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StartseiteForschung aktuellDen Wachhund des Körpers wecken09.04.2014

KrebstherapieDen Wachhund des Körpers wecken

Forscher aus Oxford haben einen neuen Ansatz für die Immuntherapie bei Hautkrebs vorgestellt. Dabei aktivieren sie das Immunsystem des menschlichen Körpers so gezielt, dass es seine Abwehr nur gegen den Krebs, nicht aber gegen gesundes Gewebe richtet. Erste Ergebnisse aus klinischen Versuchen an Patienten mit schwarzem Hautkrebs zeigen: Das Prinzip zumindest funktioniert.

Von Katrin Zöfel

Ein Boxhandschuh wehrt den Angriff eines Virus ab. (picture-alliance / dpa-ZB / Hans Wiedl)
Das Immunsystem soll auch Krebsherde bekämpfen (picture-alliance / dpa-ZB / Hans Wiedl)

Ein malignes Melanom ist ein äußerst bösartiger Tumor, entstanden aus den Pigmentzellen der Haut, den Melanozyten. In Deutschland kommen auf 100.000 Einwohner pro Jahr 17 bis 18 Neuerkrankungen. Gute Heilungschancen gibt es für Patienten bisher nur, wenn der Tumor früh erkannt wird, sagt Mark Middleton, Professor für Krebsmedizin an der Universität Oxford in Großbritannien:

"In vielen Fällen kann dann operiert werden, das ist immer noch die wichtigste Therapiemethode. Der Tumor wird einfach herausgeschnitten. Das ist bei etwa fünf von sechs Patienten so. Aber wenn das nicht funktioniert, und der Tumor sich schon im Körper gestreut hat, wird es sehr schwierig. Wir versuchen dann mit allen Mitteln, den Tumor zum Schrumpfen und Verschwinden zu bringen."

Chemotherapie wirkt dabei nur mäßig und wird deshalb immer seltener eingesetzt. Vielversprechender sind neue Ansätze der Immuntherapie und außerdem die sogenannte gezielte Therapie.

"Bei der gezielten Therapie nutzt man genetische Veränderungen aus, die nur in Hautkrebszellen vorkommen. Eine dieser Mutationen tritt bei vier von zehn Melanomen auf und sorgt für gesteigertes Zellwachstum. Da können wir mit Medikamenten eingreifen. Aber leider wird der Tumor meist innerhalb von ein paar Monaten dagegen resistent. Dann stehen wir wieder ganz am Anfang."

Den Tumor in die Zange nehmen

Es bleiben also trotz aller Therapiefortschritte immer noch viele Patienten, für die es wenig Hoffnung auf Heilung gibt. Mark Middleton und seine Kollegen haben deshalb eine neue Variante der Immuntherapie entwickelt. Ihr Medikament ist aus zwei Teilen aufgebaut. Teil eins ist ein Molekül, das Hautkrebszellen an bestimmten Oberflächenstrukturen erkennt, fest an sie bindet und so quasi kennzeichnet. Teil zwei bindet an bestimmte T-Zellen des Immunsystems und aktiviert diese. Die aktivierten T-Zellen binden dann an die gekennzeichneten Hautkrebszellen und zerstören sie.

"Jede T-Zelle kann dabei jeweils viele Hautkrebszellen zerstören. Und wenn dieser Prozess erst einmal in Gang gekommen ist, werden ganz automatisch noch weitere Zellen des Immunsystems aktiviert."

An diesem Punkt könnte man die neue Therapie mit anderen Immuntherapien kombinieren, die schon auf dem Markt sind und das Immunsystem zusätzlich anregen können. Diese Kombination auszutesten, das steht für die Zukunft auf dem Plan des Onkologen.

Um sicher zu sagen, wie wirksam die neue Therapie in der Praxis sein wird, sei es noch zu früh. Doch die ersten Ergebnisse zeigen, dass das Prinzip funktioniert, sagt der US-Krebsforscher Louis Weiner vom Lombardi Cancer Center in Georgetown:

"In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass man das Immunsystem dazu bringen kann, einen Krebsherd zu bekämpfen. Dabei gibt es aber immer zwei große Schwierigkeiten. Erstens: Die Immunreaktion, die wir auslösen, kann aus dem Ruder laufen, weil wir sie nicht genau steuern können. Zweitens: Die Mechanismen, mit denen manche Tumoren das Immunsystem unterdrücken, sind kaum zu überwinden. Beides scheint bei diesem Ansatz zu klappen: Die Immunreaktion ist ziemlich gut gesteuert, die Nebenwirkungen sind daher beherrschbar, und die Aktivierung des Immunsystems funktioniert auch gut. Dieser neue Ansatz füllt also eine Lücke in unserem Immuntherapie-Werkzeugkasten."

Das Medikament aus Oxford ist wie ein Bausatz aufgebaut. Das heißt, der Baustein, der für Hautkrebs spezifisch ist, kann im Prinzip gegen einen anderen ausgetauscht werden. So könnte die Therapie an andere Krebsarten oder auch bestimmte Infektionskrankheiten angepasst werden.

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