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StartseiteForschung aktuellKrebs durch zu wenig Schlaf24.06.2013

Krebs durch zu wenig Schlaf

Lichtverschmutzung kann sich negativ auf den Körper auswirken

Wie Studien gezeigt haben, braucht der Mensch durchschnittlich sieben bis acht Stunden Schlaf. Wer kürzer ruht, erhöht das Risiko einer Krebserkrankung. Erst jetzt beginnen Wissenschaftler zu verstehen, dass in diesem Zusammenhang auch Kunstlicht Krebs begünstigen kann.

Von Franziska Badenschier

Immer mehr Kunstlicht verdrängt die natürliche Dunkelheit.   (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Immer mehr Kunstlicht verdrängt die natürliche Dunkelheit. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

"Ich schlafe fast ohne Vorhänge, was nicht ganz einfach ist, weil ich einen Flughafen neben meiner Wohnung habe und das sehr hell ist. Und das merke ich auch."

Annette Krop-Benesch organisiert das deutschlandweite Forschungsprojekt "Verlust der Nacht". Und als Chronobiologin erforscht sie, wie Lichtverschmutzung die biologische Uhr verstellt. Lichtverschmutzung bedeutet: Künstliches Licht verschmutzt das natürliche Licht beziehungsweise die natürliche Dunkelheit.

Natürlich könnte Krop-Benesch einfach dunkle Vorhänge zuziehen oder Rollläden herunterlassen. Aber das wäre genauso ungesund wie das Flughafenlicht in ihrem Schlafzimmer:

"Wir wissen auch, das eigentlich Menschen, die nicht in komplett dunklen Räumen schlafen, sondern in Räumen, in denen sie die Dämmerung mitbekommen, auch wenn sie nicht direkt darauf reagieren, sanfter aufwachen, besser aufwachen, als Menschen, die vom Wecker im Stockdunklem aus dem Schlaf gerissen werden."

Der Sonnenaufgang gibt der inneren Uhr das Signal, dass ein neuer Tag beginnt und sie sich auf Null stellen soll. Das Licht trifft auf Rezeptoren in den Augen. Dann wird dem Gehirn gemeldet, dass es hell ist. Daraufhin wird weniger Melatonin im Gehirn produziert. Melatonin ist eher unter dem Namen "Schlafhormon" bekannt: Es macht müde und sorgt dafür, dass der Körper sich ausruhen kann. Bis zum Morgengrauen. Eigentlich.

"Wenn unser Körper aber nicht mehr unterscheiden kann zwischen nächtlicher Beleuchtung und dem Sonnenlicht, dann weiß er überhaupt nicht mehr, wann er seine Uhr auf Null zurückstellen muss. Dann läuft dieser innere Rhythmus alleine weiter und wir entfernen uns eigentlich von einem normalen Tag-Nacht-Rhythmus. Und das kann unser Körper auf die Dauer nicht verkraften."

Solche Belastungen können zu Schlafstörungen führen, zu Diabetes, zu Übergewicht – und auch zu Krebs. Das haben mittlerweile verschiedene Studien gezeigt. Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie aus Schweden ergab zum Beispiel: Von 1000 Frauen, die nur tagsüber arbeiteten, erkrankten innerhalb von zwölf Jahren rund zwölf Frauen an Brustkrebs; von 1000 Frauen, die auch Nachtschichten hatten, bekamen rund 20 Brustkrebs.

Unklar bleibt bei solchen Studien allerdings, inwiefern das künstliche Licht direkt die innere Uhr aus dem Takt bringt und krank macht – und inwiefern das künstliche Licht nur indirekt schuld ist, weil es die Nachtarbeit eben erst ermöglicht hat und die Arbeit zur Unzeit den Körper belastet.

Es gibt noch eine andere Theorie, warum Lichtverschmutzung Krebs zur Folge haben kann, sagt Krop-Benesch:

"Melatonin ist ein Anti-Oxidant, das heißt: Melatonin bekämpft aktiv Krebszellen. Und es wird vermutet, dass – wenn wir zu viel Licht bekommen –, einfach nicht genügend Melatonin im Körper ist, um die Krebszellen, die einfach ganz natürlich entstehen – das ist ein Teil des täglichen Lebens –, die abzubauen, wie es normalerweise in unserem Körper jede Nacht passiert."

Soweit der mögliche Zusammenhang zwischen Lichtverschmutzung und Krebs. Was aber nach wie vor nicht erforscht ist: Wie teuer kommen uns die Gesundheitsprobleme durch Lichtverschmutzung zu stehen? Bei der Konferenz "Die helle Seite der Nacht" wurde gerade darüber diskutiert, wie teuer Lichtverschmutzung ist. Der Fokus lag jedoch vor allem darauf, was die Stadtbeleuchtung kostet und was der Anblick des Sternenhimmels wert ist. Die Gesundheitsökonomie sei hier noch schwer zu fassen, sagt der Organisator der Konferenz, Dietrich Henckel von der Technischen Universität Berlin.

"Einerseits wird das Versicherungssystem belastet, es sind Leute mehr krank. Die Versicherungsgemeinschaft muss dadurch für die Wiederherstellung oder die Behandlungskosten aufkommen. Also es werden mehr Gesundheitsausgaben fällig."

Andererseits müsse man beziffern, wie Lichtverschmutzung und Nachtarbeit jeden privat schädigt.

"Das heißt natürlich, ihr Lebensgefühl, ihr Glück, ihre Chancen im Leben, werden dadurch persönlich beeinträchtigt. Das ist natürlich ganz, ganz schwer zu bewerten."

Links bei dradio.de:

"Hintergrund" zum Thema Lichtverschmutzung


Links ins Netz:

Projekt "Verlust der Nacht"

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