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StartseiteKommentare und Themen der WocheKim Jong-un wird eine Gegenleistung verlangen27.04.2018

Korea-GipfelKim Jong-un wird eine Gegenleistung verlangen

Auf den ersten Blick habe der südkoreanische Präsident Moon Jae-in bei seinem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un alles erreicht, was es zu erreichen gab, meint Jürgen Hanefeld. Doch ein solcher Triumphzug sei nicht umsonst zu haben.

Von Jürgen Hanefeld

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Kim Jong-un un Moon Jae-in halten sich bei ihrem Treffen in Panmunjom an den Händen und diese in die Luft (Korea Summit Press Pool / AFP)
Kim Jong-un und Moon Jae-in bei ihrem Treffen in Panmunjom (Korea Summit Press Pool / AFP)
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Wer hätte das geahnt? Was wie ein sonniger, wohlorchestrierter Hände-Schüttel-Termin begann, endete in einem Triumphzug für Moon Jae-in. Der zurückhaltende, aber hartnäckige Präsident Südkoreas hat gegen alle Wahrscheinlichkeit so ziemlich alles durchgesetzt, was durchzusetzen war: atomwaffenfreie Halbinsel, schrittweiser Abbau von Waffen auf beiden Seiten, endlich ein Friedensvertrag anstelle des Waffenstillstands, der de facto die beiden Koreas noch immer im Kriegszustand hält. Da nehmen sich die konkreten Schritte geradezu bescheiden aus.

Mit den Familienzusammenführungen wieder zu beginnen, die Sonderwirtschaftszone Kaesong erneut ins Spiel zu bringen und schon im Mai Militärgespräche anzupeilen, das scheint vor dem Hintergrund des großen Wurfes kaum noch erwähnenswert. Aber es wird zeigen, wie ernst und ehrlich das Abkommen gemeint ist. Denn nicht nur der stets skeptische japanische Premierminister Shinzo Abe will Taten sehen statt schöner Worte. Butter bei die Fische, könnte man sagen. Denn so schön die Bilder des Tages waren, die Umarmung der Staatsmänner, das gemeinsame Bäumepflanzen und ein liebevolles Nord-Süd-Menü zum Abendessen, nach Jahrzehnten der Eiszeit wäre es fahrlässig, sich allein auf Blütenträume zu verlassen.

Welchen Wert hat das Papier?

Auch Moon muss wissen, dass so ein Triumphzug nicht umsonst zu haben ist. Welche Gegenleistung wird Nordkorea verlangen? Wie kann Kim seinem Volk erklären, dass die Anstrengungen, eine funktionsfähige Atomrakete zu bauen, nur dazu dienten, sie gleich wieder zu verschrotten? Wie nachhaltig ist die Panmunjom-Erklärung also?

Kims großes Ziel, mit dem amerikanischen Präsidenten auf Augenhöhe zu verhandeln, erreicht er nicht mit leeren Händen. Er wird also sein Atompotenzial noch eine Weile im Schrank behalten, zumindest bis das Treffen mit Trump auch für ihn einen Erfolg gebracht hat. Und bis er seinem Volk bewiesen hat, dass seine Strategie aufgegangen ist. Das würde zumindest bedeuten, dass die Sanktionen, die sein Land allmählich strangulieren, aufgehoben werden, und Nordkorea in den normalen Kreis der Völkergemeinschaft aufgenommen wird.

Präsident Moon hat zunächst einmal nur ein wunderschönes Stück Papier in der Hand. Welchen Wert es hat, wird man sehen, wenn der nächste Gipfel ansteht: in vier Wochen mit Donald Trump.

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