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StartseiteSport am WochenendeJugoslawien als Vorbild?23.08.2014

Krim-AnnexionJugoslawien als Vorbild?

Drei Vereine von der Halbinsel Krim treten gegen den Willen des ukrainischen Fußball-Verbands in der russischen Liga an. Die UEFA will die Ergebnisse der Vereine nicht anerkennen. Dazu ein Kommentar.

Von Matthias Friebe

Ein russischer Panzer (hier auf der Krim) - die Ukraine bezichtigt Russland mehrer Grenzverletzungen. (afp / Olga Maltseva)
Ein russischer Panzer auf der Krim (afp / Olga Maltseva)

Die Ergebnisse nicht anzuerkennen, ist ein erster Schritt, ein richtiges Zeichen, aber auch nicht mehr. Sicher können die Fußball-Verbände kontinental wie global nicht direkt ins politische Geschehen eingreifen. Doch, wenn sich die Verhältnisse in der Krim-Krise nicht ändern, müssen weitere sportliche Konsequenzen folgen. Drei Vereine gegen den Willen des ukrainischen Verbands nun in der russischen Liga antreten zu lassen, ist ein unhaltbarer Zustand.

Doch wie könnten weitere Schritte aussehen? Die drei Vereine von allen internationalen Spielen ausschließen, vielleicht sogar russische Vereine insgesamt sanktionieren?

Ein Blick in die Geschichte. Anfang der 1990er Jahre tobt der Bürgerkrieg in Jugoslawien. Die Mannschaft, zu dem Zeitpunkt eine der besten in Europa, qualifiziert sich für die Europameisterschaft in Schweden. Immer wieder wurde über eine Teilnahme diskutiert. Der Europäische Fußball-Verband hält sich lange bedeckt. Man müsse eine Entscheidung der FIFA abwarten, doch die wurde erst nach dem Endspiel erwartet.

Neues Futter für WM-Boykottaufrufe

Und dann ging alles ganz schnell. Resolution 757 im UN-Sicherheitsrat hatte harte Sanktionen gegen Jugoslawien zur Folge. Dazu zählte auch die Einschränkung des sportlichen Austausches. Auf Grundlage dieser Resolution war eine Teilnahme an der Europameisterschaft nicht mehr möglich. Der Ausschluss der jugoslawischen Mannschaft wenige Tage vor dem Turnierstart. Statt Jugoslawien nahm Dänemark mit den bekannten Auswirkungen teil: Vom Urlaub direkt zum EM-Titel.

Sepp Blatter, damals Generalsekretär der FIFA sagte, man müsse die Suspendierung Jugoslawiens so lange aufrechterhalten, wie die UN-Sanktionen Gültigkeit hätten.  Aus sportlicher Sicht sei es nicht leicht gewesen, Jugoslawien auszuschließen, so der heutige Präsident des Weltfußballverbands, doch der Sport müsse sich nun einmal den Entscheidungen der Politik beugen.

Wenn UEFA und FIFA immer noch dieser Linie treu bleiben, dann könnten die in den letzten Wochen immer wieder geäußerten Boykottaufrufe gegen die nächste WM in Russland neues Futter bekommen. Vielleicht wird eine Aberkennung der Weltmeisterschaft 2018 irgendwann sogar Thema der politischen Debatten um Sanktionen gegen Russland in der Krim-Krise. Für Russland stünde damit jedenfalls viel auf dem Spiel.

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