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StartseiteWirtschaft und GesellschaftÜbung macht den Meister28.02.2017

KrankenhausreportÜbung macht den Meister

Worin ein Krankenhaus gut ist, hängt wesentlich von der Erfahrung und Routine der behandelnden Ärzte ab. In vielen Kliniken mangelt es jedoch daran. Bei der Vorstellung seines Berichts zur Krankenhausversorgung in Berlin hat der AOK-Bundesverband daher schärfere Vorgaben für Mindestmengen in den Kliniken gefordert.

Von Volker Finthammer

Ärzte bei einer Herzoperation im Operationssaal.  (imago)
Nur wer häufig schwierige Operationen durchführt, kennt die Risiken gut. Der AOK Bundesverband fordert deswegen schärfere Vorgaben für Mindestmengen in Kliniken. (imago)
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Es bleibt wahrscheinlich immer in Widerspruch zwischen dem, was ein Krankenhaus in der Vollversorgung alles an Leistungen anbieten soll und kann und dem, worin eine Klinik tatsächlich gut ist. Das hängt jedoch wesentlich von der Erfahrung der jeweils behandelnden Ärzte ab und ob sie die notwendigen medizinischen Eingriffe in einer angemessenen Zahl durchführen, um mit allen möglichen Komplikationen während einer OP vertraut zu sein und sie zum Wohle des Patienten lösen zu können.

Diese althergebrachte Weisheit "Übung macht den Meister" stand im Mittelpunkt bei der Vorstellung des aktuellen Krankenhausreports des wissenschaftlichen Instituts der allgemeinen Ortskrankenkassen. Die fordern nämliche eine Ausweitung der Mindestmengen Regelung für bestimmte Erkrankungen, um darüber die Qualität der Versorgung der Patienten zu verbessern.

"Müssen die Geschichte vom Patienten her denken"

"Es gibt eine Evidenz für diesen Zusammenhang. Es ist müßig sich ständig zu streiten drum. Aber es gibt keine Evidenz für einen scharfen Trennwert oder Schwellenwert oberhalb dessen gute Qualität und unterhalb dessen schlechte Qualität. Das ist etwas das muss administrativ festgelegt werden und muss dann aber auch umgesetzt werden. Wir müssen die Geschichte vom Patienten her denken",

sagt Professor Hartwig Bauer der ehemalige Generalsekretär der Gesellschaft für Chirurgie um dann noch ganz nüchtern und realitätsbewusst anzufügen:

"Kein Chirurg würde für sich oder seine Angehörigen eine Klinik aufsuchen bei einem entsprechen komplexen Eingriff, wo der im Jahr zweimal gemacht wird."

In dem aktuellen Report wurde der Zusammenhang zwischen der Anzahl der Operationen pro Jahr und dem medizinischen Erfolg untersucht. Etwa bei Schilddrüsen Operationen bei der immer auch die Gefahr einer Schädigung der Stimmbänder besteht.  In diesem Fall belegt die Studie, dass rund ein Fünftel der Patienten, die in Häusern mit geringen Fallzahlen behandelt wurden ein doppelt so hohes Risiko für eine dauerhafte Stimmbandlähmung haben, als jenes Fünftel, das in Kliniken mit den häufigsten Schilddrüsenoperationen behandelt wurde.

Bei Hüftgelenkoperationen und Eingriffen in die Bauchspeicheldrüse kommt die Studie zu ähnlichen Ergebnissen. Bislang gibt es in Deutschland nur sieben Eingriffsarten für die sogenannte Mindestmengen Regelungen bestehen, wonach den Eingriff nur tätigen kann, wer mindestens eine bestimmte Anzahl an Operationen in diesem Bereich pro Jahr durchführt. Darunter Nierentransplantationen, Knie-OPs sowie die Versorgung von Frühchen.

Sterblichkeit um 50 Prozent senken

Die AOK möchte diese Mindestmengenregelungen um vier weitere Behandlungen und da konkret bei Hüftoperationen, Schilddrüsenoperationen, Brustkrebs sowie der Geburtshilfe erweitern, um die Versorgungslage zu verbessern. Außerdem sollten die bisherigen Ausnahmeregelungen für einzelne Krankenhäuser in der Grundversorgung beschnitten werden.

"Unser Vorschlag ist, dass die Länder hier mehr konsequent sein müssen dass wir eine Ausnahmeregelung von 10 Prozent akzeptieren. Wenn wir nur 10 Prozent akzeptieren und wenn wir nur Prozent Ausnahmen zuließen, würden wir wahrscheinlich den gleichen Effekt haben wie in Holland, nämlich die Sterblichkeit um 50 Prozent senken  und ich finde, das muss uns die Patientensicherheit und die Versorgung unbedingt wert sein", sagt Martin Litsch der Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes.

Den Patienten bleibt bislang nur der Krankenhausnavigator, über den Online die nächstgelegene tatsächliche Fachklinik für bevorstehende Behandlungen abgerufen werden kann, damit sie an die wirklich kompetenten Fachärzte gelangen.

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