen Land südlich des Senegals. Sie ist "Griotte" und hat schon mit drei Jahren angefangen die 21-saitige Kora zu spielen.

"Die Kora hatte immer ein besonderes Gewicht, denn es war das Instrument des königlichen Hofes. Der Griot war ein Berater des Königs, er war der einzige, der den König kritisieren konnte. Er war das Sprachrohr des Machthabers und gleichzeitig die Stimme des Volkes. Eine einzigartige Mittlerposition, die Männern vorbehalten war. Es ging um Krieg und Feldzüge - der Griot war derjenige, der den Sieg eines Königs verkündet hat. "

Sonah Jobarteh hat die Jahrhunderte lange Tradition gebrochen.  Die Sängerin und Koraspielerin bewegt sich in der musikalischen Tradition ihres Landes Gambia, aber die jüngere Generation interessiere sich mehr für westliche Genres, meint sie. Es gehe heute um das Überleben dieser Musik, um die Weitergabe an die nächste Generation, und da sei es egal, ob Söhne oder Töchter die Tradition weiterführten.

"Mein Großvater, war einer der größten Koraspieler seiner Generation. Das ist eine große Bürde. Ich sollte in seine Fussstapfen treten als einzige direkte Nachfahrin. Meine Großmutter war diejenige, die mich immer aufforderte, mich zu den Alten zu setzen und zuzuhören: Man kommt zusammen, die Familie, die Nachbarn, die Musik erklingt, die Frauen fangen an zu singen, die Kinder tollen rum und spielen. Ich habe es gehasst, wenn ich nicht mit den anderen Kindern spielen durfte. Aber als ich größer wurde, habe ich gemerkt, wie wichtig der  Einfluss meiner Vorfahren war. Meine Großmutter wollte ihren Beitrag leisten, damit ich diese Tradition verstehe."

Spielte auch mit Sinfonie-Orchestern

Sona Jobarteh hat mit drei angefangen, Kora zu spielen. Später studierte sie in England Cello, Klavier und Harfe und zudem Afrikanistik. Sie hat in verschiedenen westafrikanischen Formationen gespielt, aber auch mit Sinfonie-Orchestern und Musikern aus Jazz und Pop. Seit 2008 spielt die Sängerin, Komponistin und Instrumentalistin regelmäßig mit ihrer eigenen Band. Dabei stehen die liedhaften Elemente der Griotmusik im Vordergrund, die sie mit großem Respekt und großer Vorsicht weiter entwickelt.

"Meine Aufgabe ist es, soviel wie möglich von meinem Vater zu lernen, soviel Informationen wie möglich über sein Repertoire zu erhalten. Aber gleichzeitig muss man dieses Repertoire erweitern und erneuern, man steht auch in Konkurrenz zu den Vorfahren. Man sollte anders und besser sein. Das ist eine feine Balance, die jede Griot-Familie betrifft: es geht um Bewahrung und um Innovation. Es ist sehr eigentümlich, denn eigentlich spricht man nicht darüber – aber es ist trotzdem da."

Musiker versuchen ihr Glück in Europa

Nicht nur als Musikerin, auch als Lehrerin bemüht sich Sona Jobarteh, die Tradition ihrer Vorfahren fortzuführen: jüngst hat sie in ihrer Heimat eine Musikschule gegründet. Schüler gebe es genug, vor allem weibliche. Die wenigsten allerdings seien Griots. Schwierig für den Nachwuchs in Gambia sei auch die Tatsache, dass inzwischen die besten Musiker das Land verlassen und in Europa ihr Glück versuchen. Sona Jobarteh hingegen ist in ihre Heimat zurückgekehrt und kommt nur noch für Konzertauftritte ins Ausland.

Dieses Konzert können Sie bis zum 4.9.2016 online nachhören.

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