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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWie alles begann20.03.2017

Krisenbank HRE und der CrashWie alles begann

Die Folgen der letzten weltweiten Finanzkrise sind noch immer nicht überwunden. Warum der teuerste Schadensfall für Deutschlands Steuerzahler die Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) war.

Von Michael Braun

Die Zentrale der Hypo Real Estate (HRE) in Unterschleißheim bei München (Oberbayern) am 25.03.2010.  (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)
Hypo Real Estate (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)

Die Folgen der letzten weltweiten Finanzkrise sind noch  immer nicht überwunden. warum der teuerste Schadensfall für Deutschands Steuerzahler war die Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate war 

Tatort waren die Labors internationaler Investmentbanken, Tatmotiv die Gier der dort arbeitenden, also: spekulierenden Geldingenieure. Und ihre konkrete Tat war, Wertpapiere, gute und schlechte, so miteinander in neue Wertpapiere zu verpacken, dass niemand mehr den Durchblick hatte, niemand mehr die Risiken abschätzen konnte. Lange brachten sie gute Rendite. Deshalb hatten auch Banken, in Deutschland vielfach die Landesbanken, flüssige Gelder darin geparkt.

Als die Illusion platzte

Die Papiere setzten drauf, die Immobilienpreise in Amerika würden immerfort steigen, sodass man auch Menschen ohne Eigenkapital und mit nur niedrigem Einkommen hohe Kredite geben könne. Als diese Illusion platzte, als die minderwertigen Immobilienkredite, die Subprime-Kredite platzten, platzte auch die Existenz mancher Banken. Die erste in Deutschland war die Düsseldorfer IKB. Damit sie nicht eiligst Mittelstandskredite kündigen musste, sprangen Staat und staatliche KfW der IKB bei. Der damalige Wirtschaftsminister Michael Glos rechtfertigte das Engagement so:

"Wir haben mit der Zurverfügungstellung weiteren Geldes dazu geholfen, dass es nicht zu einer Insolvenz einer deutschen Bank gekommen ist. Das hätte verheerende Wirkungen gehabt für den deutschen und europäischen Kapitalmarkt."

Der Bund bürgte für die HRE mit 124 Milliarden Euro

Der Ex-Vorstandsvorsitzende des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate Georg Funke sitzt am Dienstag (27.05.2008) in München (Oberbayern) zu Beginn der Hauptversammlung auf seinem Platz. (dpa / picture-alliance / Tobias Hase)Nun vor Gericht, Der Ex-HRE-Vorstandschef Georg Funke, hier 2008 (dpa / picture-alliance / Tobias Hase)

Schnell stellte sich heraus: Mit der Rettung der IKB war es nicht getan. Neben einigen Landesbanken schwankte die Commerzbank. Zweistellige Milliardensummen wurden hier wie dort aus öffentlicher Hand ausgereicht, um die Banklandschaft zu stabilisieren. Größter Brocken im Rettungsfieber war Hypo Real Estate, die HRE. Sie wurde mit direkten Kapitalspritzen von 9,8 Milliarden Euro gestützt. Vor allem übernahm der Bund im September 2010 Bürgschaften für die HRE in Höhe von 124 Milliarden Euro. Denn die HRE war einer der größten Emittenten von Pfandbriefen, also mit Immobilien besicherten Anleihen.

Steinbrück: "Die Einlagen sind sicher"

Hätte die HRE diese Anleihen nicht mehr bedienen können oder gar ausfallen lassen müssen, wären andere Banken, Versicherungen und Pensionskassen mit in die Pleite gerissen worden. Ein Finanzdomino mit dramatischen Folgen wäre da Ergebnis gewesen. Im Herbst 2008 musste gar die Bundeskanzlerin vor die Berliner Presse gehen und gemeinsam mit ihrem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück verkünden: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein."

Der Fehler der HRE: Sie hatte Mitte 2007, als die Krise schon offenbar wurde, die deutschstämmige Depfa-Bank gekauft. Die hatte ihren Sitz nach Irland verlagert, weil dort die Bankenaufsicht lascher war. Spezialität der Depfa war, Kredite langfristig teuer zu vergeben und sie mit billigem kurzfristigem Geld zu refinanzieren. Sie war also auf beständige Zufuhr frischer Mittel über den Bankenmarkt angewiesen. Im Zuge der amerikanischen Subprime-Krise gelang das immer weniger. Nachdem die amerikanische Lehman Bank im Herbst 2008 Insolvenz angemeldet hatte, gar nicht mehr.

Es kommen Erinnerungen an den Tipp eines Gesprächspartners aus einer Pensionskasse hoch, sich doch einen Lebensmittelvorrat anzulegen, mindestens für den Fall, dass eine für das Wochenende geplante Bankenrettung nicht klappe. Es ist kaum zehn Jahre her.

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