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StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutsche Investitionen lösen nicht die Probleme der anderen20.04.2017

Kritik an HandelsüberschüssenDeutsche Investitionen lösen nicht die Probleme der anderen

Derzeit beraten in Washington IWF und Weltbank über die weltwirtschaftliche Lage. Dabei steht auch die Kritik an Deutschlands Handelsüberschüssen im Fokus. Zu Unrecht, meint Theo Geers. Man dürfe einem Land nicht zum Vorwurf machen, gute Produkte herzustellen und zu verkaufen. Es sei auch die Schwäche anderer Länder, die zu den hohen Überschüssen beitrage.

Von Theo Geers

Fußgänger laufen am Hauptquartier des IWF in Washington vorbei. (AFP / MANDEL NGAN)
In Washington trifft sich die internationale Finanzwelt (AFP / MANDEL NGAN)
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Noch geben sich die Granden der globalen Wirtschaftspolitik gelassen. Es wird schon noch gut gehen. IWF-Chefin Christine Lagarde, Weltbankpräsident Kim, aber auch der deutsche Finanzminister – sie alle, die sich derzeit in Washington beim IWF treffen, hoffen, dass Donald Trump auch beim Thema Welthandel noch die Kurve kriegt.

So wie er seine Position auch gegenüber Syrien geändert hat oder gegenüber der NATO, die auch seit einigen Tagen nicht mehr obsolet ist. Doch Gelassenheit hin und Hoffnung her – die Uhr tickt. Trump muss möglichst bald auch wirtschaftspolitisch eine 180-Grad-Wende aufs internationale Parkett legen.

Globales Wachstumsrisiko namens Trump

Denn das Problem sind die Ankündigungseffekte, das Problem ist die Verunsicherung, die der US-Präsident mit seiner Mischung aus Abschottung und offenen Drohungen gegenüber Handelspartnern herbeigeführt hat. Amerikas bislang nicht erkennbarer wirtschaftspolitischer Kurs ist inzwischen ein handfestes Abwärtsrisiko für die gesamte Weltwirtschaft.

Eigentlich müsste, um das globale Wachstumsrisiko namens Trump endlich einzuhegen, spätestens im Sommer auf dem G20-Gipfel in Hamburg die Wende kommen, doch die Zweifel wachsen, ob die Zeit bis dahin reicht. Denn es ist schwierig, an das wirtschaftspolitische Greenhorn im Weißen Haus überhaupt heranzukommen, solange wichtige Berater, über die man an Trump heran käme, noch nicht ernannt sind. Mit wem soll man da jetzt reden? Wen überzeugen?

Deutscher Exportüberschuss in der Kritik

Derweil starrt Trump unverändert nur auf rote Zahlen, die die USA in ihrer Handelsbilanz mit China oder auch Deutschland erzielen. Tatsächlich sind die riesigen deutschen Überschüsse die andere Seite der gleichen Medaille, die Trump so eifrig poliert. So gesehen wäre ein rascher Abbau auch der deutschen Überschüsse der einfachste Weg, um den wirtschaftspolitischen Anfänger im Weißen Haus wenigstens erst einmal zu beruhigen, wenn er denn schon nicht so schnell zu überzeugen ist.

Doch so einfach kann ein Land wie Deutschland gar nicht seine Überschüsse abbauen. Deutschland muss mehr investieren, so lautet die Empfehlung. Das ist richtig, aber niemand sollte sich etwas vormachen: Selbst wenn Deutschland jetzt begänne, Milliardenbeträge etwa für den Breitbandausbau auszugeben – es würde nicht zwingend auf drastisch und vor allem schnell sinkende Überschüsse in unserer Leistungsbilanz hinaus laufen.

Hinzu kommt: Zusätzliche Ausgaben in Deutschland lösen kein einziges strukturelles Problem in anderen Ländern, die wie Italien oder Frankreich in puncto Wettbewerbsfähigkeit bei Qualität, Produkten und Preisen immer mehr zurückfallen. Es ist auch diese Schwäche anderer Länder, die zu den hohen Überschüssen in Deutschland beiträgt. Wer bessere Produkte hat, verkauft und verdient auch mehr im Ausland. So einfach ist das. Das aber darf man einem Land und seiner Wirtschaft wohl kaum zum Vorwurf machen. 

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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