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StartseiteKommentare und Themen der WocheAlle Himmelsrichtungen hätten gewonnen29.04.2018

Koreanischer FriedensvertragAlle Himmelsrichtungen hätten gewonnen

Die neusten koreanischen Entwicklungen scheinen ausgesprochen vielversprechend. "Jetzt müssen nur noch alle einander vertrauen und sich den ostasiatischen Frühling nicht durch Betonköpfe zerreden lassen", kommentiert Kathrin Erdmann. Dann würden alle Seiten profitieren: Norden, Süden und sogar der Westen.

Von Kathrin Erdmann

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Das Plakat zeigt den nordkoreanischen Machthaber Kim, den südkoreanischen Präsidenten Moon und US-Präsident Trump (AP/Ahn Young-joon)
Ein Plakat in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zur Unterstützung des koreanischen Gipfeltreffens (AP/Ahn Young-joon)
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Was ist denn nur in Korea los? Will uns Kim Jong Un mit seiner Charmeoffensive einlullen, oder meint er es wirklich ernst? Staunend guckt die Welt auf das, was sich seit Freitag hier abspielt. Erst einigen sich der Norden und der Süden auf einen Friedensvertrag, dann auf eine schrittweise Denuklearisierung und nun folgen auch schon die ersten konkreten Ankündigungen: Schließung von Nordkoreas Atomanlage im Beisein von Experten und Journalistinnen und Journalisten, ein Treffen mit dem japanischen Regierungschef Abe, ein jubelnder US-Präsident Trump, der sich auf die Begegnung mit dem Diktator freut und Russland, das Korea beim Wiederaufbau unterstützen will.

Und um der Verwirrung noch eins drauf zu setzen: Verkündet wird all das nicht etwa von Kim Jong Un selbst, sondern von Sprechern des südkoreanischen Präsidenten Moon.

Eine sehr kluge Strategie ist das, die sich die beiden Staatsmänner da offenbar bei ihren ganztägigen Gesprächen an der Demarkationslinie am vergangenen Freitag ausgedacht haben – vielleicht als sie dort eine gute halbe Stunde im Park saßen, zur Ruhe kamen und ganz privat miteinander sprachen. Dabei redete zwar vor allem Kim und Moon hörte zu, vielleicht sieht er sich als eine Art Mentor des jungen Diktators, versucht ihn, auf den rechten Weg zu bringen, denn immerhin haben beide, trotz aller Unterschiede, ein gemeinsames Ziel: Beide Länder wieder anzunähern.

Türöffner und Verbindungspartner

Wenn ein Moon Jae-In dieses Ziel ausgibt, glaubt das jeder, bei Kim Jong Un aber eben nicht. Dazu gab es in der Vergangenheit zu viele Provokationen. Also nehmen beide die Sache gemeinsam in die Hand – Moon macht Kim Jong Un sehr klar, dass er liefern muss, wenn er Frieden und Wohlstand für sein Land möchte und im Amt bleiben will -  vielleicht macht er dem jungen Führer auch Mut, dass es ja gar nicht so schwer sei. Und Kim lässt sich offensichtlich darauf ein: Er überlässt es Moon, Zugeständnisse Nordkoreas zu verkünden, denn Moon gilt als vertrauenswürdiger und erfahrener Poltiker. Der wird sich schon nicht übers Ohr hauen lassen. Er öffnet die Türen für den jungen Kim und bleibt selbst als wichtiger Verbindungspartner im Gespräch. So stehen beide gut da und kommen ihrem gemeinsamen Ziel näher.

Und erste Erfolge sind tatsächlich schon sichtbar. Kim wird plötzlich schon fast als normaler Staatsmann wahrgenommen, der anderen die Hände zur Versöhnung reicht und alle schlagen ein. Und er spielt den Ball damit zu Trump. Wenn der ihn auflaufen lässt, kann Kim danach jederzeit sagen: Ich war guten Willens, aber die USA haben wieder eine Chance zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel verstreichen lassen. So wie 1994, als die US-Regierung versprach, Leichtwasserreaktoren und Rohöl zu liefern, wenn Nordkorea sein waffenfähiges Material verschrottet. Zwar haben sich beide Seiten damals nicht an den Vertrag gehalten, aber davon wäre dann sicher keine Rede mehr.

Der Zeitpunkt ist auf jeden Fall gut gewählt. Trump befindet sich schon fast wieder im Wahlkampf, er könnte mit einem erfolgreichen Treffen punkten, Moon steht kurz vor einer Ein-Jahres-Bilanz – auch er dürfte sich über gute Nachrichten freuen, denn innenpolitisch hat er in Südkorea noch nicht sehr viel bewegt - und Kim? Der will noch lange im Amt bleiben und sein Land wirtschaftlich voranbringen. Mit Hilfe von Moon kann es ihm vielleicht gelingen, dem US-Präsidenten Sicherheitsgarantien und Wirtschaftshilfe im Austausch für Abrüstung abzutrotzen. Dann hätten alle gewonnen, und die Welt wäre in kriegerischen Zeiten wie diesen ein Stück friedlicher. Jetzt müssen nur noch alle einander vertrauen und sich den ostasiatischen Frühling nicht durch Betonköpfe zerreden lassen.

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