Dienstag, 19.06.2018
 
Seit 22:05 Uhr Musikszene
StartseiteUmwelt und VerbraucherDeutsche Umwelthilfe: Vernichtung von Retouren gesetzeswidrig14.06.2018

Kritik an AmazonDeutsche Umwelthilfe: Vernichtung von Retouren gesetzeswidrig

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe hat den Versandriesen Amazon im Dlf dafür kritisiert, dass er neue Waren, die von Kunden zurückgeschickt werden, entsorge. Das wäre gesetzlich verboten. Außerdem sei problematisch, dass Amazon keine Rücknahmemöglichkeiten für Elektroschrott anbiete, so Sommer.

Philipp Sommer im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Paketbote übergibt zwei Amazon-Pakete. (imago/STPP)
Retouren von Amazon landen oft im Müll - auch wenn es neuwertige Produkte sind (imago/STPP)
Mehr zum Thema

Reaktion auf Nutzer-Beschwerden Amazon will lachende Alexa bändigen

E-Commerce-Experte Graf: "Mit bestehenden Gesetzen können Amazon und Co. nur schwer reguliert werden"

Kritik an Arbeitsbedingungen Ermunterung zum Streik bei Amazon

Susanne Kuhlmann: Philipp Sommer ist bei der Deutschen Umwelthilfe für Kreislaufwirtschaft zuständig. Ich fragte ihn vor der Sendung, wie er die Vorwürfe beurteilt.

Philipp Sommer: Neue Produkte oder neuwertige Produkte, zum Beispiel Retouren, die vielleicht an der Verpackung minimale Schäden haben, so etwas in die Müllpresse zu werfen, das ist wirklich kaum zu überbieten, aus sozialen Gründen und für die Umwelt natürlich. Und es ist am Ende natürlich auch gesetzeswidrig, denn im Kreislaufwirtschaftsgesetz und auch im Elektrogerätegesetz ist das eigentlich verboten.

Kuhlmann: Stichwort Elektrogeräte. Die sind ein Grund, weswegen Sie Amazon bereits schon seit längerer Zeit kritisieren.

Sommer: Zum Beispiel kritisieren wir, dass Amazon immer noch kaum gute Rücknahmemöglichkeiten für Elektroschrott anbietet. Und das ist natürlich ein riesiges Problem, denn mehr als die Hälfte des Elektroschrotts wird illegal entsorgt in Deutschland. Und Amazon, der hier so viele Geräte in Verkehr bringt, dass der nicht für ordnungsgemäße Rücknahmemöglichkeiten sorgt, das ist hier wirklich ein Problem. Deswegen gehen wir auch aktuell rechtlich dagegen vor.

Darüber hinaus kritisieren wir auch, dass Amazon den Import illegaler Elektrogeräte nach Deutschland befördert. Normale Händler müssen sich ja in Deutschland registrieren lassen und dürfen dann nur diese ordnungsgemäßen Produkte einführen. Das kontrolliert Amazon nicht und hier stellen wir fest, dass wirklich in großem Stil Produkte, die dann möglicherweise die Umweltgesetze nicht einhalten, eingeführt werden. Das Schlimme daran ist, dass Verbraucher, wenn sie dann am Ende einen Schaden haben, weil sich zum Beispiel ein Gerät entzündet oder so, dass sie dann kaum Schadensersatz von den Verursachern fordern können, weil die dann im Ausland sitzen.

Kuhlmann: Verhalten sich andere Online-Anbieter, Online-Händler ähnlich?

Sommer: Was die Zerstörung neuwertiger Waren angeht, da haben wir bisher Hinweise aus Recycling-Anlagen, aber nicht konkret zu anderen großen Online-Händlern.

"Wiederverwendung ist viel besser als Recycling"

Kuhlmann: Jetzt möchte Deutschland ja ganz gerne als Land gesehen werden, was in Punkto Umweltschutz eine Vorbildfunktion einnimmt. Sie haben Blicke in verschiedene kommunale Wertstoffhöfe geworden und festgestellt, dass dort diese Vorbildfunktion nicht immer zu erkennen ist.

Sommer: Die Wiederverwendung ist ja aus ökologischen Gründen viel, viel besser als ein Recycling, und da tut Deutschland viel zu wenig dafür. Die meisten Dinge, die man beim Wertstoffhof abgibt, werden einfach nur recycelt. Das bedeutet, sie werden wirklich zerstört, selbst wenn es neue Geräte sind. Wir sehen einige gute Wertstoffhöfe in München zum Beispiel, aber auch in Mettlach. Dort gibt es Bereiche, wo dann die Geräte in eine Wiederverwendung gehen und als Geräte weiter genutzt werden können.

Was wir hier eigentlich bräuchten, wären zum einen gesetzliche Quoten, die hier auch der Sache nachhelfen, denn aktuell wird wirklich von den zurückgenommenen Abfällen kaum was wiederverwendet. Und das andere ist, dass wir auch diese finanziellen Fehlanreize, die am Ende auch dazu führen, dass Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen Dinge wegschmeißen, die eigentlich noch gut sind, da müssen wir ansetzen. Das heißt, dass wir zum Beispiel das Spenden von Geräten oder die Wiederverwendung oder auch andere umweltfreundliche Dienstleistungen wie Reparaturen oder auch Gebrauchtwaren, dass wir die günstiger machen und dass wir gleichzeitig den Verbrauch von Primärressourcen, wie Günther Oettinger ja letztens vorgeschlagen hat mit dieser Plastiksteuer, teurer machen und natürlich nicht nur von Plastik, sondern auch von anderen Stoffen.

Kuhlmann: Welche Rolle spielt in diesem Gefüge denn jeder von uns?

Sommer: Auch als Konsument kann man eine Menge machen. Man kann beim Einkauf erst mal schauen, ob es nicht auch ein Second Hand Gerät tut, denn die sind in der Regel wirklich umweltfreundlicher, als wenn man sich was Neues kauft. Und wenn es dann wirklich was Neues sein soll, dann am besten auf ein Umweltzeichen achten, auf langlebige und hochwertige Geräte achten, die gut reparierbar sind.

Und wenn man dann das Gerät hat und das mal kaputt geht, dann am besten reparieren oder reparieren lassen. Und wenn es dann wirklich kaputt ist, dann wirklich in die ordnungsgemäße Sammlung bringen, oder sogar in spezielle Sammlungen bringen, etwa Handys zur Handy-Sammlung "Handys für die Umwelt.de". Da wird nämlich dann in jedem Fall jedes Gerät kontrolliert, ob es sich für eine Wiederverwendung eignet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk