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StartseiteCampus & KarriereVom Studenten- zum Studierendenwerk02.09.2014

Kostspielige Namensänderung Vom Studenten- zum Studierendenwerk

Baden-Württemberg will alle Studentenwerke im Land in "Studierendenwerke" umbenennen. Diese Geste der Geschlechtergerechtigkeit wird ersten Schätzungen zufolge eine halbe Million Euro kosten – eine Summe, sagen Kritiker, das besser im Wohnheimbau oder hochwertigem Mensa-Essen angelegt wäre.

Von Thomas Wagner

Mit der neuen, geschlechtsneutralen Bezeichnung "Studierendenwerk" ist am 23.08.2014 der Eingang zum bisherigen Studentenwerk in Freiburg (Baden-Württemberg) überschrieben. (picture alliance / Rolf Haid)
Hinter der Umbenennung steckt ein gewaltiger Aufwand. Neue Briefbögen müssen gedruckt, neue Dienstsiegel in Auftrag gegeben werden - ebenso wie Schilder an Wohnheimen. (picture alliance / Rolf Haid)

Maximilian Raab von der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz versteht die Welt nicht mehr:

"Aus eigener Erfahrung schert sich eigentlich keiner, auch keine Frau darum, ob es Studentenwerk oder Studierendenwerk heißt."

Von Wegen! Manon Heger ist eine Frau - und Vorsitzende der Verfassten Studierendenschaft an der Uni Konstanz:

"Dass das in der Öffentlichkeit immer noch Studentenwerk genannt wird, ja das ist bitter. Das ärgert mich schrecklich, dass das jetzt erst kommt."

Was in Baden-Württemberg 'jetzt erst kommt', nämlich eine kleine Änderung im Hochschulgesetz, war eigentlich als eine Art Routineangelegenheit gedacht: Alle Studentenwerke sollen zukünftig Studierendenwerke heißen, um die Gleichheit der Geschlechter auch sprachlich zu unterstreichen. Das allerdings ist nicht unumstritten. Denn hinter der Umbenennung steckt ein gewaltiger Aufwand.

"Wir haben Dienstsiegel. Die müssen wir ändern. Dann geht's mit Wohnanlagen los. Da hat's Schilder, da hat's Wegweisersysteme. Das müssen wir alles anpassen",

so Helmut Bumgartl, Geschäftsführer des Studierendenwerkes "Seeezeit" Konstanz. Hinzu kommt: Briefbögen müssen neu gedruckt, Hinweisschilder zur Mensa und zur Wohnraumvermittlung neu in Auftrag gegeben werden. Erst im vergangenen Jahr hat das Konstanzer Studierendenwerk neue Wohnheime eröffnet .

"Da sind natürlich alle Schilder neu. Streng genommen müssen wir die jetzt gnadenlos austauschen. Das werden wir natürlich jetzt auch tun."

"Für mich reine Geldverschwendung"

Alleine für das zukünftige Studierendenwerk Konstanz fallen bei all dem Kosten zwischen 80.000 und 100.000 Euro an.

"Für mich reine Geldverschwendung. Man kann damit viele andere Dinge machen: Infrastruktur, die Wohnheime verbessern, neuen Wohnraum schaffen. Also es gibt diverse Möglichkeiten, das Geld sinnvoll auszugeben",

schimpft Maximilian Raab von der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz. Stefan Kühnle, studentischer Vertreter der Uni Konstanz im Studierendenwerk , hält allerdings dagegen:

"Alles in allem sehe ich nicht, dass wir auf ein paar Euro rumreiten, wo es um eine strukturelle Änderung geht, die seit Jahren überfällig ist."

Manon Heger, Vorsitzende der Studierendenschaft, sitzt daneben, nickt zustimmend.

"Natürlich weiß ich beim Studentenwerk, dass ich da als Frau mitgemeint bin. Aber natürlich gibt es da öffentliche Einrichtungen, die quasi eine Vorbildfunktion haben müssen. Und ich denke, dass diese Umbenennung einfach eine Möglichkeit ist. Und ich glaube, dass die Studierendenwerke keinen großen Nachteil davontragen werden."

Mit Ausnahme der Kosten eben, die sie für die Umbenennung stemmen müssen. Da braucht es dann Männer wie Helmut Baumgartl vom Studierendenwerk in Konstanz:

"Ich bin ein Schwabe. Die wollten schon einen Schwabe, der ein wenig auf die Kosten schaut."

Und so führt schwäbische Sparsamkeit im badischen Konstanz dazu, dass erst alle alten Briefbögen mit der alten Aufschrift "Studentenwerk" aufgebraucht werden, bis neue Briefbögen mit der neuen Aufschrift "Studierendenwerk" bestellt werden. Schilder mit neuen Aufschriften fürs Wohnheim werden nach und nach bestellt, gerne erst dann, wenn eines mal kaputt geht. "Nu net hudele" heißt die Devise - auf hochdeutsch: Gut Umbenennungs-Ding muss Weile haben. In Konstanz schätzt man den Zeitraum, bis alle Briefbögen, Siegel und Schilder auf den neuesten Stand gebracht sind, auf gut zwei Jahre. Bis dahin muss Geschäftsführer Helmut Baumgartl noch kräftig üben, dass ihm nichts falschen von den Lippen kommt:

"Sie werden mich ertappen mit dem Wort 'Studentenwerk' bis zur Verwaltungsratssitzung, die wir am 6. Oktober haben. Und ab dann werde ich mich mental auf 'Studierendenwerk' einrichten. Dann ist es durch unsere Gremien durchgelaufen. Und dann werden sie mich 'Studierendenwerk' sagen hören."

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