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StartseiteKommentare und Themen der WocheMilitärschläge sind noch keine Strategie14.04.2018

Krieg in SyrienMilitärschläge sind noch keine Strategie

Es gebe keine Alternative zu diplomatischen Verhandlungen, um diesen Krieg zu beenden, kommentiert Martin Ganslmeier im Hinblick auf Syrien. Militärschläge allein seien nie eine Lösung. Dies sollten auch Donald Trump und Wladimir Putin begreifen - und den Genfer Friedensprozess wiederbeleben.

Von Martin Ganslmeier

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Ein syrischer Soldat filmt das zerstörte Forschungszentrum in Barzeh bei Damaskus nach dem Raketenangriff von USA, Großbritannien und Frankreich. (dpa-Bildfunk / AP / Hassan Ammar)
105 Marschflugkörper wurden auf Syrien abgeschossen, die USA, Frankreich und Großbritannien waren beteiligt (dpa-Bildfunk / AP / Hassan Ammar)

Seit Tagen war klar, dass die erneute Giftgasattacke des syrischen Regimes nicht unbeantwortet bleiben konnte. Den Einsatz von Giftgas darf die Staatengemeinschaft nicht tatenlos hinnehmen. Deshalb waren die gemeinsamen Militärschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens "richtig und angemessen", zumal sie sich zielgerichtet gegen die Chemiewaffenanlagen des syrischen Regimes richteten und die Gefahren für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich hielten.

Militäraktion fiel begrenzter aus

Es war ebenfalls klar, dass es diesmal nicht bei einem bloßen Warnsignal wie vor einem Jahr bleiben konnte. 105 Marschflugkörper wurden abgeschossen, doppelt so viele wie vor einem Jahr. Und diesmal waren es nicht nur die Amerikaner, sondern auch Frankreich und Großbritannien waren beteiligt. Dennoch fiel die Militäraktion deutlich begrenzter aus als von US-Präsident Trump zunächst gewünscht. Dafür muss man US-Verteidigungsminister James Mattis dankbar sein. Mattis war vor allem wichtig, dass weder russische noch iranische Einrichtungen oder Soldaten getroffen wurden. Dies hätte schnell zu einem Flächenbrand führen können.

Mattis ist eine der wenigen verbleibenden Stimmen der Vernunft in der US-Regierung, auf die Donald Trump noch hört. Möge er uns noch lange als Verteidigungsminister erhalten bleiben!

Friedensprozess wiederbeleben

Mattis ist es auch, der seit Tagen betont, dass diese Militärschläge allein nichts an der aussichtslosen Situation in Syrien ändern werden. Während Trump noch vor zwei Wochen die US-Soldaten in Syrien komplett abziehen wollte, will Mattis den Genfer Friedensprozess der Vereinten Nationen wiederbeleben.

Keine Alternative zu diplomatischen Verhandlungen

Wenn Donald Trump heute Morgen twittert: "Mission Accomplished!" – "Mission erfüllt!" weckt er damit nicht nur ungute Erinnerungen an den fatalen Irak-Krieg von George W. Bush. Er zeigt damit auch, dass ihn das Schicksal Syriens und seiner leidgeplagten Zivilbevölkerung nicht wirklich interessiert. Noch vor zwei Wochen kündigte Trump an, alle 2.000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Trump sucht den schnellen Erfolg von Militärschlägen, aber er hat keine Strategie, wie dieser fürchterliche Krieg beendet werden kann.

Militärschläge allein sind nie eine Lösung. Wenn sie dennoch über den Abschreckungseffekt hinaus etwas Gutes bewirken sollten: dann vielleicht dies: dass jetzt hoffentlich allen beteiligten Ländern klar geworden ist, wie schnell dieser Krieg in einen Flächenbrand eskalieren kann. Es gibt keine Alternative zu diplomatischen Verhandlungen, um diesen Krieg zu beenden. James Mattis weiß das, die Europäer wissen das. Hoffentlich kapieren es auch Donald Trump und Wladimir Putin. Der Genfer Friedensprozess muss dringend wieder belebt werden. Und hier können die Europäer und vor allem Deutschland eine wichtige Rolle spielen.

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