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StartseiteVerbrauchertippWelche Rechte haben Kassenpatienten?15.09.2017

KrankenversicherungWelche Rechte haben Kassenpatienten?

Gesetzlich Versicherte haben oft nicht nur längere Wartezeiten als Private, sondern teilweise sogar Probleme, überhaupt einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Der 2016 eingeführte "Facharzt-Termin-Service" soll helfen - doch viele Kassenpatienten fühlen sich noch immer benachteiligt.

Von Ursula Reinsch

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Eine Sprechstundenhilfe ruft einen Patienten aus dem Wartezimmer auf. (imago / Jochen Tack)
Warten - das müssen beim Arzt vor allem gesetzlich versicherte Patienten (imago / Jochen Tack)
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Fragt man Kassenpatienten, ob sie länger auf einen Termin beim Arzt warten müssen als privat Versicherte, dann fällt die Antwort meist eindeutig aus.

"Ja, hab ich Unterschiede kennengelernt."

"Sagen wir mal: Die werden etwas bevorzugt, aber schlechter behandelt? Kommt auf den Arzt an."

"Beim Augenarzt, da hab ich jetzt erst nach fünf Monaten einen Termin gekriegt."

"Bin gelernte Arzthelferin, und da hab ich schon den Unterschied gemerkt. Private Patienten kamen in einen ganz anderen Raum, und die gesetzlichen, die mussten ein bisschen länger warten, weil Krankenkassen von den Privatpatienten ja mehr bezahlen als die Gesetzlichen."

Versorgung muss sichergestellt sein

Dass Privatpatienten schneller einen Termin beim Haus- oder Facharzt bekommen - das ist ein offenes Geheimnis. Wer in Ostwestfalen-Lippe als Kassenpatient einen Termin bei einem Facharzt haben will, muss 61 Tage lang warten, 43 Tage länger als ein privat Versicherter. Das zumindest geht aus Testanrufen in landesweit 405 Facharztpraxen im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion hervor.

Dabei dürfte diese Ungerechtigkeit nicht sein, sagt Regina Behrendt, Gesundheitsexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Schließlich haben die Kassenärztlichen Vereinigungen "einen Sicherstellungsauftrag, das heißt: Sie müssen gewährleisten, dass es genügend Ärzte gibt, die die Versorgung auch sicherstellen".

Missstand "Komfortsprechstunde"

Vertragsärzte müssen laut berufsrechtlichen Bestimmungen gesetzlich Versicherte allerdings wöchentlich tatsächlich nur 20 Stunden behandeln. Deshalb ist es nicht grundsätzlich verboten, wenn Sprechstundehilfen Patienten vor der Terminvergabe nach ihrer Versicherung fragen und gesetzlich Versicherte dann lange warten müssen oder gar keinen Termin bekommen. Das ist eine Ungerechtigkeit, die es zwar eigentlich nicht geben sollte, die es aber gibt. Und es geht noch dreister.

"Ein besonderer Missstand, den wir beobachten ist die sogenannte Komfortsprechstunde. Das heißt, es kommt vor, dass Arztpraxen eine Privatstunde anbieten, die gesetzlich Versicherte aus eigener Tasche bezahlen müssen. Das ist zwar nicht verboten, allerdings wenn in einer solchen Privatstunde dann Leistungen angeboten werden, die normalerweise Kassenleistung sind, wie beispielsweise beim Augenarzt eine Bestimmung der Sehstärke, mit dem Hinweis darauf, dass dann die Wartezeiten möglichst kurz gehalten sind, das ist nicht statthaft. Weil das ist eine vertragsärztliche Leistung, und die muss auch in einer entsprechenden Zeit möglich sein."

Im Zweifel: genau nachfragen

Patienten, die aus der Not heraus solch eine kassenärztliche Leistung aus eigener Tasche bezahlen, bekommen diese Kosten keinesfalls von ihrer Krankenkasse erstattet - auch nicht anteilig - wenn sie später nachfragen. Doch wie kann man sich gegen wahrgenommene Benachteiligungen wehren?

Fragen, fragen, fragen: Wenn ich nicht weiß, ob die Krankenkasse eine Leistung, die mir der Arzt vorschlägt, bezahlt, frage ich dort vor der Behandlung nach. Vermutet ich, dass ein Arzt sich "falsch verhält", ist das Sache der Standesrechtlichen Vertretungen der Ärzte, also der Kassenärztlichen Vereinigungen. Und wenn ich überhaupt nicht mehr durchblicke, dann helfen gegen geringe Gebühren die Verbraucherzentralen oder die Unabhängige Patientenberatung.

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