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StartseiteVerbrauchertippTeures Sterben26.09.2017

Kosten für BestattungenTeures Sterben

Bei Ausgaben für Auto oder Handy vergleichen wir akribisch das Preisgefüge. Anders bei Beerdigungen: Viele Angehörige gehen zum nächstbesten Bestattungsinstitut - auch weil sie in dem Moment anderes im Kopf haben. Die Angebote fallen jedoch sehr unterschiedlich aus - und längst nicht alle sind seriös. Worauf es sich lohnt, zu achten.

Von Sebastian Moritz

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Ein Holzsarg in einem Auto eines Bestattungsunternehmens bei einer Beerdigung (picture alliance / zb)
Fehlendes Preisgefühl bei vielen Verbrauchern: Eichensärge sind teuer und kosten um die 1.000 Euro. Ein Kiefernsarg ist bereits für ein paar hundert Euro zu haben (picture alliance / zb)
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Wenn ein geliebter Mensch verstorben ist, hat man wirklich andere Sorgen, als die Preise verschiedener Bestatter zu vergleichen. Viele Angehörige gehen daher einfach zum Bestattungsinstitut um die Ecke - und erleben dort eine Überraschung, sagt Alexander Helbach, Sprecher von Aeternitas, einer Verbraucherinitiative für Bestattungskultur:

"Wir stellen immer wieder fest, dass Leute sich wundern, wie teuer Bestattungen im Endeffekt sind mit allem Drum und Dran, auf den ersten Blick aber denken, sie würden für wenige hundert Euro eine Bestattung in Auftrag geben können, was aber gar nicht möglich ist."

Nur alle 18 Jahre mit einer Bestattung konfrontiert

Das Problem: Den Verbrauchern fehle ein Preisgefühl. Im Schnitt haben wir nur alle 18 Jahre im engeren Familienumfeld mit einer Bestattung zu tun. Und anders als bei anderen Dienstleistungen wird hier über den Preis kaum gesprochen - ganz zu schweigen von plakativer Werbung.

Die günstigste Bestattung - anonym und auf einem Friedhof in Tschechien - kostet nach Angaben der Verbraucherschützer knapp 1.000 Euro. Eine Urnenbestattung mit einfacher Trauerfeier kostet mindestens das Doppelte. Im Internet werben einige Händler jedoch mit Angeboten für unter 500 Euro. Das seien jedoch reine Lock-Angebote, meint Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter:

"Ich nenne diese Bestatter nicht günstig, sondern billig im wahrsten Sinne des Wortes. Denn sie behaupten Stein und Bein, dass alle Kosten abgebildet seien und dass alle andere Bestattungen viel zu teuer seien und den Leuten unnötig das Geld aus der Tasche ziehen würden. Das stimmt oft nicht, denn oftmals kommen dann doch verstecke Zusatzkosten hinzu, beispielsweise eine weitere Überführung im Stadtbereich, eine Abholung im dritten oder vierten Stock, die einen zusätzlichen Träger oder eine Trägerin nötig macht."

Schon zu Lebzeiten nach transparenten Angeboten suchen

Bei einem seriösen Angebot seien die Kosten ganz genau aufgelistet. Und ein solches Angebot solle man sich nicht erst dann holen, wenn die Zeit drängt:

"Grundsätzlich ist es immer ratsam, schon zu Lebzeiten sich Gedanken über einen Bestattungsvorsorge zu machen. Das bedeutet nicht, dass man bald schon sterben möchte oder sollte, sondern, dass man sich Grundparameter ausgesucht hat – beispielsweise Erd- oder Feuerbestattung – und dann zu einem Bestatter in der Region geht und dort erfährt, ob ich mich dort aufgehoben und angenommen fühle und, ob das Angebot transparent ist."

Auf der Grundlage eines solchen Angebotes kann man dann entscheiden, was einem bei der Beerdigung wichtig ist – und überlegen, wo man sparen möchte, sagt Verbraucherschützer Alexander Helbach:

"Klassisch ist zum Beispiel der Sarg, da hat man früher viel mehr Wert drauf gelegt, der prächtige Eichensarg, der einige Tausend Euro kostet, um zu repräsentieren. Heutzutage ist durchaus anerkannt zu sagen, wir sparen beim Sarg, der wird vielleicht ohnehin verbrannt, das kann auch ein einfacher Kiefernsarg für ein paar hundert Euro sein."

Große Unterschiede für die Grabmiete in den Kommunen

Was man nicht vergessen darf, ist, dass zu den Kosten für die Bestattung immer auch noch Kosten für die Grabmiete und Grabpflege hinzukommen. Diese Kosten können regional sehr unterschiedlich sein. Immer mehr Angehörige überlegen sich daher inzwischen etwas genauer, in welcher Stadt sie ihre Verwandten bestatten. Nicht immer ist der günstigste Friedhof im Heimatort, manchmal sind die Gebühren in der Nachbarkommune deutlich geringer. Bei vielen günstigen Angeboten – Bestattungen für unter 1000 Euro – sind die Friedhofsgebühren in aller Regel übrigens überhaupt nicht aufgeführt und kommen bei der Rechnung später noch obendrauf.

Eine seriöse, provisionsfreie Vergleichsplattform für Bestattungen ist die Seite www.bestatter.de. Das ist ein Angebot des Bundesverbands Deutscher Bestatter, hier findet man in der Regel auch den Bestatter um die Ecke.

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